Ailton vor dem Abflug

Ratingen 04/19 will im Kampf um die Meisterschaft weiter mitmischen. Dazu wäre ein Sieg gegen den Ex-BundesligistenKFC Uerdingen notwendig. Für die Krefelder und ihren früheren Bundesliga-Torschützenkönig würde der Aufstiegs-Traum platzen.

20 Tore hatte er versprochen. Zum Aufstieg wollte er den KFC schießen. Acht Einsätze hat er bislang absolviert. Ein einziges Tor hat er dabei erzielt — am vergangenen Mittwoch bei der bitteren 2:3-Heimniederlage gegen den VfB Homberg. Das hat ihm sicher gut getan. Ob es ihm Auftrieb gibt? Ob er jetzt noch einmal durchstartet? Ob er morgen in Ratingen von Beginn an auf Torejagd gehen darf?

In Ratingen freuen sie sich jedenfalls auf den Kugelblitz. "Er ist die Attraktion der Liga, auch wenn sein Einstand nicht so gelungen war", sagt der RSV-Vorsitzende Jens Stieghorst. Und aufgrund der brisanten Konstellation, dass beide Mannschaften gewinnen müssen und es für die Uerdinger bereits die letzte Chance ist, rechnet er mit fast 2000 Zuschauern.

Für Ratingen eine große Kulisse, für Ailton natürlich nicht. Für den bald 37-Jährigen, einst ein gefeierter Star der Fußball-Bundesliga und Liebling der Fans zwischen Westerland im Norden und Sonthofen im Süden, neigt sich die Karriere dem Ende entgegen. Ob das in Krefeld sein wird? Wie lange er noch beim KFC bleibt? Bei den Fragen, auch gesehen im NDR-Fernsehporträt, atmet der ehemalige Bundesliga-Torschützenkönig tief durch und zuckt mit den Achseln: "Ich weiß es nicht."

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Ohne Frage: Ailton ist nur noch ein Schatten vergangener Tage. Gut, der Rummel um seine Person seit seiner Verpflichtung in den Medien war gewaltig. Und die Wirkung, die seine Vertragsunterzeichnung hatte, ebenso. "Ailton war sicherlich der Türöffner für die anderen Transfers. Daran hat man gesehen, dass wir es ernst meinen mit unserer Vision, den KFC wieder nach oben zu bringen", hat Vorsitzender Lakis mal gesagt.

Mag sein. Aber sportlich? Von seiner einst gefürchteten Schnelligkeit ist nur noch in Ansätzen etwas zu sehen. Die Bälle verspringen ihm häufig. Selten, viel zu selten blitzt etwas von seinen früheren Fähigkeiten auf. "Toni ist einfach nicht fit", sagt sein Trainer Edgar Schmitt. Die Vorbereitung im Winter konnte der Brasilianer nur eingeschränkt absolvieren. Die durch, mit Verlaub, eigene Dusseligkeit zugezogene Handverletzung verhinderte ein vernünftiges Training — auch mit der Mannschaft, aus der es hinter vorgehaltener Hand bereits hieß, dass das Beste, das Ailton bislang dem KFC gebracht hat, Raiff sei. Den jungen brasilianischen Stürmer, der in acht Spielen drei Tore schoss, hatte Ailton empfohlen. Was vorsichtig formuliert wird, macht sich auf dem Feld deutlich. Denn dort wirkt er häufig wie ein Fremdkörper — bekommt allerdings, das muss man zu seiner Ehrenrettung sagen, auch selten brauchbare Anspiele. "Im Training gibt er sich Mühe. Da spürt man, dass er es noch mal wissen will", sagt Schmitt. Doch die Wehwehchen nehmen nicht ab — ein Zeichen des Alters. Zuletzt waren es Leistenbeschwerden.

Auch Edgar Schmitt reagierte entsprechend. Hatte er bei seinem Amtsantritt noch gesagt, Ailton würde stets von Beginn an spielen, so hat er sich mittlerweile selbst korrigiert. Zuletzt beorderte er Kapitän Erhan Albayrak auf die Stürmerposition von Ailton, auf Albayraks Platz rückte der erst 18-jährige Selim Özdemir. Ailton wurde eingewechselt. In der Startformation scheint kein Platz mehr für ihn zu sein. Mittwoch stach er als Joker. Und morgen in Ratingen?

(RP)