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Sparkassen in Hilden und Haan erfüllen Sparverträge

Kreis Mettmnann : Sparkassen verzichten auf Kündigungen

Immer mehr Sparkassen in ganz Deutschland versuchen, hochverzinste Sparverträge ihrer Kunden loszuwerden. Laut dem Finanzportal Biallo sollen bundesweit bereits mindestens 280.000 Verträge gelöst worden sein.

Nicht nur Sparer, auch Sparkassen leiden unter den historisch niedrigen Zinsen. Und versuchen zu sparen: Die Sparkasse Krefeld hat langjährigen Kunden mitgeteilt, dass sie die mit ihnen geschlossenen Prämiensparverträge bis spätestens 30. März 2020 kündigen will. 12.500 Verträge sind in diesem Jahr betroffen, weitere werden aller Voraussicht nach in den kommenden Jahren folgen. Es geht um Millionen Euro. Die Kunden wurden telefonisch vorab informiert.

Die Sparkasse Duisburg/Kamp-Lintfort hat zum 30. Juni 2020 mindestens 15 Jahre alte Prämiensparverträge von rund 11.500 Kunden gekündigt. Die Altverträge seien angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (Minizinsen) nicht mehr tragbar, begründen die Geldinstitute ihr Verhalten. Betroffen sind bundesweit mindestens 280.000 Verträge, berichtet das Finanzportal biallo.de.

Die Stadt-Sparkasse Haan habe ihren Kunden keine Prämiensparverträge gekündigt, teilt Nina Schmitz-Steingröver, Leiterin der Unternehmenskommunikation, auf RP-Anfrage mit. Der Bestand solcher Produkte sei im Unternehmen „unterdurchschnittlich“: „Insofern hat sich bisher für unser Haus kein dahingehender Handlungsbedarf ergeben.“

Die Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert hat mit ihren Kunden rund 14.500 Prämiensparverträge abgeschlossen – und nicht einen gekündigt, erläutert Thomas Besting, Abteilungsleiter Vorstandsstab. Wenn Banken Sparverträge kündigten, beriefen sie sich in der Regel auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes vom 14. Mai 2019 (AZ: XI ZR 345/18). Die Richter haben entschieden, dass Sparverträge ohne vertraglich vereinbarte Laufzeit nach 15 Jahren gekündigt werden dürfen, wenn sie mindestens einmal die höchste jährliche Zusatzprämie erreicht haben. „Die Sparkasse HRV hat ihren Kunden ausschließlich Sparverträge mit fester Laufzeit und konkretem Ablaufdatum angeboten“, sagt Besting: „Diese Verträge sind während dieser Laufzeit nicht kündbar und werden von der Sparkasse bis zu deren Fälligkeit voll erfüllt.“

Auch in den Vorgänger-Sparkassen (zum Beispiel der Sparkasse Hilden) seien ebenso Sparverträge mit fester Laufzeit und konkretem Ablaufdatum angeboten worden.

Diese Vertragsform mache neun von zehn Verträge aus. In einigen Fällen seien in den Vorgänger-Sparkassen auch Sparverträge ohne explizites Enddatum angeboten worden. Besting: „Aktuell müssen unsere Kunden nicht mit Vertragskündigungen rechnen. Alle Sparpläne werden von der Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert vertragsgemäß weitergeführt.“

Lutz Strenger, Sprecher der Kreissparkasse Düsseldorf, erläutert: „Unser Haus verfügt über einen Bestand von insgesamt knapp 10.000 Prämiensparverträgen mit den unterschiedlichsten Vertragsgestaltungen und –arten, die unsererseits nicht gekündigt sind.“ Zugleich stellt er das Thema in einen erweiterten Zusammenhang. „Um als Anleger Erträge zu erzielen, die über der Inflationsrate (derzeit rund 1,5 Prozent) liegen, führt unseres Erachtens kein Weg an der Anlage in Wertpapieren vorbei.“ Diese Erkenntnis bestätige übrigens auch das im Herbst veröffentlichte Vermögensbarometer der Sparkassen-Finanzgruppe: Die Niedrigzinsen beeinflussen nach Strengers Angaben die Menschen immer stärker bei ihren Anlageentscheidungen. Erstmals antwortete ein Fünftel der Befragten, dass man bereit sei, für eine höhere Verzinsung ein höheres Risiko einzugehen.