Sparkassen-Filialen schließen in Ratingen: Seniorenrat kritisiert Pläne

Schließung : Seniorenrat kritisiert Sparkassen-Pläne

Die Schließung zweier Filialen schlägt weiter hohe Wellen. Nun gibt es einen „Offenen Brief“ an den Vorstand.

Der Ärger ist längst noch nicht verflogen: Helmut Freund, der Vorsitzende des Seniorenrates, wählte in dem „Offenen Brief“, den auch die  RP erhielt, deutliche Worte: „Der Seniorenrat der Stadt Ratingen erwartet vom Vorstand der Sparkasse HRV, reale Maßnahmen zu ergreifen, die große Erschwernisse besonders der älteren Kundschaft ersparen, Missbrauch ausschließen (mobile Beratung zuhause) und den Buchstaben und dem Geist des Sparkassengesetzes des Landes Nordrhein-Westfalen folgen.“

In dem Gesetz stehe unter anderem, dass die Sparkassen „die finanzielle Eigenversorgung und Selbstverantwortung der Bevölkerung fördern“. Die dringende Bitte des Seniorenrates: Der Vorstand möge vor allem die Möglichkeit einer sogenannten Telefonfiliale näher erläutern.

Freund zeigte sich enttäuscht darüber, dass die Filialen in West (Berliner Platz) und Ost (Homberger Straße) geschlossen werden. Für eine große Zahl von älteren Menschen bedeute die Schließung der Filialen eine erhebliche Zumutung. Das Schreiben ist an den Vorstand und den Verwaltungsrat gerichtet.

Rückblick auf eine denkwürdige Ratssitzung: Die Sparkassen-Vorstände Jörg Buschmann (Vorsitzender) und Wolfgang Busch (stellvertretender Vorsitzender) hatten sich das bestimmt anders vorgestellt. Mit einer mehrstündigen Diskussion über die Schließungspläne für die Filialen in West und Ost hatten die Manager im Stadtparlament nicht gerechnet.

Bürger überreichten den beiden Vorständen Listen mit rund 2500 Unterschriften, untergebracht in einem dicken Ordner. Betroffene Kunden kamen zu Wort, teilweise durch schwere Behinderungen stark beeinträchtigt. Sie kritisierten, dass die Sparkasse ihrer sozialen Verantwortung nicht mehr nachkomme.

 Busch hatte sich in seinem Vortrag über die Stärken des Unternehmens jedenfalls darum bemüht, die Nähe zu den Kunden herauszustellen. Eine Untersuchung habe ergeben, dass eine Filiale nur einmal pro Jahr für eine Beratung aufgesucht werde.

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Selbstbedienungsgeräte nutze man 24 mal pro Jahr, das Online-Banking 108 mal in diesem Zeitraum. Botschaft: Immer mehr Kunden nehmen die digitalen Angebote in Anspruch, so auch die Sparkassen-App.

Busch betonte, dass es eine Telefon-Filiale mit 35 ausgebildeten Bankkaufleuten gebe, dazu eine Internet-Filiale. „Wir werden für jeden Kunden eine individuelle Lösung finden“, fügte er hinzu.

Jürgen Lindemann, der Vorsitzende des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde Ratingen, hielt dagegen: Die Schließungspläne würden vor allem die schwächeren Leute treffen, und es stimme nicht, dass man mit Blick auf die Filiale am Berliner Platz in Ratingen West nur einmal pro Jahr zu einem Beratungsgespräch komme, „da gibt es immer lange Schlangen“.

SPD-Fraktionschef Christian Wiglow sah in dem Aus der Geschäftsstelle am Berliner Platz eine verheerende Wirkung für das Einkaufszentrum, das ohnehin schon sehr fragil sei. Durch den Verlust der Filiale würde ein wichtiger Anlaufpunkt im Stadtteil fehlen.

Behandelt wurde auch die Frage, warum Ratsmitglieder wie Ewald Vielhaus (CDU) im Verwaltungsrat die Pläne durchwinken, die dann per Antrag (auch von der CDU) gestoppt werden sollen. Bürgermeister Klaus Pesch, selbst in diesem Gremium sitzend, betonte, dass die Mitglieder des Verwaltungsrates laut Sparkassen-Gesetz nicht an Weisungen gebunden seien.

Letztlich tagte der Verwaltungsrat noch einmal: An der Entscheidung, die beiden Filialen zu schließen, änderte sich aber nichts mehr.

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