Neue Ausstellung : Kunst spiegelt Träume vom Wohnen

Die Ausstellung „Der Traum vom Wohnen“ ist jetzt im Museum Ratingen zu sehen. Künstler nähern sich dem Thema auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Es gibt auch Motive aus Ratingen West zu betrachten.

Die Diskussionen über das Thema „Wohnen“, mit dem sich die Ausstellung „Der Traum vom Wohnen“ im Museum Ratingen auseinandersetzt, gewinnt seit einigen Jahren bedeutend an Fahrt. Waren es zunächst Tausende von Flüchtlingen, die irgendwo Wohnraum suchten, hat die Corona-Krise einem jeden die räumliche Enge vor Augen geführt, in die die Menschheit gezwängt wurde. Und auch der dritte Aspekt hat die Politik erreicht, denn dort ist das Thema „Bezahlbares Wohnen“ ziemlich in den Mittelpunkt der politischen Auseinandersetzungen gerückt.

So haben sich vier Künstlerinnen und Künstler und ein Künstler-Duo diesem Thema genähert. Neringa Naujokaite, geboren in Litauen, hat ein halbes Jahr mit Hilfe eines Stipendiums in Chongqing, einer 31 Millionen-Stadt im Südwesten Chinas, gelebt. Ihre Fotografien zeigen die Dichte, die Enge, in der die Menschen leben müssen.

Die Stadt lässt durch Smog und Nebel keinerlei klare Konturen erkennen, alles ist verschwommen,  und die Farben sind wie verwaschen. Anders ihre Serie „Schwarz Weiß Grau“. Hier hat sie die Restaurierungsarbeiten einer Altbauwohnung in Kaunas/Litauen dokumentiert.

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Die Fotos über eine Wohnung im Stil des Art Déco sind klar und schnörkellos. Licht und Schatten geraten zu einem starken Ausdruck – eine Hommage an den Bauhaus Künstler Lázló Moholy-Nagy, der unter dem oben genannten Titel einen Film gedreht hat.

Ulrike Kessel zeigt eine Fotoserie, die auf einer Reise durch Rumänien entstanden ist. Fasziniert war sie von den Bänken vor den Häusern, die für sie zur Einkehr einladen. Es sind Collagen, die sie aus unterschiedlichen Materialien, wie Teppichboden, Holz und Alltagsgegenständen fertigt. Ihre Installation „Zeitkapsel“ hängt wie ein Ufo im Raum, zwei miteinander verbundene Zelte, die Gegensätzliches assoziieren: Urlaub und Flucht.

Driss Ouadahi stammt aus Nordafrika, einem Land, das in leuchtenden Farben schwelgt, die sich auch in seinen Bildern widerspiegeln. Die riesigen Hochhäuser, die er fast pedantisch mit Öl gezeichnet hat, zeigen, dass er sich intensiv mit Architektur, aber auch mit der Natur beschäftigt hat. Die Häuserlandschaften scheinen hinter Gittern zu liegen und sind dennoch in die Natur eingebunden. Ein Gitter ist eingerissen – Flucht? Für sein Wandgemälde haben auch die Papageienhäuser in Ratingen West Pate gestanden, die vor ihrer Renovierung in leuchtendem Rot, Gelb und Orange erstrahlten.

Für Veronika Peddinghaus ist würdevolles Wohnen ein Grundrecht. Die Erinnerungen an ihre Jugend, die sie in der Umgebung von Castrop-Rauxel verlebt hat: eine Halde, das Büdchen um die Ecke, ein Päckchen mit verschimmeltem Brot, Hochhäuser. Eine andere Serie zeigt die F-Route – einen Fluchtweg über die Pyrenäen. Zu Zeiten des Spanischen Bürgerkrieges nahmen die Menschen den Weg von Spanien nach Frankreich, im Zweiten Weltkrieg flüchteten die Menschen in umgekehrter Richtung.

Diese F-Route will an das Ehepaar Fittko erinnern, das vielen Flüchtlingen geholfen hat, trägt aber heute den Namen des Philosophen Walter Benjamin, der versuchte, den Nazis zu entkommen, aber in Portbou direkt hinter der französischen Grenze gefasst wurde.

Das Künstler Duo Ute Hörner und Mathias Antifinger verbindet ein besonderes Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Ihre Wohnung teilen sie mit vier Papageien und wollen damit die Gleichberechtigung von Mensch und Tier betonen. Da gibt es ein Foto von einem Papagei in seinem Spielzimmer – gegenüber einer Geflügelmastanlage, die den Blick in ihr Inneres nicht gestattet.

Eine Installation zeigt ein Kälbchen, das auf einem Ikea-Sofa ruht. Mit dem Leder des einstmals bezogenen Sofas ist das Kalb eingekleidet worden, und damit es auf Augenhöhe mit den Menschen lebt, ist das Sofa erhöht worden. Eine sehenswerte Ausstellung, die sich für jeden lohnt, der sich mit dem Thema Wohnen durchaus kritisch auseinandersetzen will.

Im Museum Ratingen sind immer wieder neue Ausstellungen zu sehen. Es gibt dort auch eine große Abteilung zur Heimatgeschichte.