Sonntagsöffnung mit Fragezeichen

Ratingen : Sonntagsöffnung mit Fragezeichen

Der Landtag hat grünes Licht für öffentliche Büchereien gegeben. In Ratingen ist noch keine Entscheidung gefallen.

Der Landtag hat am Mittwoch grünes Licht für die Sonntagsöffnung von öffentlichen Bibliotheken gegeben, die von Hauptamtlichen geleitet werden. Dazu gehört in Ratingen beispielsweise die Stadtbibliothek im Medienzentrum. Doch ob die Bücherei am Peter-Brüning-Paltz künftig am Sonntag ihre Türen für Besucher öffnen wird, ist noch fraglich.

„Sicher haben wir schon häufig darüber gesprochen“, sagt Bibliotheksleiterin Dr. Erika Münster Schröer. Doch eine solche Entscheidung müsse genau abgewogen werden. Beispielsweise müsse untersucht werden, ob es eine entsprechende Nachfrage in der Bevölkerung gebe. Zudem muss bei einer städtischen Einrichtung der Personalrat einbezogen werden, wenn es um die Arbeitszeiten am Sonntag geht.

Fragen, die aktuell aber noch gar nicht im Raum stehen, wie Erika Münster-Schröer erklärt. „Wir haben nicht vor, in Kürze eine Entscheidung zu treffen. Eine Sonntagsöffnung wäre im Moment gar nicht möglich, weil das Bürgerbüro noch im Haus ist. Da müsste das Medienzentrum vorher erst umgebaut sein.“

Außerdem gibt Münster-Schröer zu bedenken, dass eine Sonntagsöffnung möglicherweise zu Lasten anderer Öffnungszeiten ginge. „Es wäre dann zu überlegen, in der Woche vormittags zu schließen. Wir haben jedoch einen hohen Anteil an älteren Besuchern, die gerne gerade zu diesen Zeiten kommen“, sagt die Bibliotheksleiterin. „Die Entscheidung will gut abgewogen sein.“

Für Hildegard Pollheim, Leiterin der katholischen und öffentlichen Bücherei von Herz Jesu an der Rosenstraße, ist eine Öffnung am Sonntag überhaupt keine Frage. Da die Bücherei rein von Ehrenamtlichen betrieben wird, gab und gibt es für die Einrichtung keine Vorschriften, was die Öffnungszeiten betrifft. „Der Sonntag ist bei uns der stärkste Ausleihtag“, sagt Pollheim, die seit 43 Jahren in der Bücherei aktiv ist. „Wenn wir kundenorientiert arbeiten wollen, müssen wir sonntags öffnen“, sagt sie. Vor allem, weil an diesem Tag auch eine Messe stattfindet und so mancher Kirchenbesucher anschließend mit der Familie in die Bücherei kommt.

Doch es kommen auch viele, die mit der katholischen Kirche nicht verbunden sind. „Hier kann jeder hinkommen, unabhängig von Religion und Alter. Uns besuchen auch Kirchenlose und Muslime“, sagt Pollheim. Und gerade das ist es, was sie an der Bücherei so schätzt. Aber auch die Chance, dass Eltern sonntags gemeinsam mit ihren Kindern die Bücherei besuchen können, was für viele in der Woche nicht möglich ist. „Sonntags kommen auch schon mal Väter mit ihren Kindern vorbei“, sagt Pollheim.

18 ehrenamtliche Mitarbeiter sorgen derzeit in Herz Jesu dafür, dass die Bücherei zu fünf verschiedenen Zeiten geöffnet werden kann. „Wir können aber immer noch Neue gebrauchen“, sagt Pollheim. „Arbeit ist genug da.“ Und für die engagierte Leiterin der Einrichtung ist gerade der Sonntag ein Tag, den Familien gerne in der Bücherei gemeinsam verbringen,und das bei jedem Wetter. Dort ist es trocken „denn es gibt ein Dach über dem Kopf“.

Mehr von RP ONLINE