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So fahrradfreundlich ist Ratingen tatsächlich

Serie Rad : So fahrradfreundlich ist Ratingen tatsächlich

Die Stadt möchte den Radverkehr bis 2025 auf 25 Prozent steigern. Aber kann dies angesichts fehlender Radwege überhaupt gelingen.

Die Stadt Ratingen hat sich für dieses Jahr auf die Fahnen geschrieben, die  Verkehrssicherheit von älteren Radfahrern weiter zu fördern. Unter dem Motto „Radfahren im besten Alter“ will sie damit Gesundheitsförderung, insbesondere für ältere Ratinger, betreiben.

Öffentliche Themennachmittage zum Radfahren, zur Verkehrssicherheit und zur richtigen Radausrüstung stehen genauso wie Fahrsicherheitstrainings und Workshops über die schönsten Radstrecken und -touren in und um Ratingen in diesem Jahr auf der Agenda.

Es wird angestrebt, heißt es weiter im städtischen „Masterplan Radverkehr 2016 bis 2020“ von Ende 2015, den Radverkehrsanteil  bis 2025 auf 25 Prozent zu steigern, dabei die Zahl der verunglückten Radfahrer bis 2025 um rund 20 Prozent zu reduzieren. Zudem soll die Zahl der getöteten und schwer verletzten Radfahrer in fünf Jahren um etwa 50 Prozent sowie die Zahl der Unfallhäufungsstellen bis dahin um 100 Prozent  auf null gesenkt werden. Aber sind diese Ziele zu realisieren?

Um diese Frage zu klären, lohnt sich nicht nur ein Blick auf den gegenwärtigen Zustand der Radmobilität sowie auf das Radwegenetz in der Stadt, sondern notabene auch auf Unfallschwerpunkte. Und wie schaut eigentlich das Radverkehrskonzept der Zukunft aus, gibt es gar eins in Ratingen? Hier unser kurzer Überblick zu den Aspekten:

Wie hat sich die Radmobilität in Ratingen entwickelt?

Der Fahrradbeauftragte der Stadt Ratingen, Martin Willke, geht davon aus, dass der Radverkehrsanteil bei den innerstädtischen Fahrten in den vergangenen Jahren von 9 auf 14 Prozent gestiegen ist. „Das geht aus einer Studie hervor, die am 31. März in Düsseldorf präsentiert und danach veröffentlicht werden soll.“ Es handelt sich um eine bundesweit durchgeführte repräsentative Verkehrsbefragungen der Technischen Universität Dresden, erklärt Willke. Unternehmen in und um Ratingen unterstützen ihre Mitarbeiter bereits etwa dabei, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Die Heiligenhauser Firma Kiekert beispielsweise hat seit 2019 ein betriebseigenes Ausleihmodell von E-Pedelcs eingeführt und übernimmt die Kosten des Versicherungsschutzes der Räder. Zudem macht die Firma beim Stadtradeln in Heiligenhaus federführend mit.

 Wo ist das Radwegenetz ausbaubedürftig?

Das Ratinger Radwegenetz konnte in den vergangenen Jahren bereits nachweislich an einigen Stellen verbessert werden. „Oftmals wird der Radverkehr nicht auf eigenen Wegen, sondern auf den Fahrbahnen geführt – hierfür dienen Radschutzstreifen, die in vielen Bereichen aufgebracht wurden“, erklärt Fahrbeauftragter Willke. Entlang der Düsseldorfer Straße sowie am Freiligrathring seien sogar Radfahrstreifen aufgebracht worden – diese entsprächen „baulichen Radwegen“.

Ein Schwachpunkt für Radfahrer sind in Ratingen die Verbindungen zwischen den Stadtteilen – hier ist die Stadt jedoch wegen mangelnder Zuständigkeit auf den Kreis oder das Land als Träger der Baulast angewiesen, erklärt Willke weiter. „ Im vergangenen Jahr wurden allerdings die K10 (Knittkuhler Str.) und die K19 (Breitscheider Weg/Lintorfer Weg/Kahlenbergsweg) durch den Kreis Mettmann saniert, so dass dort die überörtliche Verbindung wesentlich attraktiver geworden sind.“

Eine deutliche Verbesserung für Radler soll es bald zwischen Ratingen-Mitte und Lintorf geben. Der Radweg zwischen der Fahrbahn der L239 (Blyth-Valley-Ring) und den Westbahn-Gleisen werde zwischen Jägerhofbrücke und Lintorf erneuert und auf der gesamten Strecke beleuchtet.Das Besondere hierbei: Die Stadt Ratingen baut diesen Radweg, obwohl die L239 sich im gesamten betroffenen Abschnitt in der Straßenbaulast des Landes NRW befindet. „Die Kosten werden geteilt. Die Sanierung des Weges übernimmt der Landesbetrieb, die Beleuchtung der Strecke die Stadt“, heißt es dazu von Martin Willke.

In Ratingen- West oder Lintorf finden sich aber auch einige ehemalig benutzungspflichtige Radwege, die zwar immer noch unterhalten werden, bei denen aber „das blaue Schild“ abgebaut wurde. Hier sei es seit der StVO-Novelle von 2009 das Ziel der Stadt, den Kfz- und Fahrradverkehr im Mischverkehr zu führen, erklärt Willke. „Diese Lösung findet sich oft in Tempo 30-Zonen. Dahinter steht die Überlegung, dass nicht das Fahren in einer Richtung das Problem ist, sondern die an den Kreuzungen auftretenden Konflikte.“ Diese aber würden derzeit entschärft, indem man die Radfahrer in das Blickfeld der Autofahrer bringe.

 Wo sind Unfallschwerpunkte in Ratingen für Radler?

In dem Ende Februar veröffentlichten Verkehrsunfallbericht der Kreispolizei für das zurückliegende Jahr wird auf eine derzeit noch steigende Anzahl von verunglückten Radfahrern verwiesen. Dabei sind laut Bericht eine der Hauptunfallgruppen ältere Radfahrer auf E-Pedelecs. Im Vergleich zu 2018 ist die Zahl verunfallter Senioren von 58 auf 89 noch einmal gestiegen. „Derzeit macht die zunehmende Zahl von verunfallten Pedelec-Nutzern Sorgen“, erklärt Willke. Deshalb will auch die Stadt diese Gruppe konkret dieses Jahr in den Fokus ihrer Bemühungen für mehr Sicherheit auf dem Rad und im Verkehr rücken.

An welchen Stellen und Orten im Stadtgebiet allerdings Unfälle sich häuften, sei nicht bekannt, teilt Willke mit. „Sollte sich aber eine solche räumliche Häufung zeigen, wird eine Unfallkommission einberufen, die in der Lage ist, Sofortmaßnahmen zu beschließen.“

Wie sieht das Radverkehrskonzept der Kommune für die kommenden Jahre aus?

Derzeit werde noch der „Masterplan Radverkehr“ umgesetzt. Dieses mittlerweile in die Jahre gekommene Werk bedürfe einer Überarbeitung, die in diesem Jahr beginnen werde, heißt es von Willke. Der Masterplan hat damals, vor fünf Jahren, etwa das Thema E-Bikes noch gar berücksichtigt. Die Entwicklung sei aber inzwischen fortgeschritten. So gibt es laut Willke in der Stadt 30 Fahrradboxen an ÖPNV-Umsteigepunkten, viele von ihnen mit Lademöglichkeit ausgestattet. Bei den Abstellmöglichkeiten und Diebstahlschutz seien ebenfalls Verbesserungen angedacht. Konkret gehe es aber zunächst um die Herstellung von überdachten und nicht überdachten Fahrradbügeln in der Innenstadt, an Haltestellen des ÖPNV und Verbesserungen der Abstellsituationen an den Schulen im Stadtgebiet, erklärt Martin Willke, der einräumt, dass besonders in diesem Punkt seitens der Stadt noch viel Luft nach oben ist.