Hösel: Sie liebt die Kunst und das Ruhrgebiet

Hösel: Sie liebt die Kunst und das Ruhrgebiet

Susanne Peters-Schildgen ist seit 15 Jahren wissenschaftliche Mitarbeiterin im Oberschlesischen Landesmuseum.

Sie ist so eine leise, zurückhaltende Person, mit feinem Witz und gepflegtem Ausdruck, wirkt unaufdringlich und bescheiden. Eine Dame halt. Die Dame heißt Susanne Peters-Schildgen, ist 49 Jahre alt und seit 15 Jahren wissenschaftliche Mitarbeiterin und Kustodin (was aus dem Lateinischen übersetzt Wächterin heißt) im Oberschlesischen Landesmuseums in Hösel.

Morgens fährt sie eine Dreiviertelstunde aus ihrem Heimatort Herne nach Ratingen, abends mit Glück noch einmal so lange zurück, mehrmals in der Woche läuft sie acht bis zehn Kilometer mit Begeisterung und Hund durch ihre ländliche Wohngegend. Das alles hört sich wohlgeordnet und gut durchgeplant an, ein bisschen nach Routine. Doch - wie so oft - ist das wahre Kino im Kopf und liegt die tatsächliche Spannung in einer Arbeit, die "artfremden" Betrachtern eher fremd ist.

Der Doppelname ist eher den Zeichen der Zeit geschuldet, die zur Zeit der frühen Eheschließung eher auf politisch-stürmisch standen. "Damals ging man doch mal auf eine Demo", sagt Peters-Schildgen. Sieh mal an.

Damals hat die generell sehr gut benotete Schülerin auch fleißig gelernt, hat in Bochum Kunstgeschichte, Philosophie und Archäologie studiert, den Schwerpunkt ihres Forschungsdrangs in Kunst und Kunstgeschichte der Renaissance bis zum 19. Jahrhundert gesehen, ist mit dem Thema "Die Bedeutung Filippino Lippis für die Kunst des Manierismus unter besonderer Berücksichtigung der Strozzi-Fresken in Santa Maria-Novello zu Florenz" promoviert worden. Das "magna cum laude" ist letztlich ebenso schlüssig wie der Titel der Dissertation genussfähig.

Sie war schon verheiratet, hielt allerdings - bei aller Liebe zur Heimat Herne - eine berufliche Entwicklung fern des Ruhrpotts (sie sagt "Ruhrgebiet") für gescheit. Erst war sie wissenschaftliche Volontärin im Lübecker Kunst- und Kulturgeschichts-Museum, sie war Mitarbeiterin des Kultursekretariats in Gütersloh, Historikerin im Archiv der Stadt Herne, konzipierte eine Riesen-Ausstellung über frühe Migranten "Auf dem Weg ins Paradies?" in den Flottmann-Hallen, leitete dort die wissenschaftliche Vortragsreihe und veröffentlichte ausgiebigst. Das geschah alles bis in die späten 90er Jahre. Veröffentlicht wird auch heute noch.

Ziemlich kurz heißt es in ihrem Lebenslauf in der Zeit von November 1997 bis April 1999: "Familienphase: Schwangerschaft, Geburt und Erziehung des Kindes". Diesem Kind wurde wahrscheinlich auch vom Vater, natürlich von der Mutter und von sich selbst weitergeholfen, so dass es ganz ordentlich durch die Schule kam und bald Abitur macht. Auf jeden Fall ist die Mutter erkennbar stolz.

Susanne Peters-Schildgen hat im Ruhrlandmuseum in Essen mitgemischt, als es um das Großprojekt "Historama Ruhr 2000" ging, und dockte schließlich, das war im Juli 2000, am Oberschlesischen Landesmuseum an. Ob sie nun in verschiedenen Preisgerichten bei Geschichtswettbewerben saß und entschied, ob sie hier an einem roten Faden häkelte, der sich durch ein Ausstellungsprojekt wand oder, ob sie ihre reichhaltigen Erfahrungen generell in ein Projekt einbrachte, alles war irgendwie neu und entwickelte sich vollkommen logisch aus einer früheren Beschäftigung. Die Museumsfrau ist zuverlässig - was die Kollegen gern bestätigen, sie ist gut organisiert und sagt von sich selbst, dass da auch noch eine gewisse Hartnäckigkeit in ihr wohne. Man braucht gar nicht daran zu zweifeln, dass sie Ehrenämter besetzt, zum Hundesport geht, Krimis liest, kocht, Filme anschaut... Alles mit Begeisterung, mit einer sichtbar stillen Begeisterung.

(RP)
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