Ratingen: Sie baut Roboter für die Industrie

Ratingen : Sie baut Roboter für die Industrie

Anja Diehlmann (24) arbeitet bei der Ratinger Firma Tünkers. Im Internetauftritt ihrer Firma sieht man sie als Werbegestalt für die Vielfalt der technischen Berufe.

Allererster Blick auf die junge Frau: Der Hingucker beim Feiern. Erste Sätze im Gespräch: Sie weiß genau, was sie kann, was sie gern möchte. Und was sie nicht möchte. Sie ist Anja Diehlmann, 24 Jahre alt und bei der Ratinger Firma Tünkers beschäftigt. Sie hat sich ganz bewusst vor ein paar Jahren dieses Familienunternehmen als Ausbildungsstätte erkoren, kommt es doch aus dem Maschinenbau, hat sich zum Global Player für Automationstechnik entwickelt und ist nun Experte für Kleinfahrzeuge und für Bereiche, die sich so hübsch mit Ramm- und Ziehtechnik sowie Anleim- und Kaschiermaschinen beschreiben lassen. Der Industrie-Mechatronikerin gehen sie natürlich flott über die Lippen.

Anja Diehlmann ist in Haan geboren, wohnt dort bis heute und fährt jeden Arbeitstag nach Ratingen und zurück. Im Auto, dessen Reifen sie - mal nebenbei gesagt - selber wechselt, und zwar ohne Jammern. Als Kind verbaute sie Legosteine, bis irgendwann die Barbies auch ihr Kinderzimmer eroberten. Schon in ihren Kinderzeiten kümmerten sich die Eltern um eine liebevolle Rundum-Betreuung; sie konnte manchen Sport ausprobieren, ohne dass es Stress gab oder Vater und Mutter darauf bestanden, dass sie nun auf jeden Fall bei einer bestimmten Sportart bleiben musste. So machte sie schon mit sechs Jahren Kung fu ("Die Lehrerin war ziemlich streng und machte ein bisschen Angst"). Bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft lernte sie Schwimmen. "Klar, das machte auch Sinn, dass sich meine Eltern im Urlaub am Meer keine Sorgen zu machen brauchten". Es gab Ballettstunden, es gab Fußball im Verein. Allerdings waren da auch noch ihre Cousins, mit denen sie beim Roller-Tuning zusammengluckte.

Wenn sie sich daran erinnert, waren viele andere Mädchen nicht so wie sie und auch nicht so begeistert wie sie beim Training und beim Fußballspielen dabei. "Eigentlich schade", meint Anja heute, "das hätte was werden können". Immerhin entwickelte sich so viel Liebe zum Fußball, dass sie seit fünf Jahren eine Dauerkarte für Fortuna hat und unerschütterlich dem Düsseldorfer Verein die Treue hält.

Ihre Eltern hatten schon damals zum Übergang von der Hauptschule in die Realschule geraten - und das war sehr erfolgreich. Die Schülerin schaffte das Fachabitur und die Fachhochschulreife, schrieb sich für eine duale Ausbildung in Uni und Betrieb ein. Da hatte Anja Diehlmann aber schon eine ganze Reihe von Praktika absolviert - hatte in einem Krankenhaus gearbeitet, wusste einiges über Klimatechnik, Installation und Kraftfahrzeuge. Und der Brüller: Sie schaute sich auch mal in einem Kosmetikinstitut um. Nun ließ sie die universitäre Unterweisung - weil zu trocken - und machte bei Tünkers eine "normale" Ausbildung in Betrieb und Berufsschule, dreieinhalb Jahre lang. Die Eltern ermutigten sie beharrlich, die Tochter hatte dann auch zeitgerecht einen Führerschein und bald auch ein Auto.

Im Januar vergangenen Jahres war sie fertig mit der Lehre, wurde in der Greifertechnik eingesetzt, in der Arbeitsvorbereitung für Elektrik und Pneumatik. Gegenwärtig arbeitet sie mit dem Schwerpunkt Büro. Doch eine erst aktuell absolvierte Fortbildung lässt sie hoffen, dass sie demnächst wieder in der Produktion und Hand in Hand mit dem Roboter unterwegs ist. Inzwischen arbeitet sie dort mit mehr jungen Frauen zusammen als zu den Zeiten ihrer ersten Praktika - die Firma hat offenbar gute Erfahrungen gemacht.

Im Internetauftritt ihrer Firma sieht man Anja Diehlmann als Werbegestalt für die möglichen technischen Berufe. Und es sei verraten, dass Tünkers im tatsächlichen Arbeitsleben nicht nur auf Arbeitskleidung und Sicherheitsschuhe achtet, sondern auch darauf, dass am entsprechenden Arbeitsplatz eine lange Haarmähne so zusammengebunden wird, dass die Trägerin unbeschadet ihren Berufsalltag übersteht und auch noch für die Freizeit überlebt - sei es nun beim Ausgehen oder beim Fußball-Gucken.

(RP)
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