Ratingen: Seelsorger machen Gemeinde fit für die Aufgaben der Zukunft

Ratingen: Seelsorger machen Gemeinde fit für die Aufgaben der Zukunft

Pastor Daniel Schilling und Pastoralreferent Ralf Gassen setzen auf die Verkündigung des Evangeliums.

Die Beruhigung für katholische Kreise zuerst: Ja, es wird auch in diesem Jahr einen christlichen Weihnachtsmarkt geben. Und, nein, es gibt kein Sabbatjahr, ein Jahr ohne Aktionen. Das sind zwei Dinge, die seit dem vergangenen Pfingstfest zu den meistdiskutierten und -missverstandenen rund um St. Peter und Paul und Co gehörten. "Der Pastor will, dass wir keine Aktivitäten im Laufe des Kirchenjahrs machen", hieß es da. Stimmt aber nicht.

Wenn ein hübsches Missverständnis erst einmal in der Welt ist, bleibt es erfahrungsgemäß dort und nährt sich von weiteren Ungereimtheiten, Eitelkeiten, fehlender Kommunikation und Vorurteilen. Und von dem Satz "Irgendwas muss doch dran sein." Gedacht, vielleicht missverständlich ausgedrückt und dann auch noch falsch verstanden worden ist manches, und das betonten nun Pastor Daniel Schilling und Pastoralreferent Ralf Gassen: "In unserer zukünftigen Arbeit geht es um ganz andere Sachen. Wir möchten gemeinsam mit der Gemeinde fit werden für die Anforderungen, die in Zukunft an die Kirche gestellt werden und die im Programm der Erzdiözese mit 'pastoraler Zukunftsweg' umschrieben werden."

Gegenwärtig lebt Ratingen, nicht nur christkatholisch gesehen, auf der Insel der Seligen. Jede Kirche hat einen Geistlichen, das St. Marien Krankenhaus auch noch einen, um die 12.000 Kirchenmitglieder entrichten Monat für Monat mehr oder weniger klaglos ihre Steuern, die kirchlichen Angebote werden genutzt, die Orgelkonzerte sind voll, die Kindergärten auch.

Nun können andere Veranstalter auch Feste organisieren, manchmal sogar viel besser. Und die liebenswürdigen Ehrenamtlichen verrichten auch zumeist routiniert ihre Aufgaben, wieder und wieder. Aber - wie wird die Stimmung sein, wenn es, wie überall, auch im Erzbistum Köln, auch in Ratingen mal eine Kirche geschlossen werden muss? Wie steht die Pfarrei dann da, wie verhalten sich die Mitglieder der Gemeinden zueinander? Wenn Daniel Schilling auf zwei oder mehr Rädern als Pastor durch die Pfarrei und als Dechant durch den Kreis fährt? Sprich - wenn die Einzelbetreuung schlimmstenfalls der Gruppenabfertigung weichen wird?

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Zwei Pfarrversammlungen und ein Besinnungswochenende des neugewählten Pfarrgemeinderates später verzogen sich die Nebel. Man müsse mehr miteinander reden, möglichst mit denselben Inhalten für dieselben Schlagworte. Das Erzbistum stellte einem Workshop zur Öffentlichkeitsarbeit im Seelsorgebereich mit der freundlichen Aufforderung: "Alles Gute zur Erst-Kommunikation."

Letztendlich soll durch neu gewonnene Standfestigkeit im Glauben vermieden werden, dass sich die Schäfchen gegenseitig gemeindebezogen in die Wolle kriegen. Wie dies alles aber zu bewerkstelligen ist, ohne dass ein Projekt-Direktorium die Schritte und Gedanken lenkt, ist bislang noch nicht entwickelt worden. "Soll es auch nicht", erläutert Schilling, "denn das ist jetzt nun einmal ein Vorhaben, das jeder allein mit sich und seinem Glauben aushecken muss."

Also geht es jetzt darum, dass man zum Beispiel darüber nachdenkt, wie man sein Christsein empfindet und lebt, wie einem das anzusehen ist. Das beste Modell dafür gibt eine Karikatur wieder, die Ralf Gassen beschreibt. Zwei Männer, die Weingläser vor sich, im Gespräch. "Soso, Christ. Was macht man denn da?" Was jetzt auch in Ratingen zu klären wäre.

(RP)