Serie Abteilungen Der Kreispolizei (2): Schwarz-Weiß-Fotografie am Straßenrand

Serie Abteilungen Der Kreispolizei (2) : Schwarz-Weiß-Fotografie am Straßenrand

Bei den Bürgern wenig beliebt sind die Beamten, die das Tempo kontrollieren. Denn wenn sie mit ihnen Kontakt haben, wird es meistens teuer.

kreis Mettmann "Abzocke" und "Schikane" hört man erhitzte Gemüter schimpfen, wenn das Land NRW mal wieder einen Blitzmarathon ankündigt. "Sie dienen dem Schutz des Bürgers", ist Hauptkommissar Thomas Obst überzeugt. Der zweifache Vater, der vor einem halben Jahr zum ersten Mal Großvater wurde, leitet in der Kreispolizeibehörde die Verkehrsdienstgruppe innerhalb der Direktion Verkehr. Verkehrstote seien kein "notwendiges Übel unserer modernen Mobilität", sagt er. "Und ganz ehrlich: Mit den Bußgeldern ist der Landeshaushalt auch nicht mehr zu retten."

Humor haben sie, die Beamten des Verkehrsdienstes. Und den brauchen sie. Nicht jeder ist gut auf sie zu sprechen, wenn sie ihren Dienstausweis zücken und den berühmt-berüchtigten Blick in die Papiere verlangen. "Wenn wir in Erscheinung treten, kostet es in der Regel", sagt Gruppenbeamter Gisbert Paßlack. Die meisten Verkehrssünder seien einsichtig. Für den Umgang mit schwierigerem "Klientel" gibt es spezielle Schulungen.

Wer beim Verkehrsdienst arbeitet, tut das freiwillig. "Mit einer zwangsweise zusammengesetzten Mannschaft könnte man diese Abteilung nicht führen", findet Obst. Er selbst ist mit 17 mit der Polizeiarbeit in Berührung gekommen. Der Beruf sei spannend. "Man muss gerade im Verkehrsdienst seinen Mitmenschen den Sinn der Arbeit vermitteln und eine gute Menschenkenntnis mitbringen." Die ist auch bei Drogen- und Alkoholkontrollen vonnöten. Dabei werde auf Körperreaktionen geachtet, die sich nicht mehr aktiv steuern lassen. Beispiele: Pupillenerweiterung und zittrige Finger. Im Visier der Beamten sind auch getunte Roller und gewerbliche Gütertransporte: "Wir achten darauf, dass Lkw-Fahrer ihre Ruhezeiten einhalten und die Lenkzeitkontrolle nicht manipulieren.

In seltenen Fällen werden Obst, Paßlack und ihre Kollegen freiwillig zu Rate gezogen, wenn besorgte Eltern oder Lehrer sie bitten, den Zustand von Reisebussen zu prüfen. Darauf bestehe kein Rechtsanspruch: "Das ist sozusagen eine Serviceleistung von uns."

Verkehrserziehung beginnt nicht bei der repressiven Arbeit des Verkehrsdienstes, sondern präventiv. Fußgängerführerschein, Fahrradprüfung, Mobi-Pass und der Crash-Kurs NRW für junge Autofahrer sind Beispiele für Verkehrserziehung, damit sich Kinder später keine Ausreden zurechtlegen müssen. Die hört Obst zu Genüge. "Einmal beschwerte sich ein Autofahrer, er sei zu Unrecht in einer 50er-Zone geblitzt worden, da dort 70 erlaubt sei." Und tatsächlich: Über Nacht ist das 50er-Schild quasi per Geisterhand einem Pendant mit einer "70" gewichen. "Es geschehen seltsame Dinge", sagt Obst augenzwinkernd.

(RP)
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