Ratingen: Schutzräume für Kinder

Ratingen: Schutzräume für Kinder

Der Kinderschutzbund Ratingen hat das Projekt "Kinderschutzburg" ins Leben gerufen: In Geschäften mit einem Aufkleber und mit geschultem Personal finden Kinder in Not Zuflucht.

Gute Ideen müssen nicht immer einfach so vom Himmel fallen – sie dürfen auch mal einem guten Vorbild folgen: Der Kinderschutzbund hat in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und dem Stadtmarketing – angelehnt an das bereits bestehende, deutschlandweite Projekt der "Kinderschutzinsel" – nun eine eigene "Kinderschutzburg" ins Leben gerufen. Das Motto: "Hier finden Kinder in Not Zuflucht".

Kornelia Schröder, Leiterin des Kinderschutzbundes, erklärt den Hintergrund dieser Initiative: "Gewalt und Übergriffe sind in unserer Gesellschaft ein Problem." Man könne Kinder zwar innerhalb der Familien beschützen, "unterwegs jedoch können sie in reale Gefahrensituationen geraten". Diesen möchte man nun mit vereinten Kräften entgegen wirken, um im Notfall Anlaufstellen und Ansprechpartner in der Stadt zu finden. Schröder: "Geschäftsleute, die Kinder-Schutzburg-Partner werden, bieten während ihrer Öffnungszeiten bei Bedarf eine Zufluchtsmöglichkeit."

Die Gründe hierfür können akut und vielfältig sein. Den Bus verpasst, ein platter Fahrradreifen, sexuelle Übergriffe, Beschimpfungen, Angst vor großen Hunden – alle Formen von Nötigung, Verletzungen und Ängsten bedürfen mitunter rascher Hilfe.

Die Filialisten und Mitarbeiter in einer solchen Schutzburg werden vom Kinderschutzbund geschult, so dass sie wissen, was in Notsituationen zu tun ist. Zwei Fachfrauen werden die Schulungen, die rund eine Stunde dauern, zukünftig durchführen.

  • Kinderschutz : Ansprechpartner wechselt

Ferner wird jeder Kinderschutzburg-Partner einen Kooperationsvertrag zu unterzeichnen haben, mit dem sowohl Ernsthaftigkeit als auch Zuverlässigkeit demonstriert werden soll. Am Ende wird ein deutlich sichtbarer Aufkleber an der Außenfassade zeigen: Hier wird geholfen.

Nun heißt es aber erst einmal, dass die 5000 bisher gedruckten Broschüren diejenigen erreichen, die als Zielgruppe infrage kommen: Und das sind nicht nur die Grundschüler, sondern auch Schüler höherer Klassen.

"Die Verbreitung erfolgt auch über weitere öffentliche Gebäude, nicht nur über Schulen", sagt Gerd Schröter vom Jugendamt. Überdies hofften alle Beteiligten auf rege Mund- zu Mund-Propaganda. Denn: Nicht nur die Schüler sollen erreicht werden, sondern genauso dringend auch potentielle Geschäftsleute, die mitmachen. Die Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert (HRV) ist der erste Partner, der eine Handvoll Mitarbeiter der Hauptgeschäftsstelle an den Schulungen teilnehmen lässt.

Sparkassen-Sprecher Jochen Schäfer berichtet von "bereits gemachten, sehr guten Erfahrungen" in anderen Städten mit vergleichbaren Projekten. Frank Rehmann, Geschäftsführer der Ratingen Marketing GmbH (RMG), pflichtet ihm bei. "Man hofft immer, dass Kinder nicht in Not geraten. Aber selbst wenn wir damit auch nur einem einzigen Kind helfen könnten, hätte es sich schon gelohnt."

(RP)