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Schützenkönigin – mehr als nur Beiwerk

Ratingen : Was wäre ein König ohne Königin

Vor nicht ganz einem Jahr schoss der Mann von Susanne Gröschel beim Lintorfer Schützenfest den Vogel ab. Und seit letztem Wochenende ist sie auch Königin der Frauen beim Stammcorps.

Ein klein wenig wehmütig blickt Susanne Gröschel schon jetzt auf das dritte Wochenende im August, an dem die Lintorfer St. Sebastianus Bruderschaft 1464 traditionell ihr Schützenfest feiert. Denn wenn am Montag, 19. August, das neue Königspaar gekürt wird, ist ihre Regentschaft vorbei. „Ich bin stolz darauf, zusammen mit meinem Mann als Königspaar die Lintorfer Bruderschaft zu repräsentieren. Es ist eine tolle Erfahrung, die wir machen konnten. Man muss es einfach einmal erlebt haben, wenn man innig mit einem Schützenverein verbunden ist“, sagte die „Noch-Majestät“.

Seit über zwei Jahrzehnten ist ihr Mann Frank schon in der Bruderschaft, und zu Beginn des vergangenen Jahres hatten die Eheleute gemeinsam beschlossen, dass er den Schuss auf den Königsvogel wagen sollte. „Er war schon mehrere Male König des Stammcorps gewesen und hatte auch schon die Kaiserwürde der Formation errungen. Da dachten wir uns, dass noch etwas fehlen würde. Wenn nicht jetzt, wann dann?“ erzählte Gröschel. Als dann der entscheidende Schuss fiel, freute sie sich mit ihrem Mann. Sorge um das, was auf sie zukommen sollte, hatte sie nicht. Das Schützenwesen ist ihr vertraut, da sie in einer Schützenfamilie groß geworden ist.

„Auch wenn im Lintorfer Schützenverein Frauen nicht aufgenommen werden können, sind wir im Vereinswesen aber trotzdem wichtig. Denn was wären die Schützen ohne ihre Frauen?“ fragte sie schmunzelnd. Auch als Schützenkönigin ist sie mehr als nur ein „schmückendes Beiwerk“ ihres Mannes. Sie steht ihm stets zur Seite, unterstützt ihn mit Rat und Tat und sorgt nicht nur dafür, dass die Hemden gebügelt und der Anzug gereinigt ist.

Gemeinsam nehmen sie Einladungen befreundeter Bruderschaften an, gehen zu Veranstaltungen der anderen Lintorfer Formationen, gratulieren den jeweils neuen Königspaaren in der Umgebung oder gehen zum Bundeschützenfest. Es wird aber nicht nur gefeiert. So ist sie beispielsweise mit von der Partie, wenn gemeinsam mit der Formation des Kronprinzenpaares der Thron für das Schützenfest vorbereitet oder die Kuchen für das Seniorenkaffeetrinken gebacken und serviert werden. Sie gehört auch, unabhängig von der Königswürde, mit ihrem Mann dem Organisationskomitee des diesjährigen Lichterfestes (s. Infobox) an.

Auf die Frage, ob denn so ein Jahr als Königspaar neben dem Privat- und Berufsleben nicht stressig sei und vielleicht manchmal zu viel werde, antwortete sie mit einem entschiedenen „Nein!“. Sie wusste ganz genau, auf was sie sich eingelassen hatte. Stress sei nur das, was man sich selber mache. „Zum einen halten sich die Termine in Grenzen und sind meistens mit unseren Arbeitszeiten vereinbar. Manche Termine nimmt mein Mann allerdings auch alleine wahr. Zum anderen sind wir ja nicht alleine. Wir bekommen ganz viel Hilfe von allen Seiten der Bruderschaft. Es ist toll, solch eine Gemeinschaft zu erleben“, so Gröschel.

Sie bringe sich gerne in der St. Sebastianus Bruderschaft ein, gerade jetzt in Zeiten, in denen viele Vereine unter Nachwuchssorgen leiden und immer kleiner werden.

Den zukünftigen Majestäten rät sie, das Regentschaftsjahr mit allem Drum und Dran zu ausgiebig genießen und alles mitzunehmen, was geht. Man sei in der Regel schließlich nur einmal König beziehungsweise Königin.