Schmunzelgeschichten aus 70 Jahren Quecke

Lintorfer Heimatfreunde : Schmunzelgeschichten aus 70 Jahren Quecke

Die Lintorfer Heimatschrift erscheint jedes Jahr. Darin gibt es immer wieder Anekdoten aus dem Stadtteil zu lesen.

Seit 1950 erscheint die Quecke nunmehr mit vielen alltäglichen, kulturellen und politischen Geschichten und Berichten rund um Personen, Gebäude, Orte und Ereignissen aus Lintorf und Umgebung sowohl aus der Vergangenheit als auch der Gegenwart. Und so manch eine Anekdote oder heitere Geschichte lädt den Leser zum Schmunzeln ein.

Wie beispielsweise die Geschichte über die Schlacht im Angermunder Dom aus der allerersten Quecke aus dem Jahre 1950. Hubert Perpéet beschreibt auf äußerst humorvolle Weise die Rivalitäten zwischen den Jungen aus Lintorf und denen aus Angermund. „Kein Lintorfer durfte sich in Angermund sehen lassen, ohne verprügelt zu werden. Den Angermundern ging es nicht besser. Hier waren nun die Lintorfer entschieden im Nachteil, mußten sie doch recht häufig nach Angermund des Bürgermeisteramtes wegen“, schrieb er. Besagte Schlacht, die für die Lintorfer mit einer schmerzlichen Niederlage endete, fand auf einer Waldlichtung zwischen den beiden Gemeinden statt, dem sogenannten „Angermunder Dom“. Die Lintorfer Jungen hatten zuvor Sühne für die Beschimpfung als ,Queckefresser‘ und ‚Sandhasen’ gefordert. „Mir persönlich schienen damals diese Schimpfworte nichts Verletzendes an sich zu haben, ja, ich war damals wie noch heute stolz darauf, ein ‚Queckefresser’ zu sein…“, so Perpéet.

Auch seine Anekdote über eine Bimmelbahnfahrt mit sechs Jagdgenossen in Quecke 18/19 aus dem Jahr 1954 sorgte für Erheiterung. Demnach ließ sich einer der Jagdgenossen, Köbes Schmitz, nicht davon abbringen, die besagte Zugfahrt ohne Fahrschein anzutreten, da sowieso nie kontrolliert werden würde. Und es kam wie es kommen musste, genau auf dieser Fahrt tauchte ein Schaffner auf. Schmitz versteckte sich schnell auf Anraten seiner Freunde unter einer Bank und wollte dort warten, bis der Kontrolleur weiterging. Was er nicht wusste war, dass seine Jagdgenossen ihm eine Lehre erteilen wollten. Heinrich Kaiser hatten im Vorfeld heimlich für alle Fahrscheine gekauft und den Schaffner in ihren Plan eingeweiht. Sie ließen Schmitz einige Zeit unter der Bank schwitzen, bis sie ihn „verrieten“. Schmitz fand den Scherz seiner Freunde gar nicht witzig, verließ wütend den Zug an der nächsten Station und fuhr alleine nach Hause.

An der Brücke am Weiher sind einige Lintorfer in alkoholisiertem Zustand in den Dickelsbach gefallen. Foto: RP/Archiv Lintorfer Heimatfreunde

Mundartautor Rudi Steingen erzählte in Quecke 49 (1979) von seinem Vater, der “dr i-eschte Motorradfahrer von Lengtörp“ gewesen war. Ein Handelsvertreter ist zu ihnen ins Geschäft gekommen.  Weil Steingens gute Kunden von ihm waren, mit denen er sich gut stellen wollte, bot er dem Vater an, einmal mit seinem Motorrad zu fahren. Er setzte seinen Hut auf und fuhr trotz Missfallen der Großmutter nach kurzer Einweisung los. Dummerweise hatte er vergessen, wie man anhält. So sauste er Runde um Runde durch das Dorf, und immer mehr Leute kamen auf die Straße, um zu schauen was los war. Den Hut hatte Steingen mittlerweile verloren, unterwegs hatte er eine Ziege angefahren, die anschließend geschlachtet werden musste, und auch drei Hühner machten schmerzhafte Erfahrungen mit dem ‚Deuvelsdeng’. Erst als der Tank leer war, brachte Steingen das Motorrad zum Stehen und musste es nach Hause schieben. Aber bis auf die Tiere und den Hut sei alles gutgegangen, so Rudi Steingen.

1993 gab Heinz Fleermann mit seinem Text „als unser Stadtteil Ratingen 4 noch ein Dorf war“ in der Quecke Nr. 63 unter anderem drei verschiedene „verhängnisvolle Begegnungen“ von Lintorfern mit dem Dickelsbach zum Besten. Er erzählte zum Einen von einem Gemüsebauern, der damals den Hund des Bahnhofspolizisten kurzer Hand in den Dickelsbach beförderte. Der Hund ist ihm entgegengeschickt worden, weil er verbotener Weise zum wiederholten Mal die Bahngleise überquerte, um zur Gaststätte auf der anderen Seite zu gelangen. Es gab auch einen Direktor von Mannesmann, der im Dickelsbach landete, weil er im volltrunkenen Zustand die Brücke Am Weiher nicht fand. Während seiner Wasserwanderung gegen den Bachlauf schimpfte er auf den Müller Fleermann, dass dieser ihm so viel Wasser entgegenschickte. Und auch der dritte Lintorfer ging wegen eines zu hohen Alkoholspiegels im Dickelsbach baden, wobei er dummerweise sein Gebiss verlor. Im Wasser stehend hielt er sein Fahrrad fest in der Hand und schrie zahnlos um Hilfe.

Die Jagdgesellschaft Kaiser zeigt Heinrich Kaiser (2. v.l.) mit einigen Jagdgenossen. Die Lintorfer Herren waren auch für manchen Spaß zu haben. Foto: RP/Archiv Lintorfer Heimatfreunde

25 Jahre später beschreibt Andreas Preuß auf amüsante Weise in Quecke 88 von seinen ersten Erinnerungen an Hans Lumer, dem damaligen Rektor seiner Grundschule. Dass dieser auch Chef des Schützenvereins war, wusste er damals noch nicht. Wohl aber, dass er gehörigen Respekt vor ihm hatte. „[…] Schließlich war Hans Lumer ein alter Mann. Also aus der Sicht eines sechsjährigen Dreikäsehochs […] Dabei war Hans Lumer gerade mal Anfang 40 […] “, schrieb Preuß. Und dass der Schulleiter seine noch nicht begonnene Karriere als Sängerknabe bereits im Keim erstickt hatte. Er befand das Vorsingen des Grundschülers für nicht gut genug und Preuß musste von ihm das niederschmetternde Urteil hören, dass er nicht im Schulchor zu singen bräuchte. Vielleicht war das auch der Grund, dass es Preuß Jahre später schwerfiel, ihn als Schützenbruder zu duzen, wie es in einem Schützenverein üblich ist.

Stöbert man in den alten Quecken, wird man neben den zahlreichen informativen Texten noch viele weitere humorvolle Geschichten finden.