Heiligenhaus: Schau verbindet Kunst und Demenz

Heiligenhaus: Schau verbindet Kunst und Demenz

Alfons Demand hat sich mit der Krankheit auseinandergesetzt. Seine Bilderreihe ist im Haus der Kirche zu sehen.

"In der Kunst gibt es nichts, was man nicht darstellen kann", findet Ruth Ortlinghaus. Während sie das sagt, schaut die Sprecherin des Stadtmarketing-Arbeitskreises "Kultur und Gesellschaft" auf die abstrakten Werke von Pastor Alfons Demand, auf denen er die "Stufen der Demenz" aus künstlerischer Sicht verarbeitet hat - und es beginnt der erste spannende Austausch über die Werke des zur Mitte des Jahres aus dem Amt scheidenden katholischen Geistlichen.

Gemeinsam mit Christel Prätorius vom Heiligenhauser Demenznetz und Pfarrerin Kirsten Düsterhöft unterhält sich Ortlinghaus hier, im Foyer des Hauses der Kirche, über eine besondere Sicht auf die Krankheit "Demenz". Viele weitere interessante Gespräche sollen hier folgen, denn am Samstag, 10. März, 18 Uhr, wird die zweiwöchige Ausstellung in den Räumlichkeiten neben der Alten Kirche feierlich mit Lesung, kulinarischen Köstlichkeiten und mit Musik von Kantor Bernd Liffers eröffnet. Führungen gibt es jeweils Montag und Freitag, 18 bis 19 Uhr.

Gestern trafen sich die drei Damen zur letzten Vorbesprechung, bevor die Bilder am Freitag auf Staffeleien, die von der Stadtbücherei ausgeliehen werden, die passenden Plätze bekommen. Es sollen auch noch Werke von Demenzkranken dazu kommen. "Das Thema passt zum beginnenden Frühling, aber auch zur Passionszeit, denn hier finden sich auch dunkle und helle Tage", findet die evangelische Pfarrerin Düsterhöft. Die Werke selbst hat der Künstler im Rahmen des "Orientierten Jahrs für pflegende Angehörige und demenziell Erkrankte" 2015 geschaffen und sie dem Demenznetz geschenkt; "Zuerst stand ich dem sehr ablehnend gegenüber", erinnerte sich der Pfarrer damals bei seiner ersten Vernissage, doch das Thema habe ihn nicht losgelassen. Für ihn hat jedes der Bilder eine wichtige Bedeutung, doch vor allem das Bild "Gefangen im Spinnennetz" mache deutlich, wie sehr die Krankheit Demenz einen Betroffenen in ihr Netz einwickelt und aus dem aktiven Leben reißt.

Dass unter Federführung des Stadtmarketings die Werke nun noch einmal zu sehen sein werden, das hat gleich mehrere Gründe, wie Ruth Ortlinghaus ausführt: "In diesem Jahr feiert das Demenznetz sein zehnjähriges Bestehen und die Ausstellung soll auch eine Hommage an Pastor Demand sein. Ich finde, dass er als musischer Pfarrer viel zu wenig gewürdigt wird." Alle drei Organisatorinnen sind beeindruckt, wie der Pastor sich in das Thema Demenz hinein gedacht habe und es künstlerisch habe fassbar machen wollen. Und das nicht nur auf der Leinwand, sondern auch literarisch. Zu jedem Werk gibt es eigene Zeilen des Künstlers oder ein passendes Gedicht. "Demenz geht uns alle an", betont Düsterhöft, die sich freut, dass das Thema durch solch eine Veranstaltung in die Öffentlichkeit getragen wird. Immer mehr Menschen sind von der Krankheit betroffen, aber noch immer sei es ein Tabu. Für die drei Organisatorinnen ist es wichtig, dass das Thema nicht nur als "Schreckgespenst" dargestellt wird. Prätorius: "Ich lache in keiner Gruppe so viel, wie bei unserem Demenztreff."

(sade)