Umstrittene Verkehrspolitik : Grüne: A 3-Ausbau aus der Zeit gefallen

Die Ratinger Grünen erläutern, welche Folgen der Ausbau der A 3 für die Stadt haben könnte. Sie wundern sich, dass sich der Widerstand gegen das Projekt noch stark in Grenzen hält. Im Südkreis sieht das längst ganz anders aus.

Der geplante Ausbau der A 3 sorgt für Widerstand – vor allem im Südkreis, in dem sich längst eine meinungsstarke Bürgerinitiative gebildet hat. Nun erfasst das Thema auch mehr und mehr den Nordkreis – und dies liegt vor allem an den Ratinger Grünen, denn der Ortsverband warnt eindringlich und ausführlich vor den umfangreichen Folgen für die Stadt.

Der in Berlin von der großen Koalition beschlossene Bundesverkehrswegeplan 2030 sieht den erneuten Ausbau der A 3 von Leverkusen bis Dinslaken vor. Von sechs soll auf acht Fahrspuren erweitert werden. Man sei doch sehr verwundert, wie wenig über den A 3-Ausbau in der Ratinger Stadtführung diskutiert werde. „Im Gegensatz zu den südlichen Städten des Kreises Mettmann, wo es enormen Widerstand durch Bürgerinitiativen (zum Beispiel www.3reicht.de) und Protest gibt, scheint der geplante Ausbau und dessen Folgen für Ratingen noch nicht ins politische Bewusstsein gerückt zu sein“, erklärt Piet Hülsmann, Vorstand des grünen Ortsverbandes.

Für Ratingen bedeutet der Ausbau einen massiven Eingriff in Natur und Eigentumsverhältnisse rechts und links der Autobahn. Auf den Internetseiten von Straßen.NRW und der Autobahn GmbH des Bundes können Detailpläne eingesehen werden, die die Auswirkungen auf die Stadtteile Schwarzbach, Homberg, Ost, Hösel, Eggerscheidt und Breitscheid verdeutlichen. Neben zahlreichen Übergängen soll auch die große Angerbachbrücke im Angertal abgerissen und neu gebaut werden. Die Schwarzbachbrücke muss erweitert werden.

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Die Grünen befürchten enorme Eingriffe in Natur und Eigentum, schützenswerte Naturflächen würden versiegelt, Wälder gerodet, Felder und Häuser entlang der gesamten Strecke müssten weichen. Auch das Kreuz Breitscheid soll nochmals verbreitert werden. „Diese Pläne sind derart aus der Zeit gefallen, da selbst die große Koalition in Berlin eine Verkehrswende verspricht: weniger Verkehr auf den Straßen, Stärkung des ÖPNV und Verlagerung des Güterverkehrs auf die Bahnstrecken. Wir wollen kein naturzerstörendes Baumonster, das eine Milliarde Euro verschlingt und uns ab 2030 aufgrund der Baustellen zehn Jahre Stau verspricht“, betont Jörn-Eric Morgenroth, Mitglied des Mobilitätsauschusses des Kreises Mettmann und der grünen Kreistagsfraktion.

Der Bundesverkehrswegeplan 2030 beinhaltet hunderte Ausbauprojekte für Autobahnen und Schnellstraßen in ganz Deutschland. Diese werden jetzt geplant und ab 2030 gebaut. Die A 3 ist im Ausbauplan als „vordringlicher Bedarf“ – das ist die höchste Kategorie – enthalten und soll als vierspuriger Ausbau des rund 70 Kilometer langen A 3-Abschnitts von Leverkusen bis Dinslaken realisiert werden.

Der Bund kalkuliert die Baukosten für den Ausbau mit einer Milliarde Euro. Die Bauphase wird mit etwa zehn Jahren veranschlagt. Morgenroth betont: „Die gerade vom Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe bekräftigten Klimaziele können nur durch eine echte Verkehrswende erreicht werden.“

Und Hülsmann ergänzt: „Eine elektronisch geregelte Zuschaltung der bereits vorhandenen Standstreifen in Stoßzeiten ist eine Lösung. So kann bei Bedarf schnell und einfach von drei auf vier verfügbare Fahrspuren erweitert werden. Dies wird bereits auf dem Teilstück der A 3 bei Mettmann erfolgreich angewandt und würde für uns Steuerzahler insgesamt nur ein Zehntel der genannten Ausbaukosten bedeuten.“