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Schafe übernehmen den Naturschutz

Am Görscheider Weg : Schafe übernehmen den Naturschutz

Die Mitglieder des Heiligenhauser Vereins für wissenschaftliche Naturschutzpatenschaften freuen sich über tierische Unterstützer: Fünf Schafe pflegen seit Samstag das Naturschutzgebiet an der Görscheider Wiese.

Über 280 Schmetterlingsarten konnte Schmetterlings-Experte Dietmar Borbe auf der Görscheider Wiese schon ausmachen, mindestens 25 davon Tagfalter. Der kleine Feuerfalter weist hier zum Beispiel die größte Population im ganzen Kreis auf.  Ein reines Eldorado, zum Beispiel auch für Ameisen in unzähligen Haufen.

Und seit Samstag eben auch für die kommenden etwa acht Wochen eine kleine Herde von jungen Schafen, samt einer Tante, die alle im Blick hat, wie Schäferin Stefanie Lamberti erklärt. Seit über zehn Jahren erforscht der „Verein für wissenschaftliche Naturschutzpatenschaften“ die etwa 15 Hektar große Wiese, mit ihren Apfelbäumen und besonderen Gräsern, die zum Naturschutzgebiet geworden und zur Freude der Wissenschaftler ein von der Öffentlichkeit weithin unbeachtetes Gelände ist.

Mit 16 Mitgliedern ist der Verein, den es seit 30 Jahren gibt, ein bewusst klein gehaltener Zirkel von Fachleuten mit ganz eigenem Spezialgebiet. Am Samstag traf sich dabei ein Teil der Forscher, um mit den fünf Coburger Fuchsschafen ganz besondere Gäste zu empfangen, die nun für ökologisch wertvolle Landschaftspflege auf einem für die Mäher des Kreises unwegbaren Geländeteil an einem Hang sorgen. „Der ist zudem noch mit Ameisenhaufen übersät, was das Mähen erschwert“, weiß Robert Scheuß von der unteren Naturschutzbehörde des Kreises Mettmann.

Durch eine Erbschaft kam das Gelände in Bundesbesitz, der Kreis pachtet es und erntet hier, jeweils in abwechselnden, schonenden Mähstreifen, das Winterfutter für die Urzeitrinder im Neandertal. „2017 waren das noch gut 76 Ballen, im letzten Jahr nur noch etwa knapp 38 Ballen“, sagt Scheuß. Der Verein dagegen übernahm die Forschungsarbeit an Boden, Fauna und Flora in Eigenregie und hat im letzten Jahr eine Forschungsarbeit auf 245 Seiten vorgelegt. Das besondere an der Wiese sei der saure und magere Boden, erläutert Prof. Wolfgang Gerß, der letztes Jahr den Vorsitz des Vereins an Dr. Alfred Bruckhaus abgegeben hat.

Überall mähen kann man die Magerwiese eben nicht problemlos und so kamen die Schafe ins Spiel. „Die Schafe bringen nun, wenn man sie nicht von außen zufüttert, Nährstoffe in den Boden“, erklärt Gerß und Bruckhaus fügt an: „Sie lassen auch immer mal Halme stehen, das ist gut für die Insekten.“ Die Bioland-Schäferin Stefanie Lamberti und Ophelia Nick brachten am Samstag die fünf neuen Bewohner von ihrem bisherigen Standort in Wülfrath zu ihrem neuen Einsatzort, der war bereits im Vorfeld mit einem mobilen Zaun gepfercht worden.

„Mit fünf Schafen ist das erst mal ein Anfang, wir hätten aber noch welche in petto.“ Etwa acht Wochen werden die fünf Schafdamen, vier davon einjährig und ein älteres Tier, auf der Wiese stehen. „Wie lange, das hängt davon ab, wie schnell das Futter hier weg ist“, sagt Lamberti, die von Schäferhund Piet unterstützt wird.  Die fünf Coburger Fuchschafe haben sich dabei sichtlich schnell eingewöhnt, in ihr Zuhause auf Zeit und testeten dabei erstmal das Futter.  Einmal pro Tag muss die Schäferin nun hier vorbei schauen, um nachzuweisen, den elektrischen Zaun geprüft zu haben – falls einmal etwas passieren sollte. Etwa 120 Muttertiere mit Nachzucht sind derzeit im Besitz der Bioland-Schäferei Lamberti, deren Betrieb es seit 2015 gibt. Beheimatet ist sie in Wülfrath.