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Heiligenhaus: Schätzchen auf dem Kirchplatz

Heiligenhaus : Schätzchen auf dem Kirchplatz

Das Wochenende stand ganz im Zeichen der mobilen Schmuckstücke. Noch bevor Sonntag die Lions-Ruhr-Rallye mit rund 100 alten Zwei- und Vierrädern Station vor dem Rathaus machte, fuhren am Samstag 110 Oldtimer der 16. historischen Klingenfahrt aus Solingen vor.

Ein glänzender Auftritt der historischen Schmuckstücke — blank poliert flanierte am Samstag eine Kolonne von rund 110 Oldtimern durch die Innenstadt. Die "Historische Klingenfahrt", organisiert von der Motorsportgemeinschaft Solingen, fand am Wochenende bereits zum 16. Mal statt. Der Stopp in Heiligenhaus ist dabei schon Tradition. Auf dem Kirchplatz galt es, eine Prüfung abzulegen. Die Herausforderung: die Länge des eigenen Autos abzuschätzen. Dabei schlugen sich Fahrerinnen und Fahrer gar nicht schlecht.

Ums Gewinnen geht es hier aber eher weniger. "Wir sind oft bei solchen Rallyes unterwegs. Man kennt sich. Das ist eine Ausfahrt unter Gleichgesinnten", sagt der Solinger Wilfried Engelbertz. Er ist mit einem Daimler Benz 190SL aus dem Jahr 1960 dabei. Es sei vor allem der Spaß an den alten Autos und nicht zuletzt dieses ganz besondere Gefühl beim Fahren, das die Faszination Oldtimer ausmache, sagt er.

Viele dieser alten Gefährte mit Sammler- und Liebhaberwert tragen stolz das H für "historisch" im Kennzeichen, reserviert für Legenden. Mit dabei waren die unterschiedlichsten Gefährte. Die jüngsten teilnehmenden Wagen stammen aus dem Jahr 1972, der Älteste, ein Ford T aus dem Jahr 1912, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feierte. Noch bis 1997 fuhr diese "Tin Lizzie" auf amerikanischen Straßen, danach fand sie eine Heimat in Solingen und ist nun gern gesehenes Schmuckstück auf zahlreichen Oldtimerveranstaltungen.

"Die alten Autos haben einen ganz eigenen Stil", beschreibt ein Besucher seine Bewunderung. "Die modernen Autos sehen sich alle sehr ähnlich. Oldtimer haben eigene Formen und sind technisch interessant." Viele Fans der alten Wagen fanden sich auf dem Kirchplatz ein, mit der Fotokamera in der Hand und viele auch mit Erinnerungen: "In so einem Opel Kapitän habe ich damals meinen ersten Kuss bekommen", erinnert sich eine Heiligenhauserin.

Der siebenjährige Malte hingegen erkennt die Fabrikate der Wagen. "Das hat er von seinem Opa, der ist auch so verrückt nach Autos", sagt Maltes Oma, während der Opa den Cadillac Convertible, Baujahr 1958, fotografiert. Dieses Auto mit rund 310 PS und einem Hubraum von 5980 ccm unter der Haube braucht viel Platz. Gefahren wird er vom Team Volker Kirschbaum und Uwe Karbowietzkie aus Solingen. "Die Reparaturen dieses Autos sind immer eine Herausforderung." Der Cadillac sei vor allem auch sehr durstig. "Einen randvoll gefüllten Tank hat der Wagen eigentlich nur an der Tankstelle, wenn der Motor noch nicht läuft", so die Fahrer.

Los ging die Rallye am Vormittag am Standort des Hauptsponsors, der Daimler Benz Niederlassung Solingen an der B 224. Mit dabei auch zwei Frauenteams. Es folgte eine 150 kilometerlange Fahrt durch das Bergische und Niederbergische Land. "Gerade in einer schnelllebigen Zeit, in der der Stand des technischen Fortschritts immer schneller überholt wird, ist es für uns immer wieder faszinierend, die alten Automobile mit ihrer damaligen soliden und unkomplizierten Technik zu bewundern", findet Veranstaltungsleiter Udo Pilger von der MSG Solingen.

Möglich macht diese Veranstaltung der Einsatz von Sponsoren und rund 65 Funktionären. "Ohne Unterstützung von Freunden, Familien, Kollegen und Oldtimerfans wäre das nicht zu stemmen", so die Motorsportfreunde.

(RP/ila)