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Rund 40 Abiturienten des Kopernikus-Gymnasiums bereiten sich vor

Neustart am Kopernikus-Gymnasium : Der erste Tag nach der Zwangspause

Rund 40 Abiturienten des Kopernikus-Gymnasiums bereiten sich – mit viel Abstand – am Donnerstag auf ihre Prüfungen vor. Die Teilnahme ist freiwillig. Die Schule hat sich akribisch auf diesen Tag vorbereitet.

„Die Ungewissheit hat uns ziemlich genervt“, sagt die Abiturientin Hannah. Das Nicken ihrer Mitschüler des Englisch-Leistungskurses am Lintorfer Kopernikus-Gymnasium signalisiert Bestätigung ihrer Einschätzung. „Mal hieß es, dass das Abitur verschoben werde, selbst von einer Absage war die Rede, dann hieß es wieder, dass die Abiturprüfungen unbedingt stattfinden müssen. Wir saßen zwischen den Stühlen, wussten nicht, wem wir nun glauben sollten“, schiebt die Englisch-LK-Schülerin nach.

Es herrschte Verwirrung und auch zuweilen Ärger darüber, dass keiner genau wusste, wie es gerade beim Abi weitergehen sollte. Nicht nur bei den Abiturienten, die vor ihren wichtigsten schulischen Abschlussprüfungen stehen, sondern auch bei vielen Lehrern, nicht nur am Kopernikus-Gymnasium.

Der Schulleiter, Roland Loos, sagt dazu: „Das ist für uns alle eine völlig neue, noch nie da gewesene Situation. Ich habe am Samstagabend gegen 22 Uhr die letzte Mail vom Schulministerium zu Corona erhalten.“ Das beschreibt gut das sich fast täglich ändernde Lagebild an den Schulen in NRW. Auch anderenorts hört man ähnliche Stimmen.

Dennoch begrüßen viele Schüler des Lintorfer Gymnasiums am Donnerstagmorgen, nach der fast sechswöchigen Schulzwangspause, dass die Abiturprüfungen, auf die sie akribisch hingearbeitet haben, nun doch bald starten. „Am 12. Mai beginnen wir mit dem schriftlichen Abitur“, sagt Schulleiter Loos.

Mads, der 18 Jahre alte Mitschüler von Hannah, freut sich gar auf seine Reifeprüfung. „Sonst wäre die ganze Lernerei für die Katz‘ gewesen“, sagt er. Wieder nicken seine Kameraden. Sie alle sitzen aufgrund des strengen Hygieneplans, den die schulinterne „Sicherheitsbeauftragte“ Stefanie Walter eigens auf die Schule angepasst hat,  an Einzeltischen. Abstand ist auch hier das Gebot der Stunde. Sie halten sich an die schulscharfen Regelungen, die etwa vorsehen, welches Treppenhaus fürs Hinauf- und Heruntergehen benutzt werden darf. Markierungen weisen den Weg durch das ganze Schulgebäude, in dem das Einbahnstraßenprinzip ab sofort gilt. Man soll sich ja nicht auf den Fluren begegnen, aneinander vor beilaufen. Zudem gibt es getrennte Pausen- und Unterrichtszeiten. „Wir können das gut einhalten, es dient unserer Sicherheit“, heißt es unisono aus dem Englisch-Kurs, der am Donnerstag freiwillig – die Abitur-Zulassungen  sind bereits gelaufen – mit der Lehrerin für die „schwierige Englisch-Klausur“ büffelt.

An dem ersten offiziellen Schultag nach dem „Lockdown“ sieht man vereinzelt Lehrer mit Atemmasken herumlaufen. „Das Sekretatriat ist für die Öffentlichkeit geschlossen“, sagt Loos, der auf die provisorisch angebrachten Hinweiszettel an den Türen am Eingang zeigt, die den Schülern sagen sollen, wo ihr Unterrichtsraum ist und wie sie dorthin kommen. Ist mal eine Türe, die sonst alle offen stehen, geschlossen, wird sie von den Abiturienten, die heute übrigens die einzigen Schüler vor Ort sind, mit dem Fuß aufgestoßen oder mit dem Ordner aufgedeut.

Und wie lief eigentlich das Lernen zu Hause? „Homeschooling“ neudeutsch genannt. Hannah: „Naja. Manche Lehrer haben keine Materialien verschickt und waren auch nicht über die Schulcloud erreichbar.“

Raum- und Kurswechsel: Lea (18) aus dem Mathematik-LK, wo gestern nur vier Schülerinnen anzutreffen sind, gibt ehrlich zu: „Ich habe vielleicht nur jeden dritten Tag etwas fürs Abi gemacht. Die Ungewissheit über das Stattfinden der Prüfung ist schwierig gewesen für die Lernmotivation“. Wenn sie gelernt habe, dann  aber richtig. „Ich habe auch mal fast eine halbe Nacht lang Chemie gelernt“, sagt sie, die sich auch auf das nun sicher stattfindende Abitur freut. „Ich bin froh, dass wir bald starten können – nach den ganzen Ungewissheiten im Vorfeld.“