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Rheuma ist ein Sammelbegriff für viele Erkrankungen

Interview : „Rheuma ist ein Sammelbegriff für viele Erkrankungen“

Am Samstag ist Weltrheumatag. Der Chefarzt Rheumatologie an der Fachklinik 360° in Ratingen spricht über die wichtigsten rheumatischen Erkrankungen.

Was sind die wichtigsten rheumatischen Erkrankungen

Bergerhausen Es gibt bei der Namensgebung  Missverständnisse rund um das Thema Rheuma. Viele Schmerzkrankheiten, beispielsweise durch Verschleiß am Knie oder auch Rückenschmerzen, werden im Volksmund gerne als Rheuma bezeichnet. Rund 20 Millionen Deutsche hätten dann eine rheumatische Erkrankung. Rheuma im engeren Sinn ist keine eigene Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für ganz viele unterschiedliche Erkrankungen mit Entzündungen: Von der kaum spürbaren Beteiligung eines einzelnen Gelenkes bis zu lebensbedrohlichen Systemerkrankungen von Blutgefäßen und inneren Organen. Hierunter sind dann die häufigsten Erkrankungen das chronische Gelenkrheuma und die Wirbelsäulenentzündungen (Morbus Bechterew und verwandte Erkrankungen) sowie Kollagenosen (Bindegewebsentzündungen).

Woran erkennt man denn „echtes Rheuma“?

Bergerhausen Daran, dass sich die Erkrankung nicht auf einen Verschleiß der Strukturen, sondern auf entzündliche Veränderungen zurückführen lässt. Bei den Betroffenen richtet sich das Abwehrsystem plötzlich gegen den eigenen Körper (Autoimmunerkrankung ). Darum ist es auch so wichtig, dass die Patienten von Rheumatologen behandelt werden, die das gesamte Immunsystem im Blick haben. Das echte Gelenkrheuma beispielsweise ist eine schwere chronische Erkrankung. Der Patient hat geschwollene Gelenke, die ihre Funktion verlieren, und kann sich im fortgeschrittenen Stadium kaum mehr bewegen. Anfangs sind meist die kleinen Finger­ und Zehengelenke betroffen. Morgens sind die Schmerzen und die Steifheit besonders stark. Bei der rheumatischen Gelenkentzündung, wie bei den anderen Formen des entzündlichen Rheumas auch, sind die Laborwerte der Patienten auffällig. Wichtige Hinweise liefern zum Beispiel der CRP-Wert und die CCP-Antikörper.

Sind überwiegend alte Leute von Rheuma betroffen?

Bergerhausen Nein. Rheumatische Entzündungserkrankungen haben nichts mit dem Alter zu tun. Auch Kinder und Jugendliche können an Rheuma erkranken: Laut Statistik der Deutschen Rheuma Liga leiden 20.000 Kinder und Jugendliche an chronischen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Jährlich erkranken ca. 1500 Kinder neu. Das Weichteil-Rheuma Fibromyalgie trifft verstärkt Frauen ab 35 Jahren. Richtig ist aber, dass der Verschleiß von Gelenken und Wirbelsäule bei älteren Patienten zunimmt. Darum kommen bei ihnen auch mehr „rheumatische“ Schmerzprobleme vor.

Hängt Rheuma eng mit Ernährung und Lebensgewohnheiten zusammen?

Bergerhausen Natürlich ist eine gesunde Ernährung immer sinnvoll. Aber die Ernährung hat keinen Einfluss auf die immunologische Entstehung der Entzündungsprozesse. Außer bei der Stoffwechselkrankheit Gicht, da ist die richtige Ernährung entscheidend. Anders ist das mit dem Rauchen: Unter den Rheumapatienten sind überdurchschnittlich viele Raucher.

Wo findet der Rheumapatient seine individuelle Therapie?

Bergerhausen Der Patient sollte sich mit seinen Laborwerten bei einem Rheumatologen vorstellen. Er wird dorthin vom Hausarzt überwiesen. Die Behandlung und die Diagnosestellung von Rheuma hat große Fortschritte gemacht, aber die Kunst heute ist es, bei unklaren Beschwerden den richtigen Ansprechpartner zu finden. Die entzündlichen Prozesse betreffen in einigen Fällen weitere innere Organe. Die Einschätzung auch der anderen Fachgruppen ist wichtig, um die optimale und individuelle Therapie festzulegen.