Ratingen: Reizgas - die Folgen der Sprüh-Attacke

Ratingen : Reizgas - die Folgen der Sprüh-Attacke

Die gute Nachricht konnte ein Polizeisprecher bereits am Samstagmorgen vermelden: "Nach unseren Informationen sind alle Kinder, die am Freitag in umliegende Krankenhäuser transportiert worden sind, noch im Verlauf des Freitags nach Hause entlassen worden."

Ein einigermaßen glimpfliches Ende also letztlich für einen mutmaßlichen "Dummejungenstreich" im Treppenhaus der Martin-Luther-King-Schule am Freitagmittag (RP berichtete), der jedoch für den Verursacher erhebliche strafrechtliche Folgen haben könnte, so der Polizeisprecher weiter: "Es steht der Verdacht einer mehrfachen gefährlichen Körperverletzung im Raum. Für uns besteht die Arbeit jetzt darin, mittels Zeugenvernehmungen Hinweise auf den oder die Täter zu bekommen."

Fakt sei jedenfalls, dass kein Unfall vorliegen könne, so Lutz Peltzer von der Feuerwehr, am Freitagmittag als einer der ersten Einsatzkräfte vor Ort: "Hier wurde CS-Gas versprüht. Das wird nirgends in Schulen verwendet und man trägt es auch nicht so einfach mit sich herum."

Nach bisherigen Erkenntnissen der Retter dürfte sich am Freitagmittag gegen kurz vor 13.30 Uhr Folgendes im Flur der Gesamtschule ereignet haben: Kurz nach dem Ende der sechsten Stunde war eine große Zahl von Schülern auf dem Weg ins Wochenende oder in die Pause, als das Reizgas im Treppenhaus freigesetzt wurde. In der Folge soll es aufgrund der unmittelbaren Reaktionen wie Husten, Atemnot und tränenden Augen zu panikartigen Reaktionen gekommen sein. Schulleiter Michael Kreft reagierte schnell und alarmierte die Feuerwehr.

Als die ersten Helfer eintrafen, ging es Schlag auf Schlag, so Feuerwehrchef René Schubert: "Kurz nach dem Eintreffen unserer Kräfte habe ich am Funk gehört, dass sich die Zahl der geschädigten Personen immer weiter erhöhte. Daraufhin habe ich mich sofort selbst auf den Weg gemacht." Nach Einsatzende war man seitens der Helfer davon überzeugt: Die Einsatzpläne waren richtig und griffen.

Um einen ersten Überblick zu erlangen, wurde ein Team des Rettungsdienstes damit beauftragt, auf dem Schulhof eine erste Sichtung der Schüler vorzunehmen, so Schubert: "Wer offensichtlich Kontakt mit dem CS-Gas hatte und über Beschwerden klagte, wurde zur weiteren Behandlung in die Mensa geschickt, der Rest wurde nach Hause entlassen."

In der Schule selbst dürfte auch nach dem Wochenende noch keine Ruhe einkehren. "Wir werden das Erlebte aufarbeiten müssen. Viele hatten wirklich Angst um ihr Leben, waren völlig schockiert", war am Wochenende aus dem Schulumfeld zu hören. Offiziell gab es keine Stellungnahme. Noch am Freitagnachmittag hatte die Bezirksregierung Schulleiter Kreft empfohlen, das Geschehen nicht zu kommentieren.

Die Bezirksregierung war für weitere Informationen ebenfalls nicht erreichbar. In den sozialen Netzwerken dagegen wurde heiß diskutiert. Wie zu lesen war, gab es sogar schon erste Verdächtigungen. Unabhängig von strafrechtlichen Konsequenzen ist die Schule daran interessiert, den oder die Täter zu stellen. Ein weiteres Thema: Wie kann man sich gegen so etwas schützen? Ein Beteiligter, der als einer der Ersten half: "Ich möchte solch einen Gesichtsausdruck bei den Schülern nicht noch einmal sehen. Das war die pure Angst."

(RP/ila/anch/top)
Mehr von RP ONLINE