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Reinrassige Gewürze auf dem Ratinger Wochenmarkt

Ratinger Markthändler : Hier gibt’s die reinrassigen Gewürze

Klaus Obermüller kommt immer donnerstags aus Wachtendonk nach Ratingen. Das sind mehr als 120 Kilometer Fahrt. Auf dem Wochenmarkt verkauft er unterschiedlichste Gewürze und verschiedene Teesorten.

Um ein Gulasch zu würzen, kann man mit zweierlei Paprika, Pfeffer und Salz schon ziemlich richtig liegen. Soll aber die orientalische Küche –  wie die im vergangenen Urlaub in Marokko – im heimischen Kochtopf auferstehen, muss es mindestens Ras el-Hanout sein, das die Anmutung von tausend und einer Nacht in die Anbauküche zaubert. Wenn dieser blumige Name übersetzt auch nur „Kopf des Ladens“ heißt.

Ob es nun dieses oder jenes Gewürz ist: Klaus Obermüller bringt es nach Ratingen, frisch abgefüllt und von prima Qualität, seit Jahren immer donnerstags auf dem Ratinger Wochenmarkt. Einmal hin und einmal her zwischen Wachtendonk und dem Markt der Dumeklemmerstadt bedeuten für ihn über 120 Kilometer. Und das seit 23 Jahren. Davor hat sein Vater das Marktgeschäft selber übernommen und geführt, immer wieder begleitet vom Sohn. Der absolvierte schließlich eine Ausbildung zum Koch, erprobte sich auch in einem Café, hatte so etwas wie Flausen im Kopf, als er der Verwandtschaft als Koch nach Teneriffa folgen wollte. Eigene Familiengründung und Verantwortung für die Lieben hielten ihn hier.

Und eine gleichermaßen treue wie große Stammkundschaft dankt es ihm. Außer Gewürzen und Kräutern verkauft er Tees. Kaum schwarzen, keinen aromatisierten, dafür eher Arzneitees. In früheren Jahren war Tee beliebter, dafür sind jetzt die Gewürze der Renner. Aber 80 bis 100 Teesorten führt Obermüller immer noch im Angebot. Jetzt sind zwei Drittel der Ware Gewürze, ein Drittel Tee.

Andernorts boomen die Gewürzmischungen, die sich mit einem schmissigen Namen empfehlen. Und Curry ist von Haus aus schon eine Mischung. Aber gern genommen und für gut befunden sind an diesem  Marktstand die reinrassigen Gewürze, die von zuverlässigen Großhändlern in eher kleinen Mengen abgepackt gekauft werden. Das bedeutet nämlich, dass sie stets frisch sind. Das kann aber auch heißen, dass die Produkte hin und wieder anders aussehen als die Lieferung vorher, und dass die Kundschaft sich auf Obermüller verlassen muss. Was sie sehr wohl kann. Auch, wenn eine rare Oregano-Ernte aus Griechenland dann mal anders ausschaut als die aus der Türkei – aber selbige in der Qualität wirklich alt aussehen lässt.

Die prachtvollen Gewürze und Kräuter kommen bei Obermüllers zu Hause kaum in den Topf, weil die Ehefrau eher nicht aufs experimentelle Kochen abfährt. Aber, wenn Klaus Obermüller denn dereinst – und das sollte noch ein paar Jahre dauern – seinen Stand in Ratingen schließt, dann kann kulinarisch vielleicht ein ganz neues Kapitel in Wachtendonk aufgeschlagen werden.

Über Körner, Samen, Rinden und Kapseln weiß er so viel, dass sich nicht nur in Corona-Zeiten lange Schlangen an seinem Stand bilden, weil er beratend tätig wird. Und Koch ist er ja von Haus aus.

Bis dahin erlebt er auch die modischen Wellen, die immer wieder andere Gewürze pushen: Sei es der Zimt, dem die Herzen entgegenschlagen, sei es Kurkuma, das in Mengen gegen welche Zipperlein auch immer gekauft wird, sei es letztlich auch der Ingwer, der zum Beginn der Krise einen preislichen Purzelbaum von zwölf Euro auf 48 Euro pro 100 Gramm geschlagen hat, inzwischen aber wieder im Diesseits angekommen ist.