Ratingerin gibt in Mülheim den Ton an

Musik-Botschafterin : Ratingerin gibt in Mülheim den Ton an

Ein Besuch bei der viel gefragten Konzertdramaturgin Eva-Susanne Rohlfing zu Hause.

Es gibt Menschen, die vom ersten Augenblick an fesseln, sie haben etwas ganz Besonders und manchmal fällt es schwer zu definieren, was genau es ist. Bei Eva-Susanne Rohlfing ist das kein Problem: diese zarte, brünette, unfassbar freundliche Frau strahlt Anmut aus.

Es ist dieses Gesamtpaket, ihre grazile Bewegung, ihre warme Stimme, ihr unaufdringliches und doch zugewandtes Wesen, ja, vielleicht geht es auch um Sinnlichkeit. Dass ein solcher Mensch in tiefer Verbindung zur Kunst steht, wundert keinesfalls und erst recht nicht die Tatsache, dass die 51-Jährige studierte und passionierte, klassische Konzertcellistin ist. Kaum ein anderes Instrument würde so gut zu ihr passen, fast wirkt es wie eine Symbiose.

„Ich liebe das Cello, es ist ein ganzheitliches Instrument, es erzeugt warme Töne, es ist der menschlichen Stimme so unglaublich nahe“, schwärmt Eva-Susanne Rohlfing mit leiser Stimme, während sie ihren Kaffee langsam umrührt, sich mit dem Blick durch die große Fensterfront ihrer Küche in dem parkähnlichen Garten verliert. Gemeinsam mit ihren drei Kindern und ihrem Ehemann, dem Berufsmusiker und Profischlagzeuger Jan Rohlfing, lebt sie in Lintorf in ihrem ganz persönlichen Paradies, einem umgebauten Fachwerkhaus, das in fünfter Generation der Familie gehört.

Hier unterrichtet sie nicht nur ihre eigene Celloklasse, hier veranstaltet das Musikerehepaar auch häufig private Konzerte. „Wir räumen dann die Sitzgarnituren weg und stellen Stühle auf“, erklärt Eva-Susanne Rohlfing und zeigt in den großen, offenen und lichtdurchfluteten Wohnbereich „dann musizieren wir gemeinsam mit unterschiedlichen, teils internationalen Gastmusikern, es ist jedes Mal eine wunderbare Erfahrung und macht sowohl uns, als auch den Besuchern, unglaublich viel Freude.“ An den hohen Wänden hängen Gemälde, auch Armin Müller-Stahl hat einige Zeichnungen beigesteuert. „Durch unsere jahrzehntelange Erfahrung als Profimusiker haben mein Mann und ich natürlich viele Kontakte in die internationale Kunst- und vor allem Musikszene“, erklärt die mehrfach preisgekrönte und ausgezeichnete Cellistin fast ein wenig entschuldigend, so, als habe sie Sorge, eine solche Aussage könne zu selbstherrlich wirken. Dabei sind es genau diese Beziehungen, die ihr in ihrer Funktion als Konzertdramaturgin des Theater- und Konzertbüros Mülheim, die Möglichkeit geben, auch die besten und anspruchsvollsten Künstler der Klassikmusik in die Ruhrgebietsstadt zu holen: So wird in dieser Saison unter anderem die Chefdirigentin der Hong Kong Sinfonietta, Yip Wing-sie, zu Gast sein, ihr französisches Pendant, Ariane Matiakh, wird heute Abend das Eröffnungskonzert der siebenteiligen Programmreihe dirigieren.

„Ich möchte trotzdem betonen, dass es eine Gemeinschaftsarbeit ist, solche großen Künstler einzuladen und ihre Auftritte zu gestalten“, betont Eva-Susanne Rohlfing, „ich arbeite jetzt in der zweiten Saison mit dem Konzertbüro Mülheim zusammen, es ist ein absolut hervorragendes Team rund um Stephanie Steinberg als Leitung, ich bin unfassbar dankbar für diese tolle Aufgabe.“ Dass sie diese Herausforderung bereits in ihrer ersten, vergangenen Saison mit Bravour gemeistert hat, zeigt die Besucherstatistik – mittlerweile sind die Konzerte zu 92 Prozent ausgelastet, über 130 neue Abonnements wurden verkauft. „Ich begegne dieser Aufgabe mit so viel Leidenschaft“, schwärmt die vielseitige Künstlerin. Viele Jahre hat sie neben ihrem „Heimatgenre“ Klassik auch den Rock- und Popbereich musikalisch bereichert, an Studioproduktionen mitgewirkt, Engagements in großen Musicalproduktionen gehabt, unter anderem als Solocellistin in „Les Misérables“, zeitweise vermittelte sie mit einer eigenen Agentur Musiker in große Fernsehshows wie „Wetten dass....?

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