Ratingerin engagiert sich ehrenamtlich

Rentnerin engagiert sich ehrenamtlich: Hombergerin reißt ihre Mitmenschen mit

Helga Maria Isenberg hat einen Club für ältere Menschen gegründet, kümmert sich um einen Chor und arbeitet ehrenamtlich beim SkF.

Viele Frauen sprechen gelassen den Spruch aus, der da heißt: „Ich habe meinem Mann den Rücken frei gehalten“. Helga Maria Isenberg erklärt den Inhalt: „Ich habe ihn bei den Dingen unterstützt, die er machte. Und er hatte als Lehrer schon eine Menge zu tun. Er war nebenamtlicher Organist, leitete einen Chor und einen Instrumentalkreis, für den ich – weil es gebraucht wurde – extra das Flötenspiel erlernte. Letztlich machte sie das so gut, dass sie selber Flötenunterricht erteilen konnte.

Nun ist Helga Maria Isenberg 79 Jahre alt, seit 1990 Witwe und jagt immer noch unerschütterlich durchs Leben. Sie hat einen Club gegründet, der Jacobustreff 55 plus heißt und auch 40 andere Homberger zu Ausflügen, zu Kaffee und Kuchen, zum Kegeln und Wandern animiert. Sie hat mit Erfolg am Fortbestand eines Chors mitgearbeitet, plant dessen ökumenisches Konzert am 1. Adventssonntag mit. Wenigstens zweimal pro Woche arbeitet sie für den SkF (Sozialdienst katholischer Frauen).

Engländer würden sie mit „to have ants in one‘s pants“ – Ameisen in der Hose haben – beschreiben, was bei uns seit dem Mittelalter „Hummeln im Hintern haben“ heißt. Sie fährt nicht etwa einen altersangemessenen Wagen, sondern einen mit aufgemalten Blumen, tauscht mit Begeisterung alberne Videos mit anderen Smartphone-Besitzern. Das Pendant dazu: In St. Jacobus ist sie als Lektorin eine zuverlässige Größe.

Es sollte betont werden, dass Helga Maria Isenberg nicht im glücklichen Rentenalter damit begonnen hätte, einem Überangebot an Freizeit ein ebensolches Überangebot an Beschäftigungsbegeisterung entgegen zu halten. Sie hat immer schon geholfen, und das ehrenamtlich.

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In Beuthen ist sie 1939 geboren. Der Vater fiel im Krieg, als sie fünf Jahre alt war, die Mutter flüchtete mit ihr und den beiden Schwestern in einen kleinen Ort am Harz, später nach Essen. Nach der achten Klasse absolvierte sie eine kaufmännische Lehre, fand eine Stelle in der Essener Stadtbibliothek (las alle Bestseller) und zog mit ihrem Mann nach dessen Studium nach Homberg.

Natürlich war sie nie der Typ, der unbeschwerte Sonnenstunden auf dem Balkon im Liegestuhl verdöst – die Hummeln trieben sie um. Sie bekam drei Kinder und absolvierte an der Elly-Heuß-Knapp-Schule erfolgreich eine Ausbildung als Hauswirtschaftsmeisterin, könnte also junge Frauen in die Lehre nehmen. Mit 50 Jahren gab es noch einmal einen Knaller: Sie holte an der Abendschule ihr Fachabitur nach. Außerdem wirkte sie in der chirurgischen Abteilung des Marienkrankenhauses als Sekretärin des Chefs bis zum Beginn des Rentenalters.

Und wie fühlt sich die Tochter einer solchen Mutter? Erstmal stolz. Elisabeth Isenberg lobt sie und ist beeindruckt von ihrer „alten Dame“, unter allen herzensguten Einsätzen gefällt ihr unter anderem, dass ihre Mutter bei den Sommerfesten des SkF immer wieder anmutig als Mannequin auftritt.

Und wie soll es weitergehen? Frau Isenberg hat noch ein Ass im Ärmel. „Meine Mutter ist übrigens 100 Jahre alt geworden.“ Das lässt hoffen.

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