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Ratinger packt im Hochwassergebiet mit an

Ratinger hilft im Flutgebiet : „Ich weiß, wie es ist, in einer Katastrophe zu leben“

Der Syrer Zakaria Sino aus Ratingen sah die Bilder der Flutopfer und fackelte nicht lange. Er nahm Kontakt ins Katastrophengebiet auf und machte sich auf den Weg nach Sinzig.

() Häuser und Wohnungen voller Schlamm, Vorgärten zugeschüttet mit Geröll, zerstörte Möbelstücke auf der Straße – die Flutkatastrophe Mitte Juli hat Bilder der Verwüstung hinterlassen. Deutschland stand unter Schock angesichts der Bilder aus der Eifel und dem Ahrtal. Viele waren fassungslos – und manchen packte der Wille, unbedingt helfen zu wollen.

Einer von ihnen ist der Syrer Zakaria Sino, 32 Jahre alt, Ratinger und Auszubildender als Erzieher. „Ich habe die Bilder in den sozialen Netzwerken und in den Nachrichten gesehen und dachte nur, wie schrecklich das alles ist“, sagt er. Aber dann habe er sofort darüber nachgedacht, wie er helfen könnte. „Ich weiß ja selbst, wie das ist, in einer Katastrophe zu leben. Also musste ich helfen.“

Er rief er seinen Sozialarbeiter Benjamin Dietrich von der städtischen Flüchtlingsberatung an, um herauszufinden, wo er sich engagieren kann. Der Berater, der den jungen Syrer seit drei Jahren begleitet, vermittelte ihm Adressen und gab ihm Hinweise von freiwilligen Helfern aus Syrien, die sich in einer Gruppe aus Facebook selbst organisieren. Zakaria Sino fand die Gruppe, schrieb sie an und schon einen Tag später saß er im Zug auf den Weg nach Sinzig. „Ich hatte ja Schulferien, die ich sinnvoll nutzen konnte.“

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Vor Ort traf er Anas, Maher, Amer, Fares und Barakat – die syrischen Männer, die die Gruppe im Internet ins Leben gerufen hatten. „Sie haben mich sofort nett aufgenommen. Wir haben dann zusammen die Nächte in einer Lagerhalle verbracht. Dort gab es Matratzen, Bürger aus Sinzig und Umgebung haben uns mit Lebensmitteln versorgt“, berichtet Zakaria, der insgesamt vier Wochen im Katastrophengebiet war.

Seine ersten Einsätze hatte er in Sinzig, dann in Bad Neuenahr und Ahrweiler. Manchmal riefen Menschen, die die Gruppe schon kannten, einfach an und baten um Hilfe. „Wir haben uns aber auch einfach an die Straße gestellt und unsere Hilfe angeboten“, erzählt Zakaria.

Vorbehalte gegenüber ihm und den anderen arabischen Männern habe er nicht erlebt. „Im Gegenteil: Alle waren sehr dankbar, dass wir unsere Hilfe angeboten haben.“ Immerhin sei auch viel zu tun gewesen. Vor allem der Schlamm sei ein riesiges Problem gewesen, sagt Sino. Insgesamt haben er und die anderen syrischen Helfer in knapp vier Wochen in rund 120 Häusern und Wohnung bei den Aufräumarbeiten geholfen, auch in einer Kirche haben sie mit angepackt.

Das schlimmste für ihn seien aber nicht nur die Bilder der Zerstörung gewesen, sondern auch die Verzweiflung der Menschen. „Wir haben mit ihnen zusammen aufgeräumt und zwischendurch haben viele immer wieder geweint, weil sie alles verloren haben. Das hat mich sehr betroffen gemacht.“

Das hält den 30-Jährigen aber nicht davon ab in Zukunft weiterzuhelfen. „Ich fahre jetzt wieder dorthin, ich kann nicht anders. Die Menschen darf man nicht im Stich lassen.“