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Ratinger lesen Geschichten für Ratinger

Drei Mal in der Woche : Ratinger lesen Geschichten für Ratinger

In Ratingen gibt es viele Aktionen, die helfen sollen, gut durch die ungewöhnliche Zeit zu kommen.

Was haben Buchhändler, amtierende Lehrer und solche im Ruhestand, aktive Mitglieder in einer Pfarrei, ein Stadionsprecher, ein Sozialpädagoge, eine Nachhaltigkeitswissenschaftlerin, eine angehende Erzieherin, eine Heimat-Historikerin, ein Pfarrer und ein Gastronom gemeinsam?

Sie alle gehören zu einer Gruppe, die für das Projekt „Ratinger Online Vorlesestunde“ aus ihren Lieblingsbüchern vorlesen. „Für meinen Mann und mich und sicherlich für viele andere auch sind Bücher gerade jetzt besonders wichtig, weil man durchs Lesen wunderbare Dinge erleben und neue Erfahrungen machen kann, die zurzeit durch das Corona-Virus im wirklichen Leben nicht möglich sind. Viele Leute fühlen sich jetzt allein. Bücher können somit Trost und Geborgenheit spenden“, erklärte Paprotta-Kübler. Zu Beginn der Kontaktsperre haben die beiden die Idee gehabt, Stimmen aus Ratingen zu suchen, die durch Vorlesen anderen Mut und etwas Normalität schenken könnten.

Jeder von ihnen hat dann ganz individuell vom Kinder- und Jugendbuch bis hin zum Krimi oder Liebesgeschichte seinen eigenen Favoriten ausgesucht, eine Lesung von 15 bis 25 Minuten vorbereitet und somit schönen, lustigen und nachdenklichen Texten eine Stimme gegeben. Jeder konnte seine Lesung zu Hause aufnehmen, entweder als Videodatei oder als reiner Sprachbeitrag, der mit Fotos unterlegt wird. Diese Datei wird per E-Mail an Paprotta-Kübler und ihren Mann geschickt. Die Beiträge werden anschließend mit einer kurzen Vorstellung von Buch und Leser zu fixen Terminen in Facebook veröffentlicht.

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„Uns ist wichtig, dass dabei keine abgeschlossenen Texte vorgelesen werden, sondern nur Auszüge, die Lust auf das ganze Buch machen, quasi als Appetitanreger. Denn wir möchten mit der Aktion zusätzlich auch Werbung für die Ratinger Buchhandlungen machen“, betonte die Initiatorin.

Einer der Leserinnen ist die 20-jährige Janina. Sie ist zwar keine bekannte Ratinger Stimme, möchte aber Menschen in dieser ungewöhnlichen Zeit auf andere Gedanken bringen. Sie hat eine Lesung aus dem Buch „Black Forrest High“ von Nina MacKay vorbereit, in dem die junge Seven, unter dem Vorwand eine Schule für Kunstbegabte zu besuchen, von ihrem besten Freund, einem Geist, auf eine Schule für Geistseher geschickt wird. „Mich hat der Humor der Autorin immer wieder aufs Neue beeindruckt. Ich hoffe, dass noch viele weitere Leser den Schreibstil und die Geschichten der Autorin so lieben werden wie ich“, begründet Janina ihre Buchwahl. Noch wartet sie auf eine Genehmigung der Lesung durch den Verlag, denn die Urheberrechte müssen gewahrt werden. Die Zustimmung „ihrer Autorin“ hat sie schon. „Ich freue mich, dass auch ein Buch von mir mit dabei ist. Wie schön, dass sich so viele Vorleser gemeldet haben und damit anderen die aktuelle Situation angenehmer machen. Solche Solidarität kann die Welt momentan gut gebrauchen“, schrieb MacKay.