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Ratinger Kinderschutzbund bietet Therapie und Gespräche an

Kinderschutzbund : Gewalt gegenüber Kindern steigt seit Corona-Ausbruch

Der Kinderschutzbund Ratingen verzeichnet einen wachsenden Beratungs- und Therapiebedarf. Seitdem Schulen und Kindergärten geöffnet sind, werden mehr Verdachtsfälle gemeldet.

Vor 20 Jahren beschloss der Bundestag das „Gesetz zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung“. Damit sollten die Zeiten körperlicher Züchtigung, seelischer Grausamkeiten und entwürdigender Erziehungsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche eigentlich ein Ende haben. Der Ratinger Kinderschutzbund (KSB) verzeichnete viele Jahre lang ein Umdenken bei Eltern und Aufsichtspersonen: „Die meisten Eltern wollen eine gewaltfreie Erziehung und einen respektvollen Umgang mit ihren Kindern. Wenn es dann doch zu Gewalt in der Familie kommt, ist das oft ein Ausdruck von Hilflosigkeit und Überforderung“, so Rita Marketa Trudslev, Vorstandsvorsitzende des Kinderschutzbundes Ratingen. Dann kam Corona.

„Wir bemerken einen steigenden Beratungsbedarf“, so Trudslev. Wochenlang hockten Familien eng aufeinander. Homeoffice und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen, überforderte viele Eltern. Ein erhöhtes Stresslevel führte in vielen Familien doch zu lautstarken Auseinandersetzung oder gar zu körperlicher Gewalt. „Aufgefallen ist das allerdings erst, als die Schulen und Kitas wieder geöffnet wurden“, berichtet Trudslev. Mitarbeiter verschiedener Einrichtungen meldeten sich. Gemeinsam mit dem Jugendamt geht das KSB-Team den Verdachtsfällen nach.

„Was wir feststellen ist, dass Erziehung in anderen Kulturkreisen völlig andrs aussieht“, so die Vorsitzende. Ein Klaps oder eine Ohrfeige sind dort alltäglich. Erfreulich immerhin: „Viele Eltern sind offen für Gespräche.“ Und anschließend häufig bereit, in der Erziehung neue, gewaltfreie Wege zu gehen.

Um das 20 Jahre alte Gesetz wieder mit Leben zu füllen, wünscht sich Rita Marketa Trudslev „dass die Mitmenschen ein waches Auge habe für Gewalt, Verwahrlosung oder Missbrauch. Wer einen Verdacht hat, sollte sich sofort melden. Wenn dieser sich am Ende nicht bestätigt ist das immer noch besser, als wenn Gewalt unentdeckt bleibt.“ Auch Eltern finden beim KSB-Team Unterstützung. „Hilfe zu holen ist keine Schwäche, sondern signalisiert Stärke und Entschlossenheit etwas ändern zu wollen.“

Die Beratungsstelle des Kinderschutzbundes ist unter Telefon 02102/24433 erreichbar.

(RP/abin)