Ratingen Zugewanderte Kinder werden Fit in Deutsch

Ratingen: Kinder lernen in den Ferien Deutsch

Während andere die freie Zeit genießen, treffen sich 36 Schüler freiwillig an fünf Tagen zum Üben im Gymnasium.

In den verwaisten Pavillions des von Carl Friedrich von Weizsäcker-Gymnasiums lernen Grundschüler und ältere Kinder in zwei Gruppen, was eine Bergische Kaffeetafel ist.

Die Lehrerinnen (ehemalige und angehende) haben einen kleinen Text mit ziemlich anspruchsvollen Vokabeln mitgebracht: Nahrung, Weißbrotschnitte, Schwarzbrot und weitere Wörter müssen erst einmal erklärt werden; Zimt, Zucker und die Dröppelmina werden herumgezeigt, damit die Kinder verstehen, um was es geht. Einige Kinder signalisieren Wiedererkennen: Aus ähnlichen Kannen wird in ihrer Heimat auch Kaffee oder Tee gereicht.

Die Übung verfolgt einen Zweck: An diesem Nachmittag wird für die Schüler in der Schulmensa eine Bergische Kaffeetafel aufgefahren: Mit Sahne, Quark, Waffeln, Milchreis, Zucker und Zimt.

Das „Ferien-Intensiv-Training – FIT in Deutsch“ hat schon während der Sommerferien zwei Wochen lang stattgefunden und wurde sehr gut angenommen. Grund genug, das Projekt, welches auf Initiative der Landesregierung erstmals in den Herbstferien 2017 aufgelegt worden war, fortzuführen.

Die Stadt Ratingen nimmt während der Herbstferien erneut mit zwei Gruppen – je eine für die Grund- und eine für die weiterführende Schule – teil.

  • Ratingen : Die Bergische Kaffeetafel schmeckt allen

Das Projekt richtet sich an neu zugewanderte Kinder, die ihre Deutschkenntnisse während der Schulferien erweitern und vertiefen wollen. Die Nachfrage ist groß: „Insgesamt 35 Teilnehmer im Alter von sechs bis 16 Jahren sind dabei. Die Kinder und Jugendlichen stammen aus neun verschiedenen Nationen wie dem Irak und Syrien, aber auch Indien, Serbien, Polen, Korea, Ukraine und der Dominikanischen Republik“, berichtet Stephanie Engelhardt, Projektleiterin vom Amt für Schulverwaltung und Sport.

Es sind Flüchtlinge, Spätaussiedler oder Kinder von Ausländern, die in Deutschland arbeiten. „Manche leben schon seit einigen Jahren hier, die haben oft Probleme mit der Schriftsprache, wie der kleine Roma Miroslaw. Andere sind gerade erst hier angekommen“, erzählt Engelhardt.

Nach der Trockenübung laufen alle Deutsch-Schüler hinüber zum „Café Carl“ des Gymnasiums, der Mensa. Dort ist die Tafel üppig gedeckt, aber bevor es ans essen geht, werden erst noch einmal die Vokabeln überprüft. Hell- und dunkelhäutige Kinder sagen mühsam Schnitte, Waffel und so weiter. Dann langen sie herzhaft zu: Da wird Sahne aufs Schwarzbrot geschaufelt, Milchreis mit Zucker und Zimt auf die Waffeln, und alles in Windeseile verputzt. Fouzi und Osama aus Syrien beteuern, dass es ihnen schmeckt.

Ute Pieczewski, ehemalige Hauptschullehrerin und jetzt Sprachtrainerin, empfindet den Ferienkurs als persönliche Bereicherung: „Das sind so unterschiedliche Kinder mit so unterschiedlichen Sprachkenntnissen, aber die helfen sich alle gegenseitig. Wir müssen die Mensa immer sauber verlassen. Das Stühle hochstellen und Fegen erledigen meistens unsere arabischen Jungs“, sagt sie und schmunzelt.

In der einen Woche stehen viele praktische Übungen auf dem Programm: Sprache lernen beim Sport (Fußball oder Sumba) oder beim Kinobesuch am Dienstag: Alle haben begeistert „Heidi“ geguckt. „Wir haben den gewählt, weil die Darsteller ziemlich langsam Deutsch sprechen. Viele Kinder waren begeistert von den Bergen. Die haben einige an ihre Heimat erinnert.“

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