Ratingen. Werner Debertin fördert den Schach-Nachwuchs

Ratingen : Wo Schüler Schach-Diplome machen

Seit fast einem Vierteljahrhundert leitet Werner Debertin den Lintorfer Schachverein, einen kleinen Verein am Rande des Schachbezirkes Düsseldorf. Sein besonderes Augenmerk richtet er auf gezielte Nachwuchsförderung.

„Schachmatt! Und das, obwohl ich schlechter stand.” So triumphierte der neunjährige Junhee, als er geschickt einen seiner Bauern auf dem Spielbrett platziert und seinem Gegenspieler Malte keine Chance gab, den König zu retten. Die beiden Grundschüler kommen regelmäßig in den Sitzungssaal im ehemaligen Rathaus in Lintorf, um das strategische Brettspiel um Bauern, Türme, Springer, Läufer, Damen und Könige zu erlernen und ihr Können dann praktisch anzuwenden.

Am Tisch nebenan spielt Arian gegen den fünfjährigen Ben. Arian ist zwei Jahre älter als Junhee und Malte und hat die Grundzüge des Schachspielens von seinem Vater erlernt. Er will aber mehr. „Ich möchte besser werden, denn ich möchte gerne mal meinen Vater schlagen, was ich aber bisher noch nicht geschafft habe. Ich habe schon ein paar Turniere gewonnen, möchte aber noch ein paar Pokale mehr erreichen“, sagte der ehrgeizige Gymnasiast.

Schach ist ein Spiel für Jedermann. Die erlaubten Spielzüge sind recht einfach und schnell erklärt, und mit der Zeit entwickeln man eine Vorstellung davon, welche Figuren besonders nützlich und welche entbehrlich sind, wie man andere in die Falle lockt oder die eigenen Figuren schützt. Nach und nach werden weitere Regeln und Strategien erlernt, sodass immer neue Dimensionen des Spiels entstehen. Hierbei sind Geduld, Disziplin, Konzentrationsfähigkeit, Fairness und vorausschauendes Denken gefragt. Nach einem langen Schultag ein nicht immer einfaches Unterfangen.

Werner Debertin – hier mit einem Übungsheft – organisiert Jugendtraining und -turniere schon seit Jahrzehnten. Foto: Blazy, Achim (abz)

Im Lintorfer Verein treffen sich derzeit etwa 55 Spieler im Alter von fünf bis 75 Jahren. Für sie gibt es Aktivitäten für reine Anfänger bis hin für gute Turnierspieler. „Schwerpunktmäßig setzen wir auf Angebote für die Jugend“, erklärte Werner Debertin. Aufgrund des geänderten Freizeitverhaltens der Kinder und Jugendlichen (Stichworte: Übermittagsbetreuung, Offener Ganztag, Schulunterricht am Nachmittag) ist es allerdings nicht immer einfach, sie für den Verein zu gewinnen. Und dennoch sind weit über die Hälfte der Vereinsmitglieder unter 18 Jahre alt. Und wenn für sie alle zwei Wochen donnerstags nachmittags im Sitzungssaal die Schachbretter aufgebaut werden, kommen im Schnitt zehn bis 15 Spieler. Sie können an den Nachmittagen Strategien und Spielzüge von Debertin, aber auch von den Mitspielern erlernen, das Bauern-, Springer-, oder Turmdiplom erwerben, bei altersgerechten Jugendturnieren mitkämpfen oder auch in einer Mannschaft spielen. „Mir lag es besonders am Herzen, gerade den Kindern das Schachspielen beizubringen und sie dafür zu begeistern. Als ich vor rund 25 Jahren die Leitung des Vereins von meinem Vater übernommen habe, habe ich zunächst Schachunterricht für junge Anfänger und kindgerechte Turniere speziell für sie angeboten. Später kamen dann weitere Turniere und Teilnahmen an Meisterschaften in den verschiedensten Altersklassen hinzu, die dann nach den regulären und festen Turnierregeln abgewickelt werden“, berichtet Debertin. Darüber hinaus werden Aktivitäten angeboten, um die Gemeinschaft zu stärken, wie zum Beispiel das jährliche Schachwochenende in einem Ferienhotel, wo neben viel Spaß gegen Spieler aus ganz Deutschland das „königliche Spiel“ ausgetragen wird. Natürlich finden im Verein auch Erwachsene Gelegenheiten, Schach zu spielen. Wie bei den Kindern gibt es ebenfalls erst eine Trainingseinheit und dann eine Spielphase, bei der die Schachuhr läuft und es um Punkte für die eigenen Bewertung geht.

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