IHK-Umfrage Darum stellen Firmen ihre Investitionen zurück

Ratingen · Die Stimmung bei den Firmen könnte deutlich besser sein. Die Investitionsbudgets der Unternehmen sinken. Dies geht aus einer neuen IHK-Umfrage hervor. Auch beim Unternehmensverband Ratingen (UVR) gab es düstere Prognosen.

Ratingen Ost gilt als Premium-Standort der lokalen Wirtschaft.

Ratingen Ost gilt als Premium-Standort der lokalen Wirtschaft.

Foto: Achim Blazy (abz)

Die Stimmung in der Region, auch in Ratingen, ist eher gedrückt. Dies hat viele Gründe. Die Verunsicherung der Unternehmen ist jedenfalls groß. Sie sind deshalb bei Ihren Investitionsplänen zögerlich und stellen sogar zunehmend Investitionen zurück. Die Gründe dafür: Die Wirtschaftspolitik in Bund und Land wirkt unzuverlässig, die überbordende Bürokratie wird als lähmend empfunden und die Energiekosten sind zu hoch. Das sind die Ergebnisse einer Analyse der Industrie- und Handelskammern (IHKs) Düsseldorf und Mittlerer Niederrhein.

„Unsere Konjunkturumfragen, aber auch amtliche Daten zeigen, dass die Investitionsbudgets der Unternehmen sinken. Wenn nicht investiert wird, ist das eine Gefahr für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts“, kommentiert IHK-Hauptgeschäftsführer Gregor Berghausen die Analyse. Die Daten stammen aus einer IHK-Umfrage bei 600 Unternehmen aus der Region Düsseldorf/ Mittler Niederrhein.

Knapp ein Drittel dieser Unternehmen plant, seine Investitionsausgaben zu reduzieren, während nur 22 Prozent höhere Investitionen als zuvor vorsehen. Bereits im vergangenen Herbst und zu Jahresbeginn waren die Investitionspläne der Unternehmen restriktiv. „27 Prozent der Unternehmen haben ursprünglich geplante Investitionen zurückgestellt. Das ist ein sehr hoher Wert“, so Berghausen. Besonders deutlich ist dieser Trend im Verarbeitenden Gewerbe. 34 Prozent dieser Industriebetriebe (ohne die Bauwirtschaft) haben Investitionen zurückgestellt. In der energieintensiven Industrie ist es mit 40 Prozent besonders dramatisch. Bei den Dienstleistern liegt der Anteil bei 29 Prozent, während im Baugewerbe nur 11 Prozent der Unternehmen geplante Investitionen zurückgestellt haben.

Der Hauptgrund für die Zurückhaltung bei Investitionen sind die unsicheren wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. „Das betrifft zum Beispiel offene Fragen zur Energiewende oder Gesetzesinitiativen, die im Raum stehen und mit Auflagen und Einschränkungen für die Unternehmen verbunden sind. Ein Beispiel dafür ist das Lieferkettengesetz“, erläutert der IHK-Hauptgeschäftsführer. Mehr als ein Drittel der Unternehmen, die Investitionen zurückgestellt haben, nennen die weiterhin hohen Energiekosten und zunehmende Regulierungen als Gründe. Der Einzelhandel führt auch die hohe Steuer- und Abgabenbelastung sowie den Fachkräftemangel an. Fast 40 Prozent der Dienstleister nennen langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren als Faktoren für die Investitionszurückhaltung.

Die IHK-Analyse ist auch der Frage nachgegangen, was politisch passieren muss, damit die Unternehmen ihre zurückgestellten Investitionen nachholen beziehungsweise mehr investieren. Knapp drei Viertel der Betriebe würden bei einer verlässlicheren Wirtschaftspolitik wieder mehr investieren, zwei Drittel bei einer Reduzierung der bürokratischen Belastung. „Es gibt viele Initiativen und Sonntagsreden, aber niemand geht die Probleme konkret an“, kritisiert Berghausen. Die Dienstleister sehen zudem in kürzeren Planungs- und Genehmigungsverfahren ein Instrument, um die Investitionsneigung zu steigern. Zwei Drittel der Einzelhändler mit zurückgestellten Investitionen fordern Steuererleichterungen, um mehr zu investieren. Im Verarbeitenden Gewerbe und bei den Großhändlern würden 56 beziehungsweise 54 Prozent der Unternehmen, bei dauerhaft niedrigeren Energiepreisen wieder mehr investieren. Bei den energieintensiven Industrien sind es sogar 69 Prozent. Das Fazit des IHK-Hauptgeschäftsführers ist eindeutig: „Wir müssen die Rahmenbedingungen für Investitionen wieder deutlich und grundsätzlich verbessern. Die Umfragedaten zeigen uns, dass hinter der Investitionszurückhaltung eben nicht nur eine konjunkturelle Delle steckt.“

Die Umfrage des Unternehmensverbandes Ratingen (UVR) zum Jahresende 2023 passt da ins Bild: Die Unternehmen rechneten mit einer weiteren Eintrübung der Geschäfte. Nachdem die Erwartungen bereits Ende 2022 erheblich zurückgegangen waren, hat sich der Anteil der Betriebe, die von einer Verbesserung der Geschäftslage ausgehen, weiter reduziert. Nur noch 18 Prozent der Befragten hofften, dass sich die Geschäfte im kommenden Jahr erholen werden.

Im Vergleich dazu befürchteten rund 35 Prozent der Unternehmer, dass ihre Geschäfte im Jahr 2024 schlechter laufen werden als 2023. Der Pessimismus steigt also, während knapp 40 Prozent der Unternehmen von einer unveränderten Geschäftsentwicklung ausgehen. Dennoch wollten die Unternehmen in diesem Jahr zusätzliches Personal einstellen. Nach großem Aufbruch klingt das nicht.