Ratingen. Spieletage so beliebt wie nie zuvor

Ratingen : Spieletage – so beliebt wie nie zuvor

Zwei Säle und das Foyer der Stadthalle ziehen Spielfans magisch an. Die Spieltische sind meist voll besetzt.

Julia Schäfers hat in der Nacht zum Samstag vor Aufregung kaum geschlafen- ganz alleine, ohne Hilfe, hat die junge Jugendamtsmitarbeiterin die Jubiläumstorte zum zehnten Geburtstag der Ratinger Spieletage gebacken. Entstanden ist ein wahres Kunstwerk, dessen Gestaltung ganz sicher alles andere als ein Kinderspiel war: eine rechteckige Grundfläche, auf der ein großes Mensch-Ärgere-dich nicht-Spielbrett mit Spielpüppchen, ein überdimensional großer Würfel, eine Eisenbahn und eine mehrstöckige Torte prangen, verziert mit buntem Fondant, alles essbar aus Butter- und Schokocreme. „Mit 30 km/h haben wir die Torte heute Morgen von Lintorf aus hierher transportiert“, erklärt Julia, „jetzt bin ich natürlich total gespannt, wie sie von innen aussieht und vor allem, ob sie schmeckt.“

Unzählige Besucher sind an diesem Samstagnachmittag auf der Messe, die vielen Spieletische sind komplett besetzt, einige suchen sich auf dem Boden ein freies Plätzchen. Und weil ein komplexes Strategiespiel auch schon mal einige Stunden dauern kann, haben viele Verpflegung mitgebracht, Gummibärchen, Kekse, frisches Obst. „Wir haben von Jahr zu Jahr höhere Besucherzahlen verzeichnet“, freut sich Thomas Fedder, Mitorganisator der ersten Stunde. „ 2010 waren es rund 1600, im vergangenen Jahr schon 2800 Menschen, die es hierher zu uns gezogen hat.“

Und tatsächlich: Nach wie vor strömen Jung und Alt durch den Eingangsbereich der Stadthalle, entweder in einen der beiden Säale oder zum Abverkauf von Secondhandspielen im Foyer. Dort hat sich mittlerweile eine lange Schlange gebildet. Am Stand daneben bietet Nathalie Herrmann von „Spielbar“ aus Dortmund Neuware an. „Besonders gefragt sind derzeit die Exit-Spiele, also Spiele, bei denen gemeinsam kniffelige Aufgaben gelöst werden, etwa ein Banküberfall oder ähnliches. Der einzige Nachteil ist, dass das Spielmaterial nur einmal benutzt werden kann. Das bedeutet, hat man das Spiel gespielt, ist es unbrauchbar“, erklärt die Fachfrau, „aber es gibt da etwa die Alternative Deckscape, diese Spiele lassen sich problemlos weitergeben, wenn man selbst die Lösung gefunden hat.“ Und: Die Spieleindustrie hat einen weiteren Markt für sich entdeckt. weiß die Fachfrau: „Zunehmend werden Spiele für die ältere Generation entwickelt. Das fängt damit an, dass bekannte Kartenspiele schlicht mit größerer Schrift oder Aufdruck produziert werden, bis dahin, dass etwa Memorys Motive enthalten, die für ältere Menschen gängig sind, etwa Fotoabbildungen von Alltagsgegenständen.“

Spiele-Erfinder Jörg von Rüden brachte ein eigens entworfenes Ratingen Speed Puzzle mit in die Stadthalle. Foto: RP/Fries, Stefan (frs)

Im kleineren Angersaal treffen Besucher auf Spieleautoren, viele haben Prototypen ihres neuesten Spieleentwurfes dabei, zum Testen. So auch Jörg von Rüden, der übrigens als besonders Highlight der Jubiläumsmesse extra ein Ratinger Speed Puzzle entworfen hat. „Spielen birgt eine große Chance für die Gesellschaft, wieder mehr zusammenzurücken und das sogar, ohne sich groß bewegen zu müssen“, befindet der Dortmunder mit einem Augenzwinkern. Währenddessen schneidet Bürgermeister Klaus Pesch gemeinsam mit Julia die Jubiläumstorte an. „Sehr, sehr lecker“, urteilen alle, die probieren – und dabei spielt es keine Rolle, ob Besucher oder Organisatoren. Thomas Fedder strahlt.

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