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Erste Schritte sind getan: Ratingen soll barrierefrei werden

Erste Schritte sind getan : Ratingen soll barrierefrei werden

Die CDU-Fraktion konnte ihren Antrag im Rat durchsetzen. Nun wird ein Handlungskonzept erarbeitet.

Es ist noch ein weiter Weg, doch der erste Schritt ist getan: Einstimmig angenommen wurde der Antrag der CDU-Fraktion in der vergangenen Ratssitzung. Die Fraktion setzt sich konsequent dafür ein, dass der öffentliche Raum in Ratingen barrierefrei gestaltet wird. Das soll für Naherholungsgebiete, aber auch für den städtischen Raum gelten. In dem entsprechenden Antrag forderte die CDU-Fraktion die Stadtverwaltung auf, ein Handlungskonzept zu erarbeiten. Nach dem Beschluss des Stadtrates wird der Bürgermeister jetzt gebeten, dass der Inklusionsbeauftragte der Stadt Ratingen das Handlungskonzept erarbeiten möge.

Die Arbeiten sollen unterstützt werden durch die Agentur Barrierefrei NRW, die am Forschungsinstitut Technologie und Behinderung (FTB) der Evangelischen Stiftung Volmarstein etabliert ist; mit einem Team von Architekten, Ingenieuren und Sozialwissenschaftlern bietet sie Kommunen bei der Entwicklung eines barrierefreien öffentlichen Raums kompetente Beratung an. Auch Fördermöglichkeiten sollen vorgestellt werden. Die CDU-Fraktion freut sich über die breite Zustimmung im Rat der Stadt zu ihrem Antrag und ist gespannt auf die Ergebnisse.

Wie es konkret um überwindbare Hindernisse und Barrieren in der Stadt bestellt ist, testete Anfang des Jahres der Blinden- und Sehbehindertenverein. Man traf sich im Eingangsbereich des alten Hertie-Hauses an der Düsseldorfer Straße. Mit dabei waren auch Dirk Winkelmann vom Tiefbauamt und Jörg Saborni, der neue Behindertenkoordinator der Stadt. Ein zertifizierter Orientierungs- und Mobilitätstrainer sollte die einzelnen Stellen, die man testen will, fachlich bewerten. Hannelore Hanning, die Fraktionsvorsitzende der FDP, war ebenfalls dabei. Dass sehbehinderte Menschen in Ratingen sicher über die Straßen kommen, ist Hanning ein besonderes Anliegen, vor allem in ihrem Stadtteil Homberg, in dem sie lebt.

In einem Land, in dem es quasi für alles Gesetze und Regelungen gibt, herrscht mitunter ein wahres Regelungs-Tohuwabohu.

Winkelmann betonte, dass die Bundesregierung bis zu einem bestimmten Stichtag den barrierefreien Aus- und Umbau der Städte realisiert wissen will. Theoretisch ist das möglich, in der Praxis jedoch nicht. Denn auch die Länder und die Städte verfahren recht unterschiedlich, wie Winkelmann berichtete. Fest steht: Bei Neubaumaßnahmen denkt die Stadt auch an die behinderten Menschen.

Dieses Prinzip hat man verinnerlicht und wird zurzeit bei der Umgestaltung des Düsseldorfer Platzes besonders anschaulich umgesetzt. Doch an dieser Stelle ist längst noch nicht alles fertig. Marion Höltermann, Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins, interessierte sich vor allem für die taktilen Rillenplatten an den Ampelübergängen. Im Idealfall wird der sehbehinderte Mensch mit Hilfe der hellen Platten sicher geführt.

Am Übergang zur Hauptstelle der Sparkasse HRV an der Düsseldorfer Straße machte sie den Test, begleitet von einer Betreuerin und von ihrem Hund. Höltermann tastete sich vorsichtig voran. Man besprach die Stelle, dachte über mögliche Änderungen nach. Weiter ging es zur Bushaltestelle an der Grabenstraße, an der es ebenfalls taktile Rillenplatten und ein sogenanntes Aufmerksamkeitsfeld gibt: Das ist ein größerer Bereich, der signalisieren soll, dass in dieser Höhe der Bus hält.

Der Orientierungsexperte fand, dass das Feld in Form und Größe an der richtigen Stelle steht. Gefährlich ist der abgekantete Bürgersteig, der schnell zur Stolperfalle werden kann.

Saborni hörte sich die Vorschläge und die Kritik in Ruhe an. Sein erster Eindruck: Die Behindertenverbände setzen sich nachhaltig für die Lösungen ihrer Probleme ein.

Winkelmann betonte, dass man seitens der Stadt keine Prioritätenliste habe. Bei Baumaßnahmen denke man automatisch an die Barrierefreiheit, so natürlich auch im Bereich der neu zu gestaltenden Haltestellen.

(RP)