Ratingen: Oliver Flohr verlässt die Verwaltung Richtung Mönchengladbach. Das schlägt politisch hohe Wellen.

Stadtverwaltung : Ärger im Rathaus: Beigeordneter geht

Oliver Flohr verlässt die Verwaltung Richtung Mönchengladbach. Das schlägt politisch hohe Wellen.

Was die RP bereits am Dienstag vorab vermeldet hatte, sorgt für politischen Zündstoff: Oliver Flohr, der als Beigeordneter nur anderthalb Jahre im Amt war, verlässt entnervt das Rathaus – offenbar aufgerieben durch Konflikte auf Führungsebene. Er wird Fachbereichsleiter in Mönchengladbach. Der dortige Rat muss am 2. Oktober noch entscheiden.

FDP-Fraktionschefin Hannelore Hanning zeigte sich sehr erstaunt: „Wir haben aus der RP erfahren, dass Oliver Flohr Ratingen verlassen wird“, betonte sie, „er sollte den Digitalisierungsprozess in der Verwaltung und in der Stadt vorantreiben, jetzt entsteht eine empfindliche Lücke.“

Und sie fügte an: „Die Kommunikation gestaltet sich immer merkwürdiger.“ Man erfahre von vielen relevanten Dingen einfach überhaupt nichts. Aus Sicht der FDP-Fraktion „ist es nicht verwunderlich, dass der Dezernent das Handtuch wirft“.

Die Entscheidung, den Zuschnitt der Aufgabenbereiche zu verändern, habe das Fass wohl zum Überlaufen gebracht, meinte Hanning. Für die Stadt Ratingen werde es jetzt noch schwieriger, die notwendige Digitalisierung, die zum Aufgabenbereich des Dezernenten gehörte und zum Schwerpunkt der Tätigkeit für ihn gemacht worden sei, erfolgreich zu gestalten. Die FDP-Fraktion hat beantragt, den Ältestenrat einzuberufen.

Auch aus den Reihen der Fraktion der Bürger Union (BU) kommt scharfe Kritik: Man bedauere den Weggang des äußerst engagierten und qualifizierten Beigeordneten, der „noch dazu bei den Mitarbeitern der Verwaltung außerordentlich beliebt war“, betonen die Fraktionsspitzen Rainer Vogt und Angela Diehl in einer Stellungnahme, „auch wenn wir in Kenntnis der schwierigen Arbeitsbedingungen des Herrn Flohr bis zuletzt gehofft hatten, dass er uns mit seiner ausgezeichneten Fachexpertise erhalten bleibt, war doch letztlich absehbar, dass er sich beruflich neu orientieren würde.“

Bürgermeister Klaus Konrad Pesch sagt auf RP-Anfrage, dass er sich an seine personalrechtliche Verschwiegenheitspflicht halten müsse. Wie die personelle und fachliche Lücke geschlossen werden soll, ist völlig offen.

Nach RP-Informationen hat es einmal zwischen dem Verwaltungschef und seinem Beigeordneten richtig gekracht, als es um eine Grundsatzentscheidung mit Blick auf den IT-Bereich ging. Die Kritik der FDP, nicht über die Personalie Flohr informiert worden zu sein, kann Pesch nicht teilen. Auch in diesem Fall sei er an seine personalrechtliche Verschwiegenheitspflicht gebunden.

Wie der Weggang Flohrs in den politischen Gremien aufgearbeitet wird, ist offen. Man kann jedoch davon ausgehen, dass die Fraktion der Bürger Union dieses Thema aufgreifen wird. So fragen die Fraktionsspitzen in einer Mitteilung beim Bürgermeister nach, wann mit einer Neuausschreibung dieser Beigeordnetenstelle gerechnet werden kann.

Pesch ist mit der Arbeit innerhalb des Verwaltungsvorstandes sehr zufrieden. Gerade in den Bereichen Infrastruktur, Umwelt und Kita-Plätze komme man zügig voran. Auch bei wichtigen Bauprojekten (zum Beispiel Wallhöfe) sei man auf dem richtigen Weg, man habe sehr lange um eine Lösung für diesen Standort mit dem alten Hertie-Haus, das zurzeit abgerissen wird, gerungen. Ausdrückliche Botschaft: Es sind alles Bereiche, die von anderen Kollegen erfolgreich bearbeitet werden. Flohrs Vertretung hat Rolf Steuwe übernommen, der Erste Beigeordnete der Stadt.

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