Ratingen: Nistkastenaktion am Blauen See

Ratingen : Nistkästen machen nicht nur Vögel froh

Derzeit werden sie in den angrenzenden Waldgebieten rund um die Erlebniswelt am Blauen See aufgehängt.

Jerome hat Osterferien und findet das Chillen in der Hängematte auf dem Areal der Erlebniswelt ziemlich klasse. Dabei dann noch auf dem Handy das Lieblingsspiel zocken – untopbar. Fast.

Denn Erlebnisweltbetreiber Alexander Heinz hat gerade mal wieder eine Aktion geplant, die Jerome tatsächlich aufhorchen lässt. „Wir hängen heute Nistkästen auf“, sagt Alex, „schnapp dir die Leiter und komm, Jerome.“ Bevor Jerome auch nur einen Augenblick darüber nachdenken kann, was nun verlockender für ihn ist, hat sich die kleine Truppe schon den Bollerwagen mit den Nistkästen geschnappt und zieht Richtung Waldeingang. „Eigentlich sind wir schon viel zu spät dran, denn die meisten Vogelarten brüten bereits“, erklärt Christoph Wirthmüller, „aber es gab bislang noch nicht den richtigen Zeitpunkt, im Februar und März war es ja klirrend kalt.“

Wirthmüller ist Vorsitzender vom Ratinger Hegering, hat in Ratingen ein eigenes Jagdrevier und kennt sich dementsprechend mit den Voraussetzungen, was die Platzierung der Brutstätten betrifft, bestens aus. Wir suchen nach hohen Bäumen, Sträucher drum herum schützen die jungen Vögel bei ihren Flugversuchen.“ Nach wenigen Minuten ist der erste optimale Platz auserkoren, Jerome klettert auf die Leiter in etwa 2,50 Meter Höhe, er lacht, offensichtlich macht ihm die Aufgabe großen Spaß. „Du musst darauf achten, dass der Nistkasten südöstlich ausgerichtet ist“, ruft Alex dem 13-Jährigen zu, Christoph Withmüller hilft mit Kompass nach, die perfekte Ausortung zu treffen.

„Das ist wichtig, weil wir meistens Westwind haben und es im Süden zu warm wird“, ruft Alex nochmals rauf zu Jerome. „Für mich“, sagt der Betreiber der Erlebniswelt, „ist es ganz wichtig, die Kinder in solche Dinge einzubinden, ihnen das Gespräch anzubieten, sie verstehen zu lassen, warum bestimmte Dinge gut und sinnvoll sind.“

Denn gerade in diesem Jahr zeichnet sich ein recht neues Problem in der Forstwirtschaft ab: die zunehmende Population der Rachendasselfliege. „Diese Fliege setzt ihre Larven in die Schleimhäute der Huftiere, also vor allem der Rehe. Für die Tiere ist das qualvoll, sie fangen an zu husten, die Lunge wird befallen. Wir können nichts dagegen tun, außer die Vermehrung und Verbreitung der Singvögel bestmöglich zu unterstützen, denn die ernähren sich unter anderem von dieser Fliegenart“, weiß Jäger Wirthmüller.

Es surrt leise – Jerome dreht mit einem Akkuschrauber eine Edelstahlschraube in den Baumstamm,  befestigt so den hellen Nistkasten aus Siebdruckplatten und mit Blechdach am Baumstamm. „Wir haben verschiedene Nistkästen aus verschiedenen Materialien und schauen später, welche sich bewährt haben“, sagt Alex und drückt zwei kleinen Mädchen je einen Kasten in die Hand.

„Da wohnen die Vögel drin“, lässt er die beiden zweieinhalbjährigen Kinder wissen, Anna schreit erschrocken, Marlene dagegen schaut interessiert in das Einflugloch. Und Jerome? Der hat sich bereits die Leiter geschnappt und sucht nach dem nächsten geeigneten Baum, rund 10 bis 15 Meter sollte der aber entfernt sein. „Das macht echt Spaß“ , resümiert der 13-Jährige, „vor allem, wenn man weiß, dass man Gutes tut. Finde ich klasse, dass ich so meinen Teil dazu beitragen kann. Ich mache bestimmt nochmal mit, wenn wieder Kästen aufgehängt werden“.

Alex Heinz zwinkert mit den Augen. Mission im doppelten Sinne: erfüllt.

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