Ratingen: Mieter von LEG und Covioklagen über drastische Erhöhungen

Drastische Zuschläge nach Modernisierungen von Mietwohnungen: Mieter klagen über Erhöhungen

Betroffene berichten über Erhöhungen nach Modernisierung bei Covivio und LEG.

Wohnungsnot und steigende Mieten bei großen Wohnungsgesellschaften machen die Lage für viele Mieter immer prekärer. Mit aufwändigen Modernisierungsprojekten nutzen die Unternehmen derzeit die niedrigen Zinsen, bescheren aber den Mietern eine dauerhafte, teil saftige Mieterhöhung. Teilweise bringt das die Betroffenen an ihre Grenzen: In einem anonymen Schreiben, das sich an „alle Parteien“ richtet, beklagen sich Mieter der Covivio Gettmore (ehemals Immeo Wohnen GmbH), über eine für Herbst 2019 angekündigte Mieterhöhung nach Modernisierung von „voraussichtlich 200 Euro“. Eine Anfrage bei Covivio blieb unbeantwortet. Auch bei den LEG-Kunden rumort es, wie Michaelo Damerow bestätigte. So gebe es derzeit in Monheim Proteste gegen angekündigte Erhöhungen ebenso wie in Düsseldorf.

Auch in Ratingen hat die ehemalige Landesgesellschaft LEG, die nach dem Verkauf als privatwirtschaftliches, auf Gewinn ausgerichtetes Unternehmen agiert, mit Modernisierungen begonnen. Wie berichtet, will man diesem Jahr rund 1,3 Millionen Euro in insgesamt 101 Wohnungen in Lintorf, West und Mitte stecken. Davon entfallen allein 300.000 Euro auf reine Instandsetzungsmaßnahmen wie beispielsweise die Balkonsanierung – Kosten, die nach eigenen Angaben „komplett von der LEG selbst getragen“ werden. Die zwischen 1957 und 1976 errichteten Gebäude in der Wedauer Straße 13 und 15 (Lintorf), in der Sandstraße 26 bis 28 sowie am Bleicherhof 13c und 13d (Ratingen Mitte) modernisiert das Unternehmen unter energetischen Gesichtspunkten - unter anderem die neue farbliche Gestaltung der Fassaden mit einem Wärmedämmverbundsystem, Sanierung der Dächer, der Austausch einzelner Fenster gegen isolierverglaste Fenster, die Modernisierung der Heizung, die Erneuerung der Elektro-Installation im Treppenhaus, die Dämmung der Kellerdecken, die Montage von Haustürvordächern, der Austausch der Eingangstüren sowie die Erneuerung der Sprechanlagen.

Bereits im Februar wurden die Betroffenen informiert - und es wurden Mieterhöhungen angekündigt. In einem Fall, es geht um Häuser am Bleicherhof, werde die monatliche Erhöhung „voraussichtlich 37 Euro betragen“, ist dort nachzulesen. Die Arbeiten seien zu dulden, es gehe um Maßnahmen, die „der Erhaltung und Verbesserung dienen, Einsparung von Energie und Wasser oder neuen Wohnraum zu schaffen“.

Grundsätzlich seien energetische Verbesserungen zu begrüßen, so Damerow. Auch die maximale Mieterhöhung von derzeit elf Prozent sei zwar im gesetzlichen Rahmen. Doch die Erhöhung mit Hinweis auf die einmalige Modernisierung sei nichts weiter als ein „dauerhafter Zuschlag“ auf die Miete. Das stelle für immer mehr Menschen eine „enorme Belastung“ dar. Die geplante Deckelung auf acht Prozent, wie von der Regierung vorgesehen, löse das Problem nicht, es sei noch zu viel.

Christian Wiglow, Chef der SPD-Fraktion, hat die Gründung einer städtischen Wohnungsgesellschaft gefordert: Damit könne vermieden werden, dass nach Wegfall der Sozialbindung bei öffentlicher Förderung durch Mieterhöhungen der Bestand bezahlbarer Wohnungen wieder schrumpfe, wie es ansonsten bei Investoren immer wieder geschehen sei.

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