Der Präsident der Bundesnetzagentur im Gespräch „Über die Hälfte unseres Gaszuflusses ist weg“

Ratingen · Die SPD-Abgeordnete für Ratingen und Niederberg begrüßte den Bundesnetzagentur-Präsidenten im Rahmen der Gesprächsreihe „Kerstin Griese trifft …“ im Bürgerhaus am Ratinger Marktplatz.

 Kerstin Griese diskutierte mit dem Präsidenten der Bundesnetzagentur Klaus Müller über die Wärmewende

Kerstin Griese diskutierte mit dem Präsidenten der Bundesnetzagentur Klaus Müller über die Wärmewende

Foto: Büro Griese

Wärmewende lautete das Thema, über das Kerstin Griese, SPD-Abgeordnete für Ratingen und Niederberg und Mitglied des Deutschen Bundestags, am Donnerstag, 14. September, mit dem Präsidenten der Bundesnetzagentur Klaus Müller diskutierte. Müller war an diesem Abend im Rahmen der Gesprächsreihe „Kerstin Griese trifft …“ ins Ratinger Bürgerhaus gekommen, um aktuelle energiepolitische Fragen, unter anderem zum soeben beschlossenen Heizungsgesetz sowie zum Ausbau erneuerbarer Energien, zu erörtern.

„Am 1. März, vier Tage nach dem russischen Überfall auf die Ukraine, habe ich meinen Job angetreten“, erzählte der Präsident der Bundesnetzagentur, der seitdem für die Versorgungssicherheit in Deutschland zuständig ist. „Der Kanzler hat sich wöchentlich beraten lassen“, erinnert sich Müller an die spannende Zeit im letzten Winter. 55 Prozent der Gaslieferungen seien zuvor aus Russland gekommen. „Über die Hälfte unseres Gaszuflusses ist weg.“

Das Ratinger Unternehmen Trading Hub Europe habe viel Geld von der Bundesregierung bekommen und dann die Gasspeicher gefüllt. Für den nächsten Winter gelinge das ohne Steuergelder. „Wir sind jetzt schon bei 94 Prozent“, sagte Klaus Müller und zeigte sich zuversichtlich: „Ich schlafe deshalb gut. Aber wenn es richtig, richtig kalt wird, haben wir ein Problem.“

Auch das kontrovers diskutierte Heizungsgesetz war in der Gesprächsrunde im Bürgerhaus ein Thema: „Die Ampel hat sich darauf verständigt, dass Deutschland bis 2045 klimaneutral wird“, beschrieb Kerstin Griese die Ausgangslage. „Die Hälfte der Menschen, die mir schreiben, sagen, dass das zu langsam geht. Die andere Hälfte schreibt, dass es zu schnell geht“, berichtete Griese von ihren Erfahrungen. „Es geht im Gesetz nur um neue Heizungen“, stellte die Abgeordnete klar und wies auf die finanziellen Zuschüsse hin. „30 Prozent Förderung bekommen alle. 20 Prozent diejenigen, die es besonders schnell machen, weitere 20 Prozent sind sozial gestaffelt.“

Netzagentur-Präsident Müller erläuterte, dass zuerst die kommunale Wärmeplanung an der Reihe sei. „Die Kommunen haben jetzt die Chance, zu sagen, was vor Ort gilt. Ein Heizkraftwerk umzustellen ist leichter als 25.000 Heizungen umzustellen“, meinte Müller. Bürgermeister Klaus Konrad Pesch sagte in der Diskussion, dass Ratingen in den kommenden Jahren das Fernwärmenetz erheblich ausbauen werde. Einen Anschlusszwang werde es aus seiner Sicht aber nicht geben, so Pesch.

Der Ausbau der Solarenergie explodiere momentan, aber im Windbereich sei Deutschland noch nicht so gut, so Klaus Müller zum Stand des Ausbaus der erneuerbaren Energien. „Erneuerbarer Strom ist supergünstig. Der Strom muss aber an die richtige Stelle kommen. Doch Deutschland hatte sich den Luxus gegönnt, zu sagen: Stromtrassen sind doof.“

Kerstin Griese betonte, dass es einen sozialen Ausgleich geben muss. „Menschen, die sehr viel Geld verdienen, geben nur einen geringen Anteil ihres Einkommens für Energie aus.“ Bei Menschen, die wenig verdienen, sei es umgekehrt. Deswegen fordert sie, dass ein soziales Klimageld eingeführt wird, das den Menschen zugutekommt, die es benötigen.

(lav)
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