Ratingen: Lintorf setzt mit Menschenkette ein Zeichen gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit

Ratingen: Lintorf reagiert mit Menschenkette auf Schmiererei: Lintorf setzt ein Zeichen gegen den Hass

Mit Gottesdienst, Menschenkette und Kundgebung haben fast 2.000 Bürger in Lintorf gegen eine antisemitische Schmiererei reagiert. Vor der Kirche gab es lange Schlangen.

Fast 2.000 Bürger und Bürgerinnen haben am Sonntag mit einem Gottesdienst und einer anschließenden beeindruckenden Menschenkette auf eine antisemitische Schmiererei an einem Ladenlokal an der Speestraße reagiert. Schon vor dem Gottesdienst in der evangelischen Kirche am Konrad-Adenauer-Platz bildeten sich Schlangen: Das Gotteshaus war voll besetzt. Einhelliger Tenor: Das Geschehene darf sich nicht wiederholen. Und: Tatenlos wegschauen ist auf gar keinen Fall eine Option. Zu der Kundgebung, die sich auch gegen Rassissmus und Fremdenfeindlichkeit wandte, hatten Peter Beyer (CDU-MdB) und örtliche Akteure wie Kirchen, Vereine und Brauchtum  aufgerufen.

Nach dem Gottesdienst strömten die Menschen, darunter Teilnehmer aller Altersgruppen, hinaus auf den Platz: Ziel war es, eine Menschenkette bis zum Tatort zu bilden. Teilweise standen sie in Dreierreihen. Auch das Kopernikus-Gymnasium beteiligte sich, ebenso wie die Johann-Peter-Melchior-Grundschule. Landrat Thomas Hendele schätzte die Zahl der Teilnehmer auf fast 2.000. Die Polizei hatte mit 600 Teilnehmern gerechnet.  Auch die Ordner waren überrascht. „Krass. Unvorstellbar“, sagte einer sichtlich beeindruckt.

Die Kirche war voll, viele Teilnehmer mussten draußen warten. Foto: Blazy, Achim (abz)

Mit dabei waren neben vielen Anderen auch Beyers Kollegin Kerstin Griese (SPD-MdB), Kämmerer Martin Gentzsch, Elisabeth Müller-Witt (SPD-MdL), der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Dr. Oded Horowitz, sowie weitere Prominenz aus Politik und Gesellschaft.

„Vorbeugen ist besser als heilen. Durch die gemeinsame solidarische Aktion zeigt sich der Zusammenhalt der Vereine und Institutionen in Lintorf. Privatpersonen, Einzelhandel, Brauchtum, Sport, Politik oder Kirche setzen ein Zeichen gegen den leider immer noch real existenten Antisemitismus“, sagte Detlev Czoske, Vorstandsvorsitzender des TuS 08 Lintorf.

  • Politik : Eine Menschenkette gegen Antisemitismus

„Die Schmierereien haben Fassungslosigkeit ausgelöst. Dass sich so viele Gruppierungen heute gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit stark machen, ist ein deutliches Zeichen für Demokratie und den Wunsch der allermeisten Menschen, hier im Ort als bunte Vielfalt friedlich und tolerant zusammen zu leben“, sagte Jessica Lammerse, Pastoralreferentin in der Pfarrei St. Anna. „Wir glauben, dass jeder Mensch sein Leben von Gott empfangen hat, Juden, Christen und Moslems, Gläubige und Ungläubige, Deutsche und Nichtdeutsche, Junge und Alte, Männer und Frauen. Deshalb treten wir ein für den Zusammenhalt an dem Ort, an dem wir gerne und vor allem miteinander Leben“, so Pfarrerin Susanne Hasselhoff.

Andreas Preuß, Chef der St. Sebastianus Bruderschaft Lintorf: „Als christliche Gemeinschaft ist uns Schützen Nächstenliebe ein wichtiges Gut. Dazu passen Rassismus, Diskriminierung oder Fremdenfeindlichkeit nicht. Die Lintorfer Bruderschaft steht zu unserer demokratischen Verfassung, in der die Gleichheit aller Menschen verankert ist. Uns ist jeder in Lintorf willkommen.“

Barbara Lüdecke, Vorsitzende des Heimatvereines: „Man kann es nicht besser ausdrücken als unser 2. Vorsitzender ,Das ist nicht unser Lintorf!‘“

Weitere Aktionen der Kirche: Donnerstag 8. November, 18 Uhr #widerstandsgebet, Evangelische Kirche Lintorf, Konrad-Adenauer-Platz; Freitag 9. November, 19 Uhr Gottesdienst zum Gedenken, Ev. Kirche Lintorf; Samstag 10. November, 9 Uhr, Ökumenischer Friedensgottesdienst in St. Johannes, Am Löken.

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