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Ratingen: Kirche bewegt – und muss sich bewegen

Ratingen : Kirche bewegt – und muss sich bewegen

Von einer Krise will man noch nicht sprechen, doch die Zahlen sind dramatisch. Und im Jahr 2060 wird die Volkskirche laut Freiburger Studie so gut wie verschwunden sein. Nun will man stärker auf die Jugend zugehen, so Superintendent Weber.

Frank Weber wirkt ruhig und besonnen. Panikmache wäre die falsche Reaktion angesichts der Zahlen, die einen bedenklichen Trend widerspiegeln: Viele wollen raus aus der Kirche, vor allem aus finanziellen Gründen, wie der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Düsseldorf-Mettmann analysiert. Da gebe es junge Menschen, die beim Blick auf den ersten Gehaltsbogen feststellen, dass die Kirchensteuer schon eine erhebliche finanzielle Belastung sein kann. Die Folge: Geld sparen, die Kirche links liegen lassen.

Natürlich müsse man eine solche Entscheidung respektieren, betont Weber, der aber darauf setzt, dass die Kirche die Kraft hat, Menschen zu bewegen – und sich selbst natürlich auch.

Die Seelsorge ist ein wichtiges Feld, auf dem man nah bei den Bürgern sein muss. Weber betont, dass man sich mehr denn je auf die eigenen Stärken konzentrieren sollte. Die Entwicklung mit Blick auf Kirchenaustritte lässt sich nicht mehr stoppen, vielleicht ein bisschen abfedern. Klar ist jedoch: Die Volkskirche wird verschwinden, belegt in der sogenannten Freiburger Studie.

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Das bedeutet auch: Mehr denn je wird es auf Kooperationen ankommen. Immer weniger Geld wird übrig bleiben, es wird Stellenkürzungen geben. Bei den Kirchenmusikern wird man zum Beispiel überlegen müssen, wie Synergien geschaffen werden können.

Nur mit persönlicher Präsenz können die Mitarbeiter des Kirchenkreises, der aktuell 69.892 Gemeindeglieder hat, hochwertige Seelsorge anbieten. Und die ehrenamtlichen Helfer werden immer wichtiger.

Weber will die Entwicklung erst gar nicht schön reden. Er und seine Kollegen müssen mit den Fakten leben und damit umgehen. Doch die krisenhaften Rahmenbedingungen bieten auch Chancen: Man muss sich und sein Tun hinterfragen, an neuen Konzepten arbeiten. Bei der Notfallseelsorge arbeitet man zum Beispiel seit einem Jahr ökumenisch zusammen.

In einem anderen Bereich setzt man neue Schwerpunkte: Die Themenfelder Natur und Umwelt sollen sehr viel stärker besetzt werden – ein Wunsch, den viele Jugendliche geäußert haben. Und demnächst wird es auch ein Jugendbüro auf Kirchenkreis-Ebene geben.

Die Kirche findet also durchaus Antworten auf die großen Herausforderungen.

norbert.kleeberg@rheinische-post.de