Ratingen: Hintergründe zu Haus-Einsturz von Star-Koch noch unklar

Restaurant in Ratingen : Hintergründe zu Haus-Einsturz von Star-Koch noch unklar

Nach dem Einsturz der Küche und weiteren Teilen des Restaurants von Christian Penzhorn stehen Experten vor einem Rätsel. Der Betrieb ist erstmal dicht.

Mit Tränen in den Augen steht Bauunternehmer Werner Schiffer vor seiner Grube. „Ich bin fix und fertig“, sagte er und deutet auf den halben Kürchentrakt des Hotel-Restaurants Christian Penzhorn. Er selbst habe großes Glück gehabt, erinnert sich aber an die Schreie einer Köchin unmittelbar nach dem großen Rumms. Mit einem Mitarbeiter hatte er am Samstag „mit der Schaufel“ an der Verschalung gearbeitet. Heute sollte die Bodenplatte gegossen werden für den geplanten Anbau: Sterne-Koch Christian Penzhorn will dort erweitern, plant einen Veranstaltungssaal mit Gästezimmern.

Daraus wird nun erstmal nichts: Eine Mauerseite des alten Anbaus des aus dem Jahre 1902 stammenden kaiserlichen Postgebäudes ist in die Baugrube nebenan gekracht, hat dabei einen Bagger beschädigt. Schiffer habe fünf Meter weiter gearbeitet. Die Baugrube habe bereits seit einigen Monaten so bestanden: Warum Wand und Küche wegsackten, ist ihm ein Rätsel. Er ist immer noch fassungslos, während er auf die Ermittler wartet: „Das müssen jetzt die Experten prüfen.“ Schiffer ist Eigentümer des Gebäudes, hatte über der Küche sein Büro.

Bis dorthin und nicht weiter: Christian Penzhorn an der Theke. Dahinter sind wegen Einsturzgefahr Hotel und Küche gesperrt. Foto: Blazy, Achim (abz)

Seine Pächter, Christian Penzhorn mit Michaela Ziermann, sind ebenfalls erschüttert. Drei Mitarbeiter seien zum Zeitpunkt des Unglücks in der Küche gewesen. „Zwei mussten zur Seite springen, um nicht mitgerissen zu werden“, so Penzhorn. Er kann immer noch nicht glauben kann, was dort passiert ist. Eine Köchin sei so fertig gewesen, dass sie ärztliche Behandlung nötig gehabt habe. Hotelgäste seien zu dem Zeitpunkt nicht im Haus gewesen, sie habe man kurzfristig in anderen Hotels unterbringen können.

Ein deutlicher Riss geht durch die Wand. Foto: Blazy, Achim (abz)

Es wird derzeit viel telefoniert: Bestellungen müssen abgesagt werden, Veranstaltungen ebenso. Fürs Wochenende sei eine Feier mit 80 Gästen, darunter auch aus dem Ausland, geplant gewesen. Der Veranstalter sei informiert. Penzhorn möchte sich lieber nicht ausdenken, wie seinen Kunden nun zumute ist: Es werde sehr schwer, für eine solch große Gesellschaft einen Ersatz zu finden.

  • Treffpunkt : Restaurant als Zentrum

Dort, wo früher die alte Kegelbahn war, bevor vor etwa zehn Jahren Schiffer das Gebäude für den ersten Pächter umbaute, wurde quer durch den Raum Absperrband gespannt. An der Wand ist ein deutlicher Riss zu erkennen: Ziemlich genau dort, wo die Baugrube beginnt. Schon die Kegelbahn war ein Anbau, wie draußen alte Schiefersteine, gestützt auf eine Betonwand, zeigen. Die offene Tür zur Küche gibt den Blick frei auf eine dunkle, verwüstete Küche. Die meisten Einrichtungsgegenstände sind in die Baugrube gerutscht.

Wie soll es jetzt weitergehen? Zunächst müsse die Ursache geklärt werden, sagt der Sterne-Koch. Bis zu einer Wiedereröffnung könnten Monate vergehen: Er sucht bereits ein neues Restaurant, möglichst mit Hotelbetrieb. Insgesamt zählen zehn Köpfe zum Team. Seit acht Jahren ist Penzhorn mit seiner edlen Küche ein feste Größe in der Gastro-Szene im weiten Umkreis. Regelmäßig gibt es Auszeichnungen. Er hatte sich schon vor seiner Lintorfer Zeit in Düsseldorf einen erstklassigen Ruf erarbeitet. Das  stehe nun auf dem Spiel: „Das ist ein riesiger Image-Schaden.“

Die Baugrube für die Erweiterung habe es bereits seit Februar in dieser Form so gegeben. Was dort passiert sein, kann er sich nicht erklären. Könnten Erschütterungen durch die nur ein paar Meter entfernte Güterbahnstrecke zum Einsturz geführt haben? Das zu klären sei Sache der Fachleute. Doch immer, wenn besonders schwere Güterzüge vorbeidonnerten, beginne der Kronleuchter an zu klimpern. Während drinnen über die Zukunft nachgedacht wird, werden draußen schon Szenarien des Wiederaufbaus durchgespielt.

Zu Beginn der Baugrube durchzieht ein tiefer Riss die Ziegelsteinwand. Er geht geht mitten durch ein Fenster: Die gesamte Wand hat sich um etliche Zentimeter gesenkt. Am Ende des Anbaus gab es für die Küche und den Gefrierbereich kein Halten mehr: Sie krachten halb in die Tiefe. Das Dachgeschoss sieht auf den ersten Blick unbeschädigt aus, jedoch hängt die Dachterrasse halb in der Luft. Einige Stühle können sich gerade noch halten. uf der stillgelegten Baustelle geben sich nun die Experten die Klinke in die Hand. Schiffer verweist auf den Architekten und den Statiker: Das sei geprüft und genehmigt worden.

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