1. Mai in Ratingen : Ratingen grüßt den Mai

Der 1. Mai ist der Tag der Arbeit. Die Veranstaltungen der Gewerkschaften auf dem Marktplatz gibt es nicht mehr. Dafür aber wieder einen Maibaum.

Der 1. Mai ist ein absolut multifunktionaler Festtag: Er passt zum Knutschen unterm Kirschblütenbaum, zur Solidarität mit jedweder Arbeiterschicht, zu heimathügelnder Freude an Volkstanz und Marschmusik. Man findet an dem Tag sogar Zeitgenossen, die in Berlin und Hamburg Stadtteile zu Brei kloppen. Auch, wenn der Ratinger Maibaum schon stramm mitten auf dem Markt steht, wird der sogenannte Tag der Arbeit nicht gerade Tag of the Homeoffice heißen, aber doch einen ruhigen Pandemie-Verlauf haben.

Man kann gucken, was die Mediatheken hergeben, wie weit die Füße durch den Wald tragen und noch mal das in die Hand nehmen, was man „ein gutes Buch“ nennt, bevorzugt zu einem „guten Wein“ genossen. Aktuell kommt das Fernsehen heute mit Wilsberg, dem Bergdoktor, dem Wort zum Sonntag und einer Ansprache des Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, rüber.

Begonnen hatte der Arbeitertag in Deutschland mit dem 1. Mai im Jahr 1890. Wie vieles, so wurde später der Tag der „Nationalen Arbeit“ von den Nazis ideologisch eingemeindet. Die „richtigen“ Feiern fanden dann eher im Verborgenen statt. Im Krieg ging dann nichts mehr, danach mühte man sich redlich. Als die Gewerkschaften in Ratingen zum Sternmarsch auf den Marktplatz aufriefen und die Arbeitgeber jedem Arbeiter fünf Mark als Maigeld gaben, lichteten sich die Reihen schon unterwegs. Man trank sich einen.

  • Remscheid : Mädchenheim brannte
  • Werner Debertin ist Vorsitzender des Lintorfer
    Freizeit in Ratingen : Lintorfer Schachverein spielt digital
  • Udo Fischer spricht als DGB-Vorsitzender im
    1. Mai in Neuss : Gewerkschaften betonen die Solidarität

Die Zentralveranstaltung mutierte mehr und mehr zum Vortragsmorgen mit Würstchen und Musik – die Eisen verarbeitenden Firmen allerdings verließen Ratingen oder machten dicht und mithin schrumpfte die Klientel für gewerkschaftliche Darbietungen in Ratingen. Man ging in die Halle und war fast unter sich, man hoffte, in West mehr Leute anzusprechen, was auch nicht wirklich gelang. Irgendwann fiel ein 1. Mai auch mal richtig ins Regenwasser – mit Musikanlage und Würstchengrill. Das Ruhrgebiet hatte mit seinen traditionellen Großveranstaltungen einfach eine stärkere Magnetwirkung.

Aber der Tanz in den Mai, der zog die Leute an. Vor 15 Jahren etwa standen die Leute mit Spaß im Nacken und flotten Füßen vor einer Vielzahl von Tanzveranstaltungen. Die Lions-Jugend tanzte karitativ in der Cones-Scheune, in die Lintorfer Manege kam man für die Hälfte, nämlich für fünf Mark, in der Auermühle wurde geschwoft und der Eintritt in die Fahrzeughallen der Feuerwache an der Lintorfer Straße war sogar frei. Die evangelische Kirchengemeinde in Hösel lud ein, die Gaststätte Obertor und viele Lokalitäten ringsum. Die Rheinbahn schließlich erweiterte ihr Angebot und sorgte dafür, dass manch einer bis 4 Uhr wieder zu Hause war.

Wer es nämlich ganz echt hat machen wollen, der war vielleicht voll des süffigen Weins, des Maiweins oder der Maibowle. Die besteht auch heute noch aus Waldmeister-Kräutern, trockenem Wein und Sekt. (Die Kräuterenden dürfen nicht ins Getränk sinken, weil das sonst bitter schmecken wird.) Wer natürlich Zucker untermischt und anderes Geheimnisvolles, der meint vielleicht nur, dass es sich bei dieser Bowle um ein Vitamingetränk handelt – es ist in der Tat überaus süffig, lecker, umwerfend und hinterlässt eine Wirkung, die man nicht unbedingt geahnt hat. Schlimmer sind nur die ganz süßen Varianten, in die ein heimtückischer Gastgeber auch noch Hochprozentiges gemischt hat.