Ratingen: Gemeinde gedenkt zweier Missionare

Kirchengemeinde St. Suitbertus: Gemeinde gedenkt zweier Missionare

Reliquien der in Peru ermordeten Ordensbrüder werden nach Ratingen überführt.

Die Kirchengemeinde St. Suitbertus lädt zur feierlichen Übergabe der Reliquien der seligen Franziskaner-Minoriten, Missionare und Märtyrer Pater Michal Tomaszek OFMConv und Pater Zbigniew Strzalkowski OFMConv ein. Sie sind im Jahr 1991 in Pariacoto (Peru) von Terroristen der Kommunistischen Kämpferorganisation „Sendero luminoso“ (Leuchtender Pfad) ermordet worden. Papst Franziskus hat sie im Jahr 2015 selig gesprochen. Eher kühl kommt die Einladung zur feierlichen Übergabe der Reliquien am Sonntag, 27.Januar, im Hochamt um 10.30 Uhr daher.

Der Umgang mit Patres der Franziskaner-Minoriten ist den Ratingern nicht fremd – wäre ohne sie kaum ein so reges kirchliches Leben in den Gemeinden der Pfarre St. Peter und Paul möglich. Und vor allem für sie ist die Übergabe der Reliquien ein hoch emotionales geschehen. Der Guardian des Minoritenklosters St. Suitbertus, Pater Gregor Romanski, hat bereits über das Leben der Seligen Märtyrer, die seit 1990 als Missionare in Peru tätig waren, referiert. „In ihrer Gemeinde in der Mission hinterließen sie Spuren des franziskanischen Charismas: Bescheidenheit, Armut, Gebetsgesinnung für den Frieden, Liebenswürdigkeit, Engagement für das Gute und Gemeinschaftsleben“, erklärte er.

Im Gegensatz zur Begegnung mit den Patres ist das Wissen um Reliquien eher gering. Dabei gibt es einige davon im Tresor der Kirche St. Peter und Paul und ist nach Empfehlung des katholischen Kirchenrechts in jedem Altar wenigstens eine Reliquie verbaut, im Tisch-Altar von Peter und Paul zum Beispiel ein Knochensplitter von Papst Pius X.

Grundsätzlich sind Reliquien die Überreste, lateinisch „reliquiae“, des verstorbenen Körpers oder auch der Kleidung und anderer Gegenstände eines Verstorbenen. Sie werden von Gläubigen verehrt, weil sie damit sein ehrendes Gedenken bewahren und zudem hoffen, an seinen Wirkkräften Anteil und seinen Segen zu erhalten. Unterschieden werden dabei Primärreliquien, das sind der verstorbene Körper oder Teile davon, sowie Sekundärreliquien, das sind Gegenstände, mit denen der Verehrte oder sein Leichnam Kontakt hatte. (Ökumenisches Heiligenlexikon).

Schon der Buddhismus und später auch der Islam kennen Reliquien. Nachdem der „Erleuchtete“ Buddha vor 2500 Jahren gestorben war, wurden seine Asche, die Knochen und Zähne in Hügelgräbern bestattet, die später zu Mausoleen und Tempeln wuchsen; Haare des Propheten Mohammed lagern angeblich in mehr als 1800 Moscheen allein in der Türkei. Selbst atheistische Gruppen kennen eine vergleichbare Verehrung, wie der einbalsamierte Lenin an der Kreml-Mauer in Moskau zeigt.

  • Kirche : Reliquienübergabe in der Klosterkirche St. Suitbertus

Das Sammeln von Reliquien nahm im Laufe der Jahrhunderte makabre Züge an. Unter anderem wurde der Besitz von Reliquien in Ablassjahre umgerechnet, Albrecht von Brandenburg durfte hoffen, mit seinem Gnadenschatz 39.245.120 Jahre Ablass erworben zu haben. Hintergrund dieses Reliquienkults war das schier unstillbare Bedürfnis nach Hilfe gegen Existenzängste, Seelenqualen und physische Bedrohung. Da der Heiligenkult immer üppigere und zweifelhaftere Blüten trieb, wurde er als „Abgötterei“ zu einem wesentlichen Angriffspunkt der Reformation. Für Martin Luther waren sie „tot Ding“.

Pater Gregor erinnert daran, dass die Geschichte der Reliquien unter anderem damit begann, dass über den Gräbern von Heiligen Kapellen und Kirchen erbaut wurden. Er sieht sie als Objekte der Verehrung und der privaten Frömmigkeit. „Auch für den modernen Menschen können Selige und Heilige Vorbilder für das Leben und die Mitmenschlichkeit sein“.

Zur Vorbereitung der Feierlichkeiten gibt es eine Ausstellung in der Kirche sowie Vorträge über das Leben der Seligen und über die generelle Bedeutung von Reliquien. Die Verehrung von Reliquien hat seit der Urkirche eine lange Tradition. Der Vortrag von Heinz Josef Breuer, dem ehemaligen Leiter der katholischen Familienbildungsstätte, am kommenden Montag, 14. Januar, um 19 Uhr wird diesen Aspekt beleuchten und den Zugang zum Thema: „Reliquien – Geschichte, Bedeutung, Verehrung“ schaffen.

In drei weiteren Klöstern der Franziskaner-Minoriten in Deutschland werden ebenfalls Reliquien übergeben.

Mehr von RP ONLINE