Ratingen: Fraktion der Grünen fordert ein Konzept für die Innenstadt. BU kritisiert CDU: Gespräche mit Wallpassage-Eigentümer liefen bereits.

Einkaufen : Grüne: „Leerstand ist ansteckend“

Fraktion fordert ein Konzept für die Innenstadt. BU kritisiert CDU: Gespräche mit Wallpassage-Eigentümer liefen.

Um die Zukunft der Wallpassage ist ein politischer Streit entbrannt. Wie berichtet, gibt zunehmender Leerstand in dem Gebäude Anlass zur Sorge – zumal nebenan mit den Wallhöfen ein weiteres Wohn- und Geschäftszentrum geplant ist. Rainer Voigt, Fraktionschef der Bürger-Union (BU), warf jetzt der CDU „Augenwischerei“ vor. Sie hatte von der Stadtverwaltung unter anderem Gespräche mit dem neuen Eigentümer gefordert. „Das ist ein reiner Schaufensterantrag“, schimpfte Voigt. Denn die Stadtverwaltung sei längst mit im Boot. So hätten bereits Gespräche zwischen Wirtschaftsförderung und Ratingen Stadtmarketing stattgefunden. Voigt wundert sich, dass der CDU das nicht bekannt sei.

Unter anderem wolle der Eigentümer – auch mit Mitteln des INTEK-Programms – die Fassade herrichten, berichtet Voigt. Er vermutet Stimmungsmache vor der nächsten Sitzung des Bezirksausschusses Mitte am Donnerstag, 12. September. Man könne das zwar als die „üblichen politischen Spielchen“ bewerten, doch gehe es hier um die Sache, und da müsse man den Bürgern keinen Sand in die Augen streuen.

Die letzte Gastronomie macht bald dicht. Foto: Blazy, Achim (abz)

Inzwischen haben sich auch die Grünen mit einem etwas weiteren Blick in Sachen Leerstand zu Wort gemeldet: Deren Fraktion will die Verwaltung beauftragen, in Zusammenarbeit mit geeigneten Partnern ein Konzept zur aktiven Bekämpfung des Ladenleerstands in der Stadt zu erstellen. Damit sollen Immobilieneigentümer und Makler angesprochen werden, Maßnahmen zur kurzfristigen Zwischennutzung beispielsweise als Pop-up-Stores zu ergreifen. Das Angebot von Staffelmieten könnte ebenfalls dazu gehören.

Christian Otto, Sprecher für Stadtentwicklung: „Meldungen aus Presse, Verbänden und Kammern belegen, dass der Leerstand in Ratingens Geschäftswelt ernst zu nehmende Ausmaße annimmt. Ursache dafür dürften neben geändertem Käuferverhalten und E-Commerce besonders die hohen Ladenmieten sein.“ Neugründungen von Geschäften könnten diese Hürde kaum überwinden, so Otto.

Staffelmieten böten die Möglichkeit, Neugründungen („start ups“) aus Handel und Gewerbe in Ratingen anzusiedeln: „Pop-up-Stores gelten als temporäre Ladeneinheiten, die auf überraschende und kostengünstige Weise Produkte inszenieren, um die Aufmerksamkeit der Kunden auf sich zu ziehen.“ Sie seien nach Ansicht Grünen geeignet, befristete Leerstände zu vermeiden. Darüber hinaus böte sich an, Kunstschaffenden und Vereinen Flächen mit dem Ziel der Quartiersbelebung kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Die Verwaltung solle bei der Umsetzung des Konzepts unterstützen. Fraktionschef Hermann Pöhling: „Leerstand ist ansteckend und muss unbedingt vermieden werden. Selbst wenn nur wenige Eigentümer und Makler an einer gemeinsamen PR-Aktion mitmachen, hätte das für Ratingen eine gute Außenwirkung und damit Aussicht auf Erfolg.“

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