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Ratingen Expedition Poensgenpark ist ein einmaliges digitales Porjekt

Der Poensgenpark wird digitalisiert : Digitales Museum für den Poensgenpark

Der Student Patrick Kruse will ein digitales Gedächtnis des Poensgenparks erstellen - mit Bildern, 3D-Animationen, Videos und Erzählungen. Besucher sind an der „Forschungsstation“ willkommen.

Seit einer Woche campiert Patrick Kruse mit einem weißen Bulli im Poensgenpark. Allerdings nicht zum Spaß und mit Erlaubnis der Stadt Ratingen: Der Student der Hochschule Düsseldorf schafft dort die Grundlagen für seine Masterbarbeit. Er will eine Art digitales Gedächtnis schaffen, das später sogar „begehbar“ sein wird – jedenfalls am Computerbildschrim oder, besser, mit einer 3D-Brille. Angereichert wird die Darstellung mit alten, Fotos, Geschichten und Videos rund um einen Teil des Poensgenparks. Dazu ist er auf die Hilfe der Dumeklemmer angewiesen.

Ihnen erklärt er bis einschließlich Freitag, 21. September, gerne den Sinn und Zweck der Geräte. Dazu hat er neben dem mit Elektronik vollgestopften Transporter eigens einen kleinen Pavillon aufgebaut, als eine Art Ausstellung zum Projekt „Expedition Poensgenpark“.

Im Übertragungswagen de Hochschule werden die Daten bearbeitet. Foto: RP/Joachim Preuss

Er studiert Design mit Schwerpunkt Kommunikation und war auf den Park durch die Diskussionen um die Fällung der Atlaszeder aufmerksam geworden. Was wäre, wenn der über 100-jährige Baum vor seiner Fällung noch hätte berichten können, was in der langen Zeit alles um ihn herum geschah? Diese Frage will er beantworten. Er hat sich ins Thema eingearbeitet, sogar alle Gutachten gelesen und war auch schon vor Ort, als die Motorsägen heulten. Dabei habe er sich von einigen Zaungästen Einiges anhören müssen, weil man ihn für einen der Verantwortlichen hielt, erinnert er sich.

In einem Pavillon hat Kruse eine kleine Ausstellung zu seiner „Expedition Poensgenpark“ aufgebaut. Foto: RP/Joachim Preuss

Das Thema bewegte also die Menschen. Nun soll also ein „Netz der Erinnerungen“ über diesen Teil des Parks geworfen werden, eine Art Gedächtnis vom gesamten Drumherum der Zeder. Sie hat viel erlebt. Zum Beispiel den Bombenangriff vier Wochen vor Kriegsende, der im Poensgenpark das Angerhaus ein paar Meter zerstörte. Fünf Menschen starben, darunter Helmuth und Ursula Poensgen. Insgesamt schlugen 23 Bomben in den Park ein. Aber es gibt noch viele andere Geschichten, die alle in das virtuelle Modell integriert werden. Dabei war auch das Stadtarchiv behilflich, als es zum Beispiel um historische Fotos ging.

Die Erstellung der Animation ist nicht einfach: Kruse macht Luftaufnahmen mit einer Drohne und ist am Boden mit Fotoapparat und einer 360-Grad-Kamera, die mit sechs Linsen einfach alles aufnimmt, unterwegs. So soll ein 3-D-Modell entstehen. Erste Animationen kann er schon im Bulli, der eigentlich der Übertragungswagen der Hochschule ist, präsentieren. Es ist seine Forschungsstation, so wie es sich für eine Expedition, die diesmal in die Vergangenheit führt, gehört. Kommilitonen aus dem digitalen Bereich werden helfen. Kruse will seine Arbeit im kommenden Jahr abgeben. Dann soll der der digitale Poensgenpark auch allgemein zugänglich gemacht werden.

Die Ratinger lieben ihren Park. Das hat Kruse in dieser Woche immer wieder erfahren. Viele hätten sich sehr fürs da ungewöhnliche Projekt interessiert. Wer also noch alte Bilder hat, kann sie heute noch vor Ort scannen lassen. Wer’s nicht schafft, aber etwas zur Geschichte des Parks beizutragen hat oder sich an besondere, kleine wie große, Begebenheiten erinnern kann: Seine E-Mail-Adresse lautet p.kruse@mail.de.