Ratingen: Die Stadtverwaltung will die Bürokratie bei der Sperrgutentsorgung vereinfachen

Ratingen : Stadt macht Sperrmüll-Abfuhr leichter

Ein Entsorger soll auch die Anmeldungen übernehmen. Die Verwaltung will ihr System komplett umstellen.

So etwas soll nie wieder vorkommen: Zu Beginn des Jahres blieb eine Dame aus Hösel auf ihrem Sperrmüll sitzen. Sie hatte ihr Sperrgut bei der Stadtverwaltung wie üblich angemeldet, von dort war das auch an den Entsorger weitergegeben worden, per Post kam die Karte mit dem Termin, doch die Abfuhr blieb aus. Es folgten etliche Telefonate, bei der Abfallentsorgung war man sehr bemüht, irgendwann war das Zeugs weg. Künftig will die Stadtverwaltung alles in die Hand eines Entsorgers geben  – von der Anmeldung bis zur Abholung.

Vorteil für den Bürger: Er kann sich telefonisch melden und erhält sofort einen Termin. Online geht das 24 Stunden am Tag, der Termin wird innerhalb weniger Minuten bestätigt. Vorteil für die Stadtverwaltung: Im Amt für Kommunale Dienste muss das Sperrgut nicht mehr verwaltet werden, dringend benötigte Personalkapazität wird freigegeben. Weiterhin berät aber das Amt Bürger zum Thema Abfall.

In den vergangenen Jahren hatte die Verwaltung bereits zwei Mal einen Vorstoß in diese Richtung gewagt, war aber in den Ratsgremien auf Widerstand gestoßen: Es standen damals (2015 und 2016) noch keine Angaben zur Wirtschaftlichkeit zur Verfügung. Mittlerweile aber zeige sich der „dringende Bedarf an einer reibungslosen und serviceorientierten Sperrgutentsorgung in Ratingen“, mahnt das Amt für Kommunale Dienste.

Bislang müssen sich Bürger, die zum Beispiel eine Entrümpelung planen, etwa vier Wochen vorher um einen Termin bemühen. Das geht per Postkarte, die dem Abfallwegweiser beiliegt oder über ein Online-Formular. Der Termin wird dann per Postkarte mitgeteilt – wenn sie denn tatsächlich zugestellt wird. Wenn künftig der Entsorger auch die Verwaltung übernimmt, gibt es sofort einen Termin. Der Bürger kann besser planen, und in der Verwaltung fällt eine zeitraubende Prozedur weg. Dort müssen alle Anmeldungen von Hand in eine Excel-Tabelle übertragen werden. Das Elaborat wird dann an den Entsorger geschickt. Der wiederum muss händisch die Daten in den eigenen Tourenplaner eintragen, die Antwortkarte ausdrucken und verschicken. Das dauere etwa zwei Wochen. Klare Sache: Nachfragen von Bürgern, beispielsweise bei liegengebliebenem Müll, verursachen stets mehrere Telefonate. Fazit der Stadt: „Der bestehende Arbeitsprozess ist durch eine Vielzahl von Schnittstellen und durch die fehlende Anwendung zeitgemäßer Kommunikationswerkzeuge als ineffizient zu bewerten.“

Moderne Systeme dagegen böten die Möglichkeit, das Ausgefüllte automatisch in ein Tourenplanungsprogramm zu übertragen, unmittelbar einen Termin zu generieren und an die Bürger weiter zu geben: „Das spart allen Beteiligten Zeit und Kosten. Bei telefonischer Bestellung gibt der Mitarbeiter des Dienstleisters die Daten direkt in das Online-Bestellformular ein.“

Dieses System „alles aus einer Hand“ sei in den Kreisstädten Erkrath, Wülfrath und Monheim sowie in der Stadt Düsseldorf bereits erfolgreich eingeführt worden und habe dort zu einer für die Bürger spürbaren Serviceverbesserung beigetragen. Auch Liegezeiten von Sperrgut fielen weg, weil der Entsorger direkt mit dem Fahrer des Müllautos kommunizieren könne.

Mehr von RP ONLINE