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Ratingen - die Pfarrerkolumne

An(ge)dacht in Ratingen : Vorsichtig optimistisch in das neue Jahr

Was wünschen Sie sich fürs neue Jahr? Bestimmt auch, dass die Pandemie endet und wir ihre Folgen beherrschen können. Das steht auch bei mir ganz oben auf der Wunschliste für 2021.

Aber wie realistisch ist es, dass wir möglichst bald wieder da anfangen, wo wir im März 2020 aufgehört haben? Man liest und hört ja: Es wird noch dauern, das geht nicht so schnell. Auch, wenn das mit dem Impfen funktioniert und die Zahlen heruntergehen. Das Virus wird unser Leben noch eine Zeit lang begleiten und prägen.

Mit welcher inneren Haltung begegnen wir dieser nüchternen Einschätzung? Der biblische Ratschlag für eine solche Situation lautet: Das, was ist, annehmen und integrieren. Am eindrücklichsten hat Jesus diese Idee formuliert, als er seinen Zuhörerinnen und Zuhörern an Herz gelegt hat: „Liebet eure Feinde!“ Nun ist das Coronavirus keine Person. Aber es ist auch kein Dämon. Das Virus ist vor allem da. Es existiert. Und einer solchen Realität begegnet man am besten, indem man sie akzeptiert und annimmt. Jesus meint mit seinem Gebot ja auch nicht, dass man die Feinde mögen und gernhaben soll. Es geht eher um Achtung. Hinsichtlich der Coronalage könnte man also formulieren: „Nehmt die Situation an, wie sie ist.“ Abstreiten oder Hadern oder den Mut verlieren helfen nicht weiter.

Für Wünsche fürs neue Jahr bedeutet eine solche innere Haltung: Wir sind vorsichtig pessimistisch, weil wir noch nicht wissen, wie sich das Virus weiterentwickelt und wie die Impfungen auf die Zahlen wirken. Man könnte aber auch sagen: Wir sind vorsichtig optimistisch. Denn wir haben es selbst in der Hand, indem wir geduldig bleiben und die Spielregeln dieser misslichen Situation weiter befolgen. Akzeptieren und annehmen ist der Mittelweg zwischen Querdenken einerseits und Lähmung andererseits. Vorsichtig pessimistisch oder vorsichtig optimistisch zu sein geht am besten, wenn das Virus schlicht eine Realität ist, die existiert – und die man durch eigenes umsichtiges Handeln mitändern kann. Dass das so wird, ist mein Wunsch für 2021.