Ratingen: Der Westflügel im neuen Rathaus vereint Altes und Neues

Stadt : Westflügel im Rathaus ist bald bezugsfertig

Das Rathaus geht langsam der Vollendung entgegen. Eine offizielle Eröffnung soll es erst im kommenden Frühjahr geben.

Auf die große Party müssen die Dumeklemmer noch ein wenig warten: Nach Angaben der Stadtverwaltung soll das neue Rathaus erst im kommenden Frühjahr, wenn auch alles drumherum auf den Freiflächen schon ein bisschen blüht und grünt, mit einem Tag der offenen Tür offiziell präsentiert werden.

Große Teile der Verwaltung sind im Gefolge des Bürgermeisters aber schon eingezogen. Die etappenweise Inbetriebnahme des neuen Gebäudes war, wie berichtet, notwendig geworden, weil sich die Bauarbeiten erheblich verzögerten. Nun sind außen die letzten Gerüste gefallen, und auch der Ratstrakt im Westflügel kann sich schon sehen lassen. Damit wurde auch der alte Wehrgang, der unter dem Ratssaal hindurch führt, wieder freigegeben. Das Spielzeugmuseum im Trinsenturm ist also wieder von zwei Seiten erreichbar.

Die Fassade des Ratstraktes wurde nach vorne gezogen und macht Platz für den Gang zu den Konferenzräumen. Foto: Blazy, Achim (abz)

Bei einem Rundgang durch den Westflügel erläuterte Birgit Lorenzen, Architektin im Amt für Gebäudemanagement und Mitglied der Projektgruppe Rathaus, stolz den eher schlichten Bau: Er vereint Altes und Neues. Zu sehen ist vom Bestandsgebäude von außen nur der Ratssaal mit der markanten Betonfassade. Der alte Ratstrakt wurde komplett entkernt und hat nun unter anderem einen großen, teilbaren Konferenzraum. Die Fassade wurde zum Vorplatz hin um 2,5 Meter erweitert. Im Eingangsbereich, der für „Kunst am Bau“ vorgesehen war, wird ab Beginn des Jahres eine Installation aufgebaut, die im Frühjahr fertig sein soll. Dazu hatte es einen Wettbewerb gegeben, eine Jury beurteilte die anonymisierten Ideen von Künstlern.

Aus dem Foyer des Ratstraktes kann man auf den Vorplatz blicken. So fällt auch viel Licht hinein. Foto: Blazy, Achim (abz)

Schon Im Eingangsbereich fällt auf, dass die Glasfassade nicht zu viel verspricht:  Das Gebäude ist lichtdurchflutet, sogar aus dem neuen Ratssaal gibt es einen freien Blick auf den Vorplatz. Platz ist für 62 Ratsmitglieder, zwei mehr als derzeit dort sitzen. Eigentlich sind nur 50 vorgesehen, doch Überhandmandate haben den Rat zuletzt ziemlich aufgebläht.

Neben dem Treppen-Aufgang zum Ratssaal ist noch reichlich Platz für Kunst am Bau. Foto: Blazy, Achim (abz)

Ein Rats-TV im Internet nach Beispiel anderer Städte wird es nicht geben  der Rat hatte sich dagegen ausgeprochen. Auf dem Bildschirm im Vorraum werden immerhin die Abstimmungsergebnisse und andere Infos ausgestrahlt. Weil die ehemalige Teeküche mit Besprechnungsraum weggefallen ist, haben künftig auch mehr Bürger Platz. Ein eigenes Intranet für die Räte ist in der Planung. Hingucker im Besucherraum im Ratssaal ist die Bürgermeisterwand mit den Namen aller bisherigen Stadtoberhäupter. Sie hing viele Jahre etwas versteckt im früheren Durchgang zum Kulturamt. Die Glasvitrinen mit manchmal bemerkenswerten Geschenken aus den Partnerstädten sind weg, am Inhalt können sich nun die Vorstaandsmitglieder ergötzen: Einige Präsente sind dort in Vitrinen ausgestellt. Nur einige Partnerstädte, mit denem es noch einen halbwegs lebendigen Austausch gibt, zieren den großen Konferenzraum für die großen Fraktionen. Er kann mit Schallschutzelementen geteilt werden und hat auch eine kleine Teeküche. Zum berüchtigten „Süppchen kochen“ eignet sie sich aber nicht.

Das neue Ratinger Rathaus aus der Luft. Gut zu erkennen ist der Ratstrakt im Westflügel vorne rechts. Foto: Blazy, Achim (abz)

Keine Frage: Das neue Gebäude ist natürlich komplett behindertengerecht, das gilt auch für den Ratstrakt, der über einen eigenen Eingang verfügt. Geht man weiter an der Fassade entlang, gelangt man zum künftigen Bürgerbüro. Auch dort: Große Fensterfronten lassen viel Licht hinein. Im Empfangsbereich trennen sich die Wege: Links geht es in den Warteraum zum Bürgerbüro, rechts zur Touristeninformation mit Ticketverkauf und zum Kreisservicecenter.

Die Tiefgarage erinnert mit ihren alten Stützen noch an den Vorgänger: Aus Kostengründen sollte das alte Fundament fürs gesamte Gebäude erhalten bleiben. In einer Ecke hängt die Decke wegen der darüber liegenden Minoritenstraße aus Stabilitätsgründen etwas tiefer, zu tief für öffentliche Parkplätze. Dort wurden sechs Stellplätze für Verwaltungsmitarbeiter geschaffen. Sie wissen um die niedrige Decke und achten auf ihren Kopf. Die Tiefgarage ist so gut wie fertig, sie soll in der kommenden Woche für die Öffentlichkeit freigegeben werden. Das Datum steht noch nicht genau fest. Das dürfte vor allem die örtliche Kaufmannschaft freuen. Das Hertie-Parkhaus ist bekanntlich weg, in der Tiefgarage unterm Arkadenhof laufen seit Monaten umfangreiche Sanierungsarbeiten, da ist jeder Stellplatz kostbar.

Der Vorplatz wird am Sonntag, 1. Dezember, erstmals öffentlich genutzt: Dort flimmert ab 14 Uhr das „Winter-Open-Air-Kino“ im Rahmen des ersten Ratinger Adventsleuchtens. Gezeigt werden „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ (14 Uhr) und der Durchhaltefilm „Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann (17 Uhr) aus dem Jahre 1944. Der Eintritt ist frei.

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