Ratingen: Der Koch Heinz Klein hat sein drittes Buch geschrieben

Tiefenbroich : Pendeln zwischen Herd und Schreibtisch

Heinz Klein, Inhaber des kleinen Restaurants „Süße Sünde&Meer“, hat soeben sein drittes Buch veröffentlicht.

Das skandinavische blaue Holzhaus an der Sohlstättenstraße springt direkt ins Auge, den kleinen Eingang an der Seite zum Restaurant „Süße Sünde&Meer“ entdeckt man eher auf den zweiten Blick. Aber, es lohnt sich genau hinzuschauen und vor allem: dort einzukehren. Nicht nur, dass das kleine helle und mediterran angehauchte Restaurant und Café mit kleiner Außenterrasse (umgeben von einem eigenen Weinstock) Gemütlichkeit versprüht und eine hochwertige feine Küche mit viel Fisch- und Fleischspezialitäten anbietet, es ist vor allem die Gastfreundlichkeit der Inhaber Angelika Wiesner und Heinz Klein, die einen Besuch dort zu einem besonderen Erlebnis macht.

Mit viel Leidenschaft betreiben der gelernte norddeutsche Koch und die Pflegefachkraft die kleine Gastronomie. „Bestimmt fünf bis sechsmal in meinem Leben habe ich einen Cut gemacht und wieder irgendwo anders neu gestartet“, erzählt der lebhafte Koch, „auch daher entstand die Idee, Bücher zu schreiben.“ Das Besondere: Heinz Klein, der Ende vergangenen Jahres seinen 70. Geburtstag gefeiert hat, schreibt keine Rezeptbücher, er schreibt Autobiographien über seine einzelnen Lebensabschnitte. Während sein erstes Buch „Rote Grütze küsst Vermicelles“ von den Erlebnissen während seiner Ausbildung und seinen jungen Jahren in Bayern und der Schweiz, von der Abnabelung von Zuhause, von Fernweh, Jugendsünden und großen Träumen erzählt, das Zweite „Ente mit Orangenkraut“ mit „unglaublichen Geschichten rund um Gäste und Personal“ gefüllt ist, geht es in seinem gerade erschienenen dritten Werk „Koch mit Leib und Seele“ um die Lebenswege langjähriger Weggefährten, Kochkollegen und seinem jetzigen Lebensabschnitt in Ratingen, von dem er auch sagt, dass er hier nun endlich sesshaft geworden sei.“

„Es beginnt mit der Zeit, als wir in Buxtehude das große Restaurant aufgegeben und dem Norden den Rücken gekehrt haben“, erklärt Heinz Klein und schaut seine Lebensgefährtin liebevoll an, „Angelika war ja extra wegen mir einige Jahre zuvor nach Buxtehude gekommen, hat ihr Leben hier in Ratingen aufgegeben, aber es quälte sie zunehmend das Fernweh, so sind wir dann hierhin gekommen und haben uns in Tiefenbroich niedergelassen. Die Anfänge waren nicht einfach, mittlerweile haben wir viele Stammgäste, es geht uns gut.“ Dabei weiß der Gastronom, dass sein Lebensweg auch hätte anders verlaufen können, Koch sein, sagt er, dass sei ein Traumberuf mit Tücken. Lange, ungeregelte Arbeitszeiten, die Unsicherheit der Selbstständigkeit, all das führe nicht selten zu Burn Out oder Suchterkrankungen. „Ich kenne einige, die an diesem Beruf verzweifelt oder früh gestorben sind“, sagt Heinz Klein leise und kratzt nachdenklich mit den Fingernägeln über die Tischdecke, „was ganz wichtig ist, ist ein Partner, der hinter einem steht. Meine erste Ehe scheiterte an meinem Beruf und der Gastronomie, bis ich Angelika kennenlernte, die sich mit mir für diesen Weg entschieden hat. Nun sind wir fast 24 Stunden am Tag zusammen und genießen es. Und: wir achten auf uns. Wir müssen nicht das große Geld machen, sondern gönnen uns lieber zwei freie Tage in der Woche, um gemeinsam auszuspannen, Fahrrad zu fahren, das Leben für uns zu haben. Ich habe lange Jahre an einer sehr schweren besonderen Kopfschmerzform gelitten und weiß jetzt, es war stressbedingt. Man muss auf sich achten, nicht nur als Koch, sondern generell.“

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