Ratingen: Dagmar Frik legt aufs Backblech, was ihre Kunden wünschen. Derzeit ist Dinkel „in“.

Frau der Woche : Streuselkuchen macht gute Laune

Dagmar Frik legt aufs Backblech, was ihre Kunden wünschen. Derzeit ist Dinkel „in“.

Über ihre Theke gehen – wenn es sich um Brot dreht – vornehmlich Produkte, deren Namen gleich klar machen, was drin ist: Also im Weizenmischbrot ist vornehmlich Weizenmehl, im Dinkelbrot ist Dinkel. Beim „Dumeklemmer“ ist es etwas anders: Das wird auch aus Mehl gebacken, aus 90 Prozent Roggen-und zehn Prozent Weizenmehl. Bei Dagmar Frik haben also die Brote seltener Paradiesnamen, die man als Käufer kaum auszusprechen wagt.

Ohnehin scheinen die meisten Brote „Das da“ zu heißen, denn Kunden peilen durch das schützende Glas meist ein Brot an, zeigen vielleicht noch und wünschen sich eben „das da“. Damit haben sie ein Backwerk gewählt, das am selben Tag in einer Ratinger Backstube hergestellt worden ist. Frik ist nach eigenen Angaben der eine von zwei Bäckern, die noch tagtäglich frisch für und in Ratingen produzieren. Die anderen Brote und Brötchen sind entweder schon fertig aus der Ferne angereist oder als vorgefertigte Stücke angeliefert worden.

Das bedeutet frühes Aufstehen und Schaffen, azyklische Tagesabläufe und strapazierfähige Nerven im Familienleben. Wenn es klappt, schafft ein Bäckerehepaar innere Nähe und Zuneigung bei äußerer Distanz – schließlich muss in einem derartigen Handwerkshaushalt immer einer arbeiten, während sich der andere mit einem Schläfchen auf die nächste Brötchenschicht vorbereitet.

Ob sich Dagmar, im August 1961 geboren, genau das vorgestellt hat, mag sie auch nicht so wirklich sagen. Die junge Frau, die in Ratingen zur Welt gekommen ist und der Stadt seither die Treue gehalten hat, ist zur Rechtsanwaltsgehilfin ausgebildet worden. Dafür war der Auserkorene Josef in einer Bäckerlehre.

Und wie das in Ehen so ist, in denen beide Partner im selben Geschäft arbeiten, so entwickelte sich auch hier Privates und Geschäftliches eng nebeneinander. Da gab es keine ausgiebige Mutterschutzzeit, da wurde durchgeschuftet. Friks führten bis zu fünf Filialen, auch in Supermärkten, waren stets und nicht immer erfolgreich auf der Suche nach gutem Fachpersonal, das in diesem Metier auch mit besonderen Arbeitszeiten zurechtkommen muss. Und auch ein anderes darf man nicht vergessen: Ewig dauernde Haus- und Straßen-Baustellen neben und vor einem Geschäft ruinierten die Wirtschaftlichkeit.

Seit drei Jahren nun konzentriert man sich auf „Pustekuchen“ – das Café mit Bäckerei auf der Mülheimer Straße. Und Dagmar Frik erlebt auch dort den Geschmackswandel. Dinkel hat zum großen Teil den Weizen verdrängt. Die Kunden bevorzugen eher körnige als weiße Mehle und können in ihrem Geschäft auch ein Schwarzbrot finden, das in das Ernährungskonzept einer internationalen Firma zur Gewichtsreduktion passt.

Viele Kunden wissen genau, was Vollkorn und was beim Mehl „voll ausmahlen“ bedeutet. Und viele kaufen dieses Brot und jenen Kuchen, weil es einfach lecker ist. Und das schon morgens um 6 Uhr. Dem einen ist das Brötchen mit eingeklemmtem Schokokuss, insgesamt Fortunabrötchen genannt, lieb und wert, der andere träumt vom Stuten mit Streuseln. Vieles kann man sich auf der Bäckerei-Website anschauen, die noch im Aufbau ist. Und alles erklärt die Chefin.

Und ihr Lieblingsteil aus der Backstube: Streuselkuchen mit eingebackener Vanillepudding-Schicht. Warum das zum Kaffeetrinken nach Beerdigungen gehört? Weil es bestimmt gute Laune macht.

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