ratingen: Als der Bruder ihrer Schwiegermutter Hilfe brauchte, sprang Jessica Neidenberger ein, managte Büro und Haushalt.

Frau der Woche : Eine Frau für den privaten Notfall

Als der Bruder ihrer Schwiegermutter Hilfe brauchte, sprang Jessica Neidenberger ein, managte Büro und Haushalt.

Wann ist ein Leben spektakulär? Wenn man das Penicillin entdeckt hat? Ist es ein besonderes, wenn man ganze Straßenzüge caritativ betreut, halbe Altenheime gefüttert oder öffentliches Grün vor sommerlichem Absterben gerettet hat? – Also, so ein Menschenleben muss keineswegs in diese Richtungen gehen, um wirklich gut zu sein. Authentizität wäre schon mal eine gute Eigenschaft, sicher auch Hilfsbereitschaft, vor allem aber Humor. Und was das betrifft, hat Jessica Neidenberger, 35 Jahre alt, seit einem Jahrzehnt verheiratet, eine Menge zu bieten.

Und: Sie ist dann zur Stelle, wenn sie gebraucht wird. Sie wurde gebraucht vom Bruder ihrer Schwiegermutter – welcher angeheiratete Verwandtschaftsgrad das auch sein mag – als er in einer privaten Krisensituation jemanden fürs Büro, fürs Einkaufen und auch dafür brauchte, dass das Eingekaufte zu wohlschmeckenden Mahlzeiten verarbeitet wurde. Natürlich ist das kein Job, auf den sich Horden freundlicher Frauen melden.

Jessica Neidenberger allerdings kam so nicht als Mutter Teresa in Reineckes Bau, sondern hatte ein Baby im Wagen, das betreut werden sollte. Und das konnte sie mitbringen. Andernorts nennt man das eine Win-Win-Situation, im Wirtschaftsleben auch Doppelsieg-Strategie genannt. Immerhin ist die jüngere Tochter Luisa zu Füßen der Mutter ganz ordentlich herangewachsen und wird in der kommenden Woche eingeschult. Ihre große Schwester Lili ist schon zwölf Jahre alt und besucht die Liebfrauenschule.

Nun ist Jessica Neidenberger keine eingeborene Ratingerin. Macht nichts. Sie ist der Liebe wegen hierher gekommen und fühlt sich – was Wunder – hier sehr wohl. Geboren ist sie in Krefeld, aufgewachsen in Kempen, geliebt und erzogen von einer Mutter, die mit vier Kindern wacker durchs Leben gekommen ist. Als die Tochter ihr Fachabitur abgelegt hatte, wollte sie eigentlich was „mit Werbung“ machen. Da allerdings fand sich keine entsprechende Ausbildungsstelle. Wie auch immer – in gewisser Weise gab sie klein bei – es wurde eine Ausbildung im Hotel als Restaurantfachfrau.

Sie war in unterschiedlichen Betrieben tätig und hatte im Ratinger Stadthallen-Restaurant bei den Frühstücksgästen zum Beispiel bald raus, wer lieber Brot als Brötchen nahm oder Wurst statt Käse. Sie war beliebt. Sie wurde familiär noch beliebter, als sie ohne großes Getöse in die Bresche sprang. Die Büroarbeit ging ihr gut von der Hand, das Einkaufen auch.

Und vor allem die Kocherei; denn die junge Frau kann das, was einem die telegenen Kochshows keinesfalls beibringen: Sie kocht gut bürgerlich, bevorzugt Eintöpfe: Möhren untereinander, Erbsen-, Bohnen-, Linsensuppen. Eben das, was Mutters Liebster gern isst. Und hat festgestellt, dass aus dem bekannten hochpreisigen kochbacksonstwas Kochtopf nicht nur Meisterwerke herauskommen.

Die junge Frau macht das, was viele Muddis machen: Kinder rumkarren, anderen helfen, Spaß haben, in der Muckibude Kurse besuchen.

Mehr von RP ONLINE