1. NRW
  2. Städte
  3. Ratingen

Ratingen: ABB seit 20 Jahren am alten Kasernengelände

Ratingen : Schneller schalten mit Technik aus Ratingen

Am 2. September 1999 zog der Marktführer für Elektrifizierung und Automatisierung, ABB Calor-Emag, an die Oberhausener Straße.

Als sich vor 20 Jahren gleich mehrere Schwertransporter den Weg vom Calor-Emag-Gelände aus zum ehemaligen Kasernengelände in der Oberhausener Straße bahnten, war das ein bedeutender Schritt. ABB Calor  Emag setzte die Zeichen auf Wachstum, man sprach stolz von Zukunftsfabrik, die Stadt hielt einen wichtigen Arbeitgeber und ABB Ratingen stärkte seine Bedeutung innerhalb des Weltkonzerns. Am offiziellen Umzugstermin, dem 2. September, wird die Belegschaft dieses kleine Jubiläum noch mal mit einem Barbecue feiern. „Das bietet unsere Kantine jedes Jahr für die dann anwesenden Mitarbeiter an und jetzt haben wir es auf dieses besondere Datum gelegt“, sagt Patrick Bommes vom ABB-Marketing.

Gefeiert wurde allerdings bereits: Das Sommerfest stand im Juni ganz im Zeichen der 20 Jahre am „neuen“ Standort an der Stadtgrenze zu Düsseldorf, direkt am Silbersee gelegen (RP berichtete). Im olympischen Rhythmus findet das Event für alle Mitarbeiter und deren Familien statt. Mit einer kleinen Ausstellung erinnerte das Unternehmen fotografisch an die zurückliegende Zeit und dokumentierte damit auch, dass sich das Betriebsgelände in den 20 Jahren bereits mehrfach verändert hat.

Bei der Produktion von Polteilen sind klinische Sauberkeit und höchste Präzision gefragt. Foto: RP/ABB

Neue Gebäude kamen hinzu wie zum Beispiel eine weitere große Halle, in der die Schaltanlagen für die Kunden aufgebaut und getestet werden.

Der Prüffeld-Generator musste im Jahre 1999 nachts mit einem Schwerlast-Konvoi vom Calor-Emag-Gelände zur Oberhausener Straße transportiert werden. Foto: RP/ABB

„Dafür brauchen wir viel Platz“, erklärt Bommes. „Denn es ist in der Branche üblich, dass die Anlagen nicht erst beim Kunden montiert werden. Umfangreiche Tests, auch durch die Kunden selbst, finden bei uns vor Ort statt. So können Nachbesserungen vorgenommen werden, noch bevor die Bauteile auf die Reise geschickt werden.“

Und die geht beim Schweizer Konzern in die ganze Welt hinaus. Mit den Schaltanlagen für Mittelspannung werden Fabriken, Kraftwerke, Kreuzfahrtschiffe und Stadien ausgestattet. Keine Weltmeisterschaft oder Olympischen Spiele finden ohne Technik von ABB statt. Und bisweilen wurden im Zuge der Sportgroßveranstaltungen auch schon ganze Stadtteile neu elektrifiziert.

Das Kernprodukt bei ABB Calor Emag in Ratingen sind Vakuum-Schaltkammern. Zur Zeit des Umzugs kam diese technische Variante gerade erst auf, davor wurden Schaltkammern mit Isolationsgas befüllt. So waren es damals noch zirka 100.000 dieser Kammern, die jährlich produziert wurden.

Heute sind es 450.000 bis 500.000 Stück. Die werden in geringem Anteil für die eigene Montage von rund 4000 Schaltanlagen in jedem Jahr benötigt, der weit größere Teil wird aber an alle anderen ABB-Standorte weltweit geliefert. „Auch andere Hersteller bekommen die Vakuum-Schaltkammern von uns“, sagt Thorsten Fugel, Produktgruppenleiter für Schaltgeräte und Komponenten.

Die Mitarbeiterzahl hingegen hat sich in den 20 Jahren nur geringfügig verändert. Rund 1000 waren es, die 1999 von Ratingen-Ost mit umzogen, später kamen noch mal etwa 150 vom Heiligenhauser Standort am Höseler Platz hinzu.

Heute sind es 1200 Mitarbeiter, die an der Oberhausener Straße für reibungslose Produktionsabläufe sorgen. „Auch bei uns haben natürlich Automatisierung und Roboter Einzug gehalten. Allerdings nicht, um Mitarbeiter einzusparen, sondern aus Gründen der Platzersparnis und Prozessoptimierung.“

Einige der Maschinen erledigen auf engstem Raum bis zu zehn Arbeitsschritte, für die ansonsten deutlich mehr Montagefläche benötigt würde.

Insbesondere im technologisch hoch anspruchsvollen und kostenintensiven Reinraum ist das von großem Vorteil.