Ratimgen. Zehn Jahre Hilfe für unheilbar Kranke

Kreis Mettmann : Netzwerk der Hilfe für unheilbar Kranke

Zehn Jahre „Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung“ (SAPV) im Kreis Mettmann. Eine Zwischenbilanz.

Als Elisabeth (Name geändert) damals von ihrer Brustkrebserkrankung erfuhr, war das ein Schock. Für sie, ihren Mann und ihre Kinder. Die Ärzte machten Mut, die Operation verlief gut und nachdem die Chemotherapie überstanden war, wurde Elisabeths Leben auch wieder lebenswert. Ganz weg ging der Krebs zwar nie, aber „damals“ ist inzwischen fast 20 Jahre her. Jahre mit schönen Erfahrungen, Reisen, Festen. Doch auch das ist jetzt Vergangenheit. Elisabeth geht es nicht mehr gut, sie sehnt sich das Ende herbei. Begleitet wird sich dabei durch die geschulten Ärzte und Pflegefachkräfte der SAPV.

Die vier Großbuchstaben stehen für die „Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung“, im Kreis Mettmann gewährleistet durch die SAPV Niederberg und SAPV Mettmann. Beide Gesellschaften sind eng personell und strukturell miteinander verwoben, wurden aber zu unterschiedlichen Zeiten gegründet und sind in verschiedenen geografischen Gebieten tätig. Niederberg wurde vor zehn Jahren gegründet und ist für Heiligenhaus, Ratingen, Velbert und Wülfrath zuständig, Mettmann kümmert sich seit 2013 um Patienten in Erkrath, Haan, Hilden, Langenfeld, Mettmann und Monheim. Als Unternehmen mit 24-Stunden-Rufbereitschaft versorgen die beiden Unternehmen unheilbar erkrankte Menschen im häuslichen Umfeld.

„Ziel ist es, den Patienten eine angemessene Lebensqualität und die Selbstbestimmung so weit wie möglich zu erhalten“, erklärt Patientenmanager Sebastian Schmitz. „Im Vordergrund steht dabei, die im Zusammenhang mit der Grunderkrankung auftretenden komplexen Symptome wie Schmerzen, Atemnot oder Angst zu lindern.“ Für die Versorgung zuhause, in Pflegeheimen oder Hospizen setzt die SAPV spezialisierte multiprofessionelle Teams aus Ärzten, Pflegekräften, Psychoonkologen und Sozialarbeitern ein. Sie bilden damit eine inzwischen unverzichtbare Ergänzung zur temporären stationären Palliativversorgung – beispielsweise im Helios Klinikum Niederberg, EVK Mettmann, dem Uniklinikum Düsseldorf oder dem Städtischen Klinikum Solingen – und der Unterbringung im Hospiz.

Die SAPV Niederberg wurde im Frühjahr 2009 von engagierten Ärzten und Pflegekräften als erste Einrichtung dieser Art im Gebiet der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein gegründet. Am 1. September des gleichen Jahres wurde der erste Patient vom achtköpfigen Team aufgenommen. Seitdem ist der Bedarf stetig gestiegen, inzwischen sind in beiden Gesellschaften zusammen 90 Mitarbeiter beschäftigt, darunter 32 Ärzte und 29 Pflegekräfte. „In der gesamten Zeit konnten wir insgesamt bereits 8500 Patienten zwischen 18 und 107 Jahren versorgen“, sagt Schmitz. „Aktuell sind es 280 Patienten, Tendenz steigend.“ Das hat mehrere Gründe: Zum einen steigt der Bedarf generell an, weil durch gestiegene Lebenserwartungen schwere Erkrankungen im hohen Alter zunehmen und seit einiger Zeit auch Demenz in der Endphase für palliative Versorgungen anerkannt wird. Zum anderen ist das Angebot generell inzwischen bekannter geworden unter Betroffenen und vermittelnden Institutionen. Bezahlt werden die Leistungen der SAPV übrigens durch die Krankenkassen – eine medizinische Verordnung durch den Hausarzt oder den behandelnden Klinik-Arzt vorausgesetzt.

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